Freier Handel

Ölsaatenindustrie hält Rohstoffautarkie für unrealistisch

Völlige Unabhängigkeit von der weltweiten Agrarrohstoff-Versorgung ist laut OVID unrealistisch. Autarkie vertrage sich nicht mit einer arbeitsteilig organisierten Ölsaatenverarbeitung.

Den mit Corona aufgekommenen Forderungen nach einer weitgehenden Selbstversorgung mit Agrarrohstoffen hat der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) eine klare Absage erteilt.

„Eine solche Rohstoffautarkie ist unrealistisch. Unsere Ölmühlen verarbeiten einen Mix an Rohstoffen aus aller Welt. Wir setzen auf freien Handel“, erklärt Dr. Momme Matthiesen, der die OVID-Geschäftsstelle in Berlin seit einem Dreivierteljahr gemeinsam mit Dr. Gerhard Brankatschk leitet, im Interview mit AGRA-EUROPE.

Autarkie vertrage sich nicht mit einer arbeitsteilig organisierten Ölsaatenverarbeitung. Gleichwohl begrüße die Ölsaatenindustrie in Deutschland Bestrebungen der Politik, die europäische Eiweißproduktion zu fördern, um die Versorgung auf ein breiteres Fundament zu stellen.

Mit Blick auf die unter Präsident Jair Bolsonaro in Brasilien wieder forcierte Abholzung des Regenwaldes stellt Matthiesen klar, dass die deutschen Ölmühlen unbedingt am Amazonas-Soja-Moratorium festhalten wollen. „Wer brennende Regenwälder verhindern will, darf sich aber nicht aus politischen Gesprächen zurückziehen oder seine Grenzen für Rohstoffe aus Brasilien schließen. Denn damit würden wir jede Möglichkeit zur Einflussnahme verlieren“, argumentiert der OVID-Geschäftsführer.

Soja aus europäischem Anbau bescheinigt er mit Verweis auf die Erfolgsgeschichte des Maisanbaus großes Potential. Noch in den achtziger Jahren sei auf Höhe von Bayern Schluss mit dem Anbau von Körnermais gewesen. Heute finde man Mais bis hoch nach Schweden. Eine ähnliche Entwicklung vollziehe sich durch klimatische Veränderungen gerade bei der Sojabohne. Klar sei aber auch, dass jeder Hektar nur mit einer Kultur angebaut werden könne.

„Und wo künftig die Sojabohne steht, kann eben kein Getreide mehr angebaut werden“, so Matthiesen. Von daher sei es nicht realistisch, dass Deutschland seinen Eiweißbedarf künftig vollständig aus eigenem Anbau decke.

Genschere bietet Chancen

Die Etablierung neuer Züchtungstechniken gehört für die OVID-Geschäftsführung zu den aktuell größten Herausforderungen für die Ölsaatenindustrie in Deutschland. Neue Methoden wie die Genschere CRISPR/Cas böten die Chance, Landwirten eine neue Anbauperspektive zu geben, Inhaltsstoffe zu verbessern, Erträge schneller zu steigern und die Pflanzen klimaresistenter zu machen.

„Wenn jetzt bei der Farm-to-Fork-Strategie ein drastisch verringerter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gefordert wird, kann dies beispielsweise über züchterisch verbesserte Pilz- und Virusresistenzen kompensiert werden“, sagt Brankatschk. Allerdings würden derzeit Chancen und Risiken und auch die Regulierung der neuen Züchtungstechniken wie Genome Editing politisch intensiv diskutiert. „Wir setzen uns gemeinsam mit der Wissenschaft und der Verbändeallianz des Grain Club für diese wegweisenden Innovationen ein“, so Brankatschk.


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