Ernteschätzung

Thüringer Bauernverband fordert Unterstützung für Risikomanagement

Die Wetterschwankungen machen die Ertragsplanung für die Thüringer Landwirte zunehmend zum Glücksspiel. Nötig ist ein Risikomanagement, so der Bauernverband.

Eine Befragung von Thüringer Landwirtschaftsunternehmen durch den Thüringer Bauernverband (TBV) zur diesjährigen Ernte zeigt, dass die Ernteerträge aufgrund der langanhaltenden Trockenheit und den örtlich sehr ungleichen Niederschlägen außerordentlich unterschiedlich ausfallen. Diese örtlichen Schwankungen machen die Ertragsplanung für die Thüringer Landwirte zunehmend zum Glücksspiel.

Die anfänglich sich gut entwickelnden Kulturbestände verkümmerten vielerorts aufgrund der ausbleibenden Niederschläge im Februar, April und Juni dieses Jahres. Verstärkend kam hinzu, dass das noch bestehende Bodenwasserdefizit infolge der Dürre 2018 nicht ausgeglichen werden konnte. Die schwierigen Wetterereignisse zeigen aus Sicht des TBV einmal mehr die Notwendigkeit eines wirkungsvollen und praktikablen Risikomanagements in der Landwirtschaft und dessen Unterstützung durch Bund und Land.

Besonders von der Folgen der Trockenheit betroffen ist das Gebiet des Thüringer Beckens mit seinen Randlagen, die Gebiete entlang der A71 nördlich von Erfurt, der Kyffhäuserkreis, der Saale-Holzland-Kreis und der Saale-Orla-Kreis sowie Teile Südthüringens. Hier liegen die Erträge z.T. weit unter dem langjährigen Mittel.

Insbesondere der Winterweizen hat unter der Hitze im Juni gelitten. Thüringenweit liegen die Erträge hier im Durchschnitt bei rund 60 dt/ha und damit mehr als 20 Prozent deutlich unter dem langjährigen Mittel (77 dt/ha). Die schlechte Wasserversorgung machte sich auch beim Raps deutlich bemerkbar. Auch hier fallen die Erträge rund ein Fünftel geringer aus (30 dt/ha) als im langjährigen Mittel (37 dt/ha). Örtlich wurden sogar nur 12 dt/ha geerntet. Bei der Wintergerste sind die Mindererträge demgegenüber geringer ausgefallen. Mit im Schnitt 70 dt/ha liegen sie rund 5 dt/ha bzw. 7 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Die Krisenanfälligkeit der Landwirtschaftsunternehmen durch Wettereignisse resultiert aus der schwierigen Einkommenssituation eines großen Teils der Betriebe. Geringe und stark schwankende Preise ermöglichen es den meisten Unternehmen nicht, ausreichend Reserven zu bilden, um wetterbedingte Ertragsverluste wie in den vergangenen Jahren zu kompensieren. Um der Krisenanfälligkeit der Landwirtschaftsbetriebe entgegenzuwirken, muss ihnen aus Sicht des TBV ein angemessener Platz in der Wertschöpfungskette zugebilligt werden.

Zentrale Bedeutung hat zudem, dass im Zuge der Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik eine starke, direkt einkommenswirksame erste Säule der Agrarzahlungen erhalten bleibt. Eine Marginalisierung und Verwässerung der ersten Säule durch Umverteilungen und zusätzliche Auflagen muss unterbunden werden. Auch die Umsetzung der schon lange in der Diskussion befindlichen Versicherungslösungen für Dürreschäden hat hohe Priorität. Zur Stabilisierung der Versicherungsprämien müsste die Besteuerung analog der Hagel- und Mehrgefahrenversicherung nach der Versicherungssumme erfolgen. Außerdem könnten Beitragszuschüsse in der Einführungsphase größere Verwerfungen verhindern. Auch eine steuerbegünstigte Risikorücklage ist aus Sicht des TBV ein Vorschlag, der einer objektiven und unvoreingenommenen Bewertung unterzogen werden muss.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Stefan Lehr

Eigeninitiative

Ich moechte niemandem auf die Fuesse treten, aber mit diesen Problemen habe ich seit nunmehr fast 20 Jahren in Osteuropa zu kaempfen. Auch hier gibt es Duengevorschriften, etc. Also was macht man? Man setzt eine geringes Ertragsniveau in seiner Unternehmenskalkulation an und wenn die Witterung mitspielt wird die Strategie nach oben erweitert. Ansonsten wird auch manchmal bereits im Fruehjahr nach "unten" korrigiert. Dazu bedarf es keines Bundes und keines Landes. Wenn diese Institutionen sich einschalten, dann gibt es sofort wieder neue Auflagen und Forderungskataloge.

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