Phosphor zurückgewinnen: Forscher optimieren Separator von BETEBE

Lukas Wettwer Lukas Wettwer fügt das Flockungsmittel den Gülleproben zu.
Bild: FH Münster/Pressestelle

Phosphor ist ein endlicher Rohstoff, für den es keinen chemischen Ersatz gibt. Phosphor lässt sich aber rückgewinnen, zum Beispiel aus Gülle und Gärresten von Biogasanlagen. Wie man möglichst viel des wertvollen Düngers zurückgewinnt, hat die FH Münster im Projekt „OptiSep“ erforscht.

Konkret ging es dabei um einen Separator des Maschinenbauunternehmens und Projektpartners BETEBE, den Landwirte und Betreiber von Biogasanlagen bei sich aufstellen können. „Wir haben untersucht, wie gut die Maschine Nährstoffe aus Gärresten und Rindergülle abtrennen kann und wie wir sie technisch optimieren können“, erklärt Dr.-Ing. Elmar Brügging, Koordinator des Forscherteams von Prof. Dr.-Ing. Christof Wetter am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt.

„Zu Beginn des Projekts vor zwei Jahren lief die Maschine maximal eine Woche, bis die erste Wartung notwendig war und die Abstreiflippen ausgetauscht werden mussten“, berichtet Projektingenieur Lukas Wettwer. „Jetzt hat sie einen stabilen Betriebszustand und läuft bis zu drei Monate wartungsfrei durch.“ Das ist ein toller Erfolg, findet Brügging, zumal der Separator jetzt sowohl für Schweinegülle als auch für Rindergülle und Gärreste kontinuierlich arbeitet. „Gülle ist nicht gleich Gülle, technisch gibt es Riesenunterschiede“, sagt Wettwer. „Rindergülle und Gärreste haben beispielsweise mehr feste, faserhaltige Substanzen als Schweinegülle, wodurch eine Separation deutlich schwieriger wird.“

Flockung Flockung erfolgreich: So lässt sich der Phosphor feinseparieren
Bild: FH Münster/Pressestelle
Das Besondere an der optimierten Feinseparationsmethode ist eine zusätzliche Behandlungsstufe, die auch Kleinstpartikel und damit mehr Phosphor aus der Gülle herausfiltert als beispielsweise andere Trenntechnologien. „Das funktioniert mit einem biologisch abbaubaren Flockungsmittel, an das sich der Phosphor bindet“, erklärt Brügging.

Dieses Flockungsmittel hat auch Vorteile für den erneuten Einsatz später auf dem Feld: Die Pflanzen können den Phosphor im Dünger direkt aufnehmen. „Das entstandene, nährstoffarme Filtrat lässt sich beispielsweise auf dem Feld verrieseln, so vermeiden wir zusätzlich Überdüngung“, sagt Wettwer. „Dadurch ist der Phosphor auch transportabler – zum Schluss kommt eine Art Mus dabei heraus, welches sich besser dorthin transportieren lässt, wo es gebraucht wird, als die Gülle, die aus über 90 Prozent Wasser besteht.“ Nutzt ein Landwirt diese Maschine, kann er seine Nährstoffbilanz aktiv verändern: Zum Beispiel, indem er den separierten Phosphor zum Acker- oder Gartenbau verwendet. So fließt die Entsorgung nicht in die Hofbilanz ein.

Zwei Jahre lief das Projekt zur Anwendungserweiterung auf Rindergülle und Gärreste, über das Wettwer nun seine Masterarbeit schreibt. Zuvor hatte das Team die Separation für Schweinegülle verbessert. „Jetzt ist das Produkt marktreif, die Anlage funktioniert“, sagt Brügging.

Lesen Sie mehr

3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Wissenschaft ist dass, wofür es Fördergelder gibt!

    Diese Gülle-Phosphat-Diskussion habe ich auch schon mit Wissenschaftlern diskutiert, die ausschliesslich staatlich geförderte Projekte hatten. Da wurde natürlich betont, dass es so notwendig und sinnvoll sein, den Phoshor aus der Gülle oder dem Gärrest zu entfernen. In Wirklichkeit ging es darum, die Mitarbeiter des Instituts zu finanzieren und solange es Menschen in Ministerien gibt, die solche vielfach unnützen Projekte mit Steuergeldern dotieren (damit sie selbst nicht "arbeitslos" werden), wird sich daran nichts ändern. Das man mit diesem Projekten "Agrarindustrie" fördert, die doch "Die Gesellschaft" und auch die Politik (angelblich) nicht will, versteht anscheinend auch keiner.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Gerhard Steffek · 2.
    @Paul Siewecke

    Stimme ihnen zu. Oberste Priorität bei der P-Rückgewinnung sollten die Kläranlagen sein. Die Möglichkeit der Separierung der Gülle sollte hier höchstens als angenehmer Nebeneffekt, bzw. Zusatznutzen angesehen werden.

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Paul Siewecke · 3.

    Dann holen wir also den Phosphor aus der Gülle (oder anderen organischen Düngemitteln), um ihn danach wieder als Dünger einzusetzen? Sinnvoller wäre, die Abtrennung in den Kläranlagen vorzunehmen! Ach nein, da bezahlt es ja nicht der "dumme Bauer"....

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren