Greenpeace-Agrarsprecher Martin Hofstetter antwortet Bauer Willi

Bauer Willi Bauer Willi sprach mit Martin Hofstetter über die andauernde Diffamierung der Landwirtschaft
Bild: www.bauerwilli.com

Martin Hofstetter Agrarexperte und Political Advisor bei Greenpeace Deutschland. Bauer Willi von www.bauerwilli.com hatte eine Reihe Fragen, die ihm Hofstetter beantwortet hat:


Bauer Willi: Herr Hofstetter, Greenpeace ist bei Bauern nicht gerade beliebt und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Können Sie das verstehen?

Hofstetter: Natürlich werden wir nicht von allen Landwirten geliebt, aber von vielen respektiert. Wobei es da ja durchaus Unterschiede gibt. Meiner Erfahrung nach honorieren viele Landwirte, dass wir sehr aktiv gegen die Klimaerwärmung, z.B. gegen die Kohle-Industrie arbeiten und uns für den Ausbau erneuerbarer Energien einsetzten. Der Ausbau der Wind- und Solarenergie hat ja auch manchen Landwirten durchaus finanziell glücklich gemacht, da gibt es also gemeinsame Interessen.

Und auch bei unseren Landwirtschafts-Kampagnen gegen die Grüne Gentechnik, die Macht von Agrarkonzernen, die Patentierung von Ackerpflanzen habe ich viel Unterstützung aus der Landwirtschaft erfahren.

Auf der anderen Seite gibt es Themen wie den Einsatz von Pestiziden, Umbau der GAP oder auch Veränderungen bei der Tierhaltung, da  tun sich manche Landwirte mit unseren Forderungen deutlich schwerer. Vermutlich weil sie uns da als „Anspruchsgruppe“ sehen, durch die bei ihnen Mehraufwand und Kosten steigen oder Besitzstände angegriffen werden.

Nach außen müssen wir unsere Kampagnenthemen auch manchmal recht einfach runterbrechen um verstanden zu werden. Da hab ich als ehemaliger Wissenschaftler und Agraringenieur auch manchmal noch meine Probleme mit und verstehe wenn sich  Landwirte über die vereinfachte Darstellung ärgern.

Bauer Willi: Ob es der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist, die Greenpeace ja bewusst „Pestizide“ nennt, ob es „Massentierhaltung“ ist und die „Verseuchung des Grundwassers“, beklagt Greenpeace stets die unhaltbaren Zustände. Das ist ja wohl auch das Geschäftsmodell. Wenn es aber um Lösungen geht, wird es dünn in der Argumentation. Außer nur noch Bio zu kaufen, Vegetarier oder Veganer zu werden oder zumindest den Fleischkonsum zu halbieren, kommt da nicht viel. Skizieren Sie bitte die einzelnen Schritte, mit denen Sie einen Umbau der Landwirtschaft realisieren wollen ohne dass noch mehr Betriebe frustriert aufgeben.

Hofstetter: Dass Betriebe frustriert aufgeben bzw. es an Hofnachfolgern fehlt liegt ja vor allem an den mangelhaften wirtschaftlichen Perspektiven. Der Beruf des Landwirts ist trotz der Arbeitsbelastung ja immer noch extrem attraktiv, und auch die soziale Anerkennung aus der Bevölkerung insgesamt recht hoch. Aber die Anforderungen steigen, die Verbraucher werden heute zu sehr günstigen Preisen satt, es gibt ein riesiges Lebensmittelangebot und Lebensmittel können zumindest theoretisch auch vollständig aus dem Ausland kommen. Da muß man schon gut erklären, warum sie trotzdem heimische Produkte bevorzugen sollten. Wir sind in kaum einem Agrarmarkt Kostenführer, also muß es letztendlich über die Qualität der Erzeugung und der Produkte gehen.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Carsten Petersen · 1.
    BSE Milch

    "Aber auch BSE- Milch, Hormonfleisch, Obst mit erhöhten Pflanzenschutzmittelrückständen, etc. darf in die EU nicht eingeführt werden, weil wir höhere Standards als andere haben." Wo gibt es denn BSE Milch?

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  2. von Karlheinz Gruber · 2.
    Die Preise für Lebensmittel steigen nicht?

    ..wenn die Rohstoffkosten meinetwegen um 30 % steigen, denn die Verarbeitung bleibt die selbe..... So, so, und warum erhält dann heute der Bauer nicht mehr als wie vor 30 Jahren für seine Produkte, aber die Aufwendungen sind gestiegen, und die ganze Gewinnspanne bleibt im LEH, und seinen Kampfpreisen? Warum hat der BBV mal Plakate gemacht mit "Unser Anteil" und darauf hingewiesen wie es ist? Warum steigen bei den Metzgern die Preise mit den Rohstoffkosten, brauchen aber lange wieder nach unten? Warum gibt es in den Schlachthöfen Hauspreise, und im LEH sowieso?. Nichts für Ungut Herr Hofreiter, aber mit Ihren Träumen werden wir nicht satt. Die Realität sieht leider in der Preisgestaltung anders aus. Da sind wir Landwirte immer nur zweiter Sieger. Sonst wären jetzt unsere Produktpreise nicht immer um die 13 - 18 Euro/ je dt auf Lange Sicht mit leichten Ausreißern nach oben oder unten. Und wenn es nach der Inflation und Wertigkeit gegangen wäre, so wie die letzten 35 Jahre, so hätten wir beim Weizen ca. 70 Euro je dt. Das ist eine andere Liga und wäre für die Umwelt das beste..... Noch Fragen liebe Greenpeace? Der Verbraucher kauft das was billig ist, egal wo her und was draufsteht. Produktionsgrundlagen interessieren nur bei Umfragen. Denn wer nicht all zu viel im Geldbeutel hat, hat keine große Auswahl wenn er einen gewissen Standard halten will. Also macht schön bei eurem Geschäftsmodell weiter und holzt mit der Axt im Walde umher. Es wird dann alles im Ausland produziert und hereingefahren und wir sind die Showlandwirtschaft für das gute Gewissen und zum Spendensammeln....

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  3. von Jörg Meyer · 3.
    Der Umwelt ist nicht geholfen, wenn man Landwirte angreift

    Es ist immer das Gleiche: Im Dialog über konkrete Themen finden sich fast immer viele Gemeinsamkeiten. Das als Hoffnungskeim für eine florierende zukünftige Zusammenarbeit zu werten, ist falsch. Denn bei nächster Gelegenheit bzw. bei der nächsten Kampagne wird Greenpeace den Landwirten wieder vor das Schienbein treten, wenn es politisch gerade opportun ist oder die Kasse aufgefüllt werden muss. Der Umwelt ist damit natürlich nicht geholfen, weil man auch die Landwirte vor den Kopf stößt, die bereit wären, sich für die Umwelt (noch) mehr zu engagieren. Das ist einfach kein fairer Umgang miteinander. Wenn Greenpeace - und das gilt für andere NGOs gleichermaßen - wirklich zusammen mit der Branche etwas erreichen will, dann müssen diese Kampagnen mit den Pauschalangriffen gegen die konventionelle Landwirtschaft und die Tierhaltung aufhören. Nur mal zur Erinnerung: In diesem Greenpeace-Beitrag werden Landwirte als "Süchtige" umschrieben und der gesamte Pflanzenschutz kriminalisiert: https://blog.greenpeace.de/artikel/glyphosat-von-drogenbossen-komplizen-und-opfern Ich vergesse solche Dinge nicht.

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