Tanja Busse: Gute Preise für gute Landwirtschaft!

Dr. Tanja Busse Dr. Tanja Busse
Ein Kommentar von Dr. Tanja Busse, Autorin des Buches „Die Wegwerfkuh“:

 
In einem alten landwirtschaftlichen Fachbuch steht: „Vom dritten Kalbe an, also vom fünften, sechsten bis zum zwölften Lebensjahr hat die Kuh den höchsten Wert für die Zucht“. Heute liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Kuh unter drei Laktationen.
 
Ist es effizient, wertvolle und leistungsfähige Milchkühe zu züchten und sie dann so früh zum Schlachter zu schicken? Während es gleichzeitig immer schwieriger wird, ihre Bullenkälber zu vermarkten? Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA warnt, dass „die langfristige genetische Selektion auf hohe Milchleistung der Hauptgrund für das schlechte Tierwohl und Gesundheitsprobleme bei Milchkühen“ ist. Vereinfacht gesagt: Zu viel Milch zu geben, kann Kühe krank machen.
 
Nicht alle natürlich: In meinem Buch porträtiere ich einen erfolgreichen Milchbauern, der eine Kuh melkt, die sechzehn Kälber geboren hat. Dennoch steht er wie seine Kollegen unter großem Druck: Landwirte arbeiten unter der Dauerkritik einer empörten Öffentlichkeit und unter der Last hoher Kredite. Sie sollen bei wachsenden nationalen Anforderungen an Tier- und Naturschutz weltmarktfähig produzieren und trotzdem mit US-Landwirten konkurrieren, die keine Flächenbindung für ihre Gülle brauchen - unmöglich! Den vielen einzelnen Erzeugern stehen dabei wenige bestens organisierte Abnehmer gegenüber, die ihre Marktmacht rücksichtslos ausnutzen.
 
Ein Viertel der Hähnchenmäster in Niedersachsen hat über Jahre hinweg rote Zahlen geschrieben - hochverschuldet bei einem Stundenlohn von zuletzt 13 €. Die größte deutsche Molkerei, DMK, zahlte im März 28 ct/kg Milch.
 
Die Prognose für die Zukunft: Die Märkte bleiben volatil. Das ist Risikolandwirtschaft, die immer mehr Tiere und Landwirte in den Burnout treibt! Den Landwirten wird gesagt, das sei eben „der Markt“ - unabwendbar wie eine schicksalhafte Naturgewalt, gegen die man nichts unternehmen könne. Aber das ist nicht „der Markt“, sondern das ist Marktversagen. Und das kann man ändern.
 
Wenn es den Tierschutzverbänden und anderen Nicht-Regierungs-Organisationen gelingt, aus der Tierliebe der Deutschen Kapitel zu schlagen, warum sollten die Bauern selbst das nicht auch können? Gute Preise für gute Landwirtschaft, dafür müssen sich die Bauern organisieren - gegen alle, die von niedrigen Erzeugerpreisen profitieren.

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top agrar-Rubrik "Der Blick von außen"

Dieser Text stammt aus der Rubrik "Der Blick von außen", die jeden Monat in der top agrar-Heftausgabe erscheint. Der Streitpunkt zeigt, wie die Landwirtschaft von außen gesehen wird und ist nicht die Meinung der Redaktion. Wie stehen Sie dazu? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar unten.

Zum Streitpunkt der letzten Ausgabe:
Prof. Dr. Kunzmann: Tiere bleiben ein Megathema (21.5.2015)

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16 Leserkommentare Kommentieren

  1. von eniemann · 1.
    Gutes Buch für Bauern

    Das Buch von Frau Busse ist gut recherchiert, gut geschrieben, sachlich zutreffend und bauern-orientiert. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen.

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  2. von xf1 · 2.
    Natürlich sind auch die Anforderungen an Schlachttiere nicht stehen geblieben

    Die Möglichkeiten, die es noch bis in die 70iger gab, gibt es heute nicht mehr - und jeder ist bestrebt, eine gesunde Kuh in die zweite Nutzung (Für Busse: Die Milchkuh ist ein Zweinutzungsrind) zu übergeben. Aber wie schon geschrieben: Wer bei sich Übereinstimmungen mit Busse findet, sollte an seiner beruflichen Orientierung zweifeln. Vielleicht findet sich eine Möglichkeit ohne den Umgang mit lebenden Tieren?

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  3. von alzinger · 3.
    Nostalgiedenken !

    Wer in alten Büchern schmökert kann in Nostalgie schwelgen. Nur das hilft heute nicht mehr um bei uns einen erfolgreichen Betrieb zu führen. Jeder der sich heute über die kurze Lebensdauer einer Kuh aufregt, sollte einmal in Wikipedia unter dem Begriff "Remontierungsrate" nachlesen. Dann ergibt sich nämlich von selbst, dass in aller Regel, die Lebensdauer einer heutigen Kuh keine zwölf Jahre mehr beträgt.

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  4. von norbertauto · 4.
    Buch lesen,dann kommentiere

    Hallo,jeder der hier mitdiskutiert,soll gesagt sein,zuerst das Buch lesen ,ich habs getan und muß sagen,sie hat zu 90% Recht.Überlegt mal,wo hat die Wachserei hingeführt.ich habs lange auch geglaubt,nun sehe ich,daß es nur eine Gelddreherei ist,aus der ich schnellstens ausbrechen werde.Frau Busse hat das ganze System hinterfragt und ich muß sagen ,jeder normaldenkende Landwirt findet sich hier wieder.Also,zuerst lesen ,dann gescheit daherschwätzen. Gruß Norbert Niedermaier

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  5. von xf1 · 5.
    Wer sich als Bauer von Frau Busse angesprochen fühlt,

    ... sollte ernsthaft überlegen, ob er seinem Job überhaupt gewachsen ist?

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  6. von preuße · 6.

    Ich kenne das Buch nicht. Der Komentar von Frau Busse spricht mir allerdings aus der Seele.Manche Schreiber sollten sich zuerst einmal mit dem INHALT des Kommentares und dem BUCH auseinandersetzen, bevor sie ihren Schmarrn hier kundtun. Natürlich leben wir nicht mehr in der Nachkriegsidylle der Sechziger und Siebziger. Aber das darf uns nicht dazu verleiten die heutige Situation kritisch zu hinterfragen. Wollen wir diese Entwicklung wirklich? Wir kümmern uns doch nur noch um Masse und neue Märkte - bewegen uns häufig in einem Hamsterrad, das sich bei vielen immer schneller dreht. Und wenn das Tierwohl heute so hoch ist, wie wir uns immer wieder selber vormachen, warum gehen dann die Kühe heute immer früher zum Schlachter? Richtig, weil sie ausgepowert sind.... Und wenn die Qualität unserer Produkte doch um so vieles besser ist als früher, warum erzielen wir dann Preise, die unter denen von vor 30-40 Jahren liegen? Vieleicht macht es doch mal Sinn über die Thesen von Frau Busse nachzudenken, als in ihr nur ein hübsches Gesicht zu sehen.

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  7. von Bauer_12 · 7.
    Guter Ansatz

    Frau Busse sagt hier einiges was wir Bauern eigentlich schon verschweigen. Das Problem liegt nur darin, das wir Bauern uns nicht einig sind um an einem Strang zu ziehen. ......manche wollen halt viel Milch melken, egal wie der Preis ist. .....oder Ihr Einkommen schwindet !

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  8. von hollerbach · 8.
    Nun Sie ist hübsch

    anzusehen das hilft beim Buchverkauf. Sie hat ja recht aber wir leben in D und in 2015 ein zurück wird es nicht geben. Der Glaube das die vielen US Farmer alleine mit der Landwirtschaft reich wurden ist falsch der hohe Eigentumsanteil Gas und Öl verkauf rechnet sich heute mehr den je

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  9. von paul-maier · 9.
    Frau Dr. Busse profitiert vom Verkauf ihres Buches.

    Damit darf man auch ihr vielleicht das Motiv der Gewinnmaximierung unterstellen, das sie aber anderen zum Vorhalt macht. Wenn sie die ihrer Ansicht nach zu kurze Nutzungsdauer der Kühe kritisiert, dann sollte sie einmal genau nachfragen, wodurch diese Zahlen zustande kommen und würde dabei auch sehen, dass sie in den so hoch gepriesenen Bio-Betrieben auch nur wenige Monaten höher ist. Es gehen nämlich alle Abgänge, egal aus welchem Grund in diese Statistik ein. Zudem bemühen sich alle Zuchtorganisationen intensiv um die Erhöhung der Nutzungsdauer und haben dabei auch schon erste Erfolge erzielt. Die Behauptung , dass männliche Kälber wertlos seien stimmt nicht generell. Es gibt Rassen, deren männliche Kälber sehr gesucht und teuer sind. Bei den reinen Milchrassen sind die männlichen Kälber derzeit sehr billig, aber das war nicht immer so und durch die Möglichkeit gesextes Sperma einzusetzen kann die Zahl solcher Kälber von vorn herein verringert werden. Zur angesprochenen Hähnchenmast sei nur so viel gesagt: In einem Vortrag hörte ich vor Wochen, dass allein in Hamburg bei 2 Mio: Einwohnern täglich 44 000 Hähnchen verzehrt werden. Das ergibt auf ein Jahr hoch gerechnet über 16 Mio. Bei den Zahlen sind sicher auch ein paar Konsumenten darunter, die sich selbstverständlich gegen jede Massentierhaltung aussprechen. So etwas nennt man doppelte Moral und die ist hierzulande leider sehr weit verbreitet.

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  10. von lürade · 10.
    Sie will ihr Buch verkaufen !

    Noch mehr ? Glaub` ich nicht oderist die so dumm ?

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  11. von toddelg · 11.
    Früher hat der anständige Knecht

    auf dem Hof wenigstens noch für einen Schlafplatz und 3 Mahlzeiten gearbeitet, Taschengeld gab es dann Samstag für die Kneipe. Da brauchte niemand vom Lohn hungern.

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  12. von xf1 · 12.
    Ja, am Besten Landwirtschaft aus den 70igern,

    ... wo auch Tanja Busse in ihrer Erinnerung stecken geblieben ist. Frau Busse, es ist vieles nicht mehr so, wie früher bei ihnen zu Hause. Damals gabs noch mehr Kühe als Zugtiere, als Kuhkomfort.

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  13. von egge1255 · 13.
    Super

    Sie spricht mir aus der Seele. Dummerweise haben es solche wie Schlaum.... noch immer nicht begriffen. Wenn keine riesigen Hähnchenmastbetriebe da wären, müßten die Hähnchen Nachts auch nicht für ein Hungerlohn verladen werden. Aber sie wollen es ja so.

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  14. von goodman · 14.

    Naja wenigsten ist sie hübsch!

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  15. von SteffenH · 15.
    Genau Schlaum.....!

    Da die Deutschen auf höchsten Niveau und mit den schärfsten Kontrollen produzieren ,können wir unsere guten Produkte auch nicht auf den Weltmarkt verramschen !

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  16. von schlaumeier · 16.
    Grünes Gewissen

    kaufen die Deutschen nun mal durch Spenden an Greenpeace, Tierschutz, Foodwatch, NABU, BUND und co. Nirgends auf der Welt bekommen diese NGOs soviel Spenden wie in Deutschland, ein moderne Ablasshandel. Hat man viel Geld an gespendet, dann erwartet man ja auch Gegenleistungen, die man "umsonst" haben will, weil bezahlt hat man ja schon. Mehr Geld für die Lebensmittel ist dann kaum noch übrig, zumal es auch nicht allen so gut geht im Schnitt wie den Anhängern grüner Ideen. Sehr geehrte Frau Busse, denn Landwirten zu unterstellen, sie würden die Tiere ausnutzen, paßt zwar zum Zeitgeist und man kann Auflage machen, entspricht aber nur mäßig der Realität. Sie sollten ihren Schreibgriffel mal beiseite legen, mal eine Woche nachts Hähnchen verladen oder andere schwierige Arbeiten erledigen und dann werden sie für sich feststellen, dass alles nicht so einfach nicht wie auf einem Blatt Papier. Und Trotz allem produzieren die deutschen Landwirte auf höchsten Niveau, unter mit den schärfsten Kontrollen in der Welt und dann kommen Leute wie Sie und wollen vieles schlecht reden um Auflage zu machen! Altruistisch sind Sie doch nicht die Bohne!!!!!!!!!!!!!!!

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