Kritik an Pauschalangriff auf die Landwirtschaft

Mit teilweise scharfer Kritik haben Politiker von Union und SPD auf die Grünen-Forderung nach einer Agrarwende reagiert. In der Debatte zu dem von der Oppositionsfraktion eingebrachten Antrag warf der CDU-Abgeordnete Hans-Georg von der Marwitz den Grünen am vergangenen Freitag (6.3.) im Bundestag einen Pauschalangriff auf die Landwirtschaft und fehlendes Interesse an einer sachlichen Auseinandersetzung vor.

CSU-Agrarsprecherin Marlene Mortler bezeichnete den Begriff der „Agrarwende“ als „leere Floskel“. Die Koalition habe zu den aufgezeigten Problemen längst Lösungen auf den Weg gebracht. Der agrarpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dr. Wilhelm Priesmeier, hielt den Grünen vor, sie schürten Ängste und stellten hunderttausende Landwirte an einen „ideologischen Pranger“. Priesmeier plädierte für eine von Unternehmern getragene bäuerliche nachhaltige Landwirtschaft und erteilte Agrarholdings eine Absage.

Demgegenüber kritisierte Grünen-Fraktionschef Dr. Anton Hofreiter fehlenden politischen Willen der Regierungsfraktionen und insbesondere des CSU-geführten Bundeslandwirtschaftsministeriums. Die Koalition tue nichts gegen den anhaltenden Strukturwandel in der Landwirtschaft und den Verlust bäuerlicher Existenzen.

Die Agrarsprecherin der Linksfraktion, Dr. Kirsten Tackmann, wies auf die immer stärkere Bedeutung von Agrarholdings als Gegenmodell zu einer regional verankerten Landwirtschaft hin. Tackmann sprach von „Landgrabbing auf Kosten der ortsansässigen Betriebe“ und einer wachsenden Gefährdung einer breiten Eigentumsstreuung an Grund und Boden.

Strukturwandel bremsen

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen begründet ihren Antrag „Sofortmaßnahmen für die Agrarwende - für eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft und gutes Essen“ insbesondere mit dem anhaltenden Strukturwandel in der Landwirtschaft. Agrarsprecher Friedrich Ostendorff wies in einer Presseverlautbarung darauf hin, dass seit 1999 rund 40 % der landwirtschaftlichen Betriebe aufgegeben hätten. In der Milchviehhaltung sei die Hälfte der Betriebe, in der Schweinehaltung seien zwei Drittel auf der Strecke geblieben. Begegnen wollen die Grünen dem Strukturwandel mit einer Deckelung der Direktzahlungen auf 150 000 Euro je Betrieb und einer stärkeren Umschichtung zugunsten der ersten Hektare als bislang beschlossen sowie mit einer stärkeren Umverteilung zwischen der Ersten und Zweiten Säule.

Gefordert wird eine Obergrenze für Tierhaltungsanlagen und eine Flächenbindung der Tierhaltung mit einer Begrenzung auf zwei Großvieheinheiten (GVE) pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF). Weitergehende Maßnahmen soll es nach den Vorstellungen der Grünen zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung geben. Unter anderem soll den Tieren per Gesetz mehr Platz, Auslauf und Beschäftigung ermöglicht werden, um deren Gesundheit zu fördern.

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19 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Versusbauer · 1.
    One Apple a Day, keeps Putin away!?

    Der Kaninchenhalter hat vollkommen Recht und es geht um noch viel mehr als Ideologische Grabenkämpfe! Ganzheiltlich gesehen der Gegner ist nicht die Natur der Nachbar oder die Konkurrenz. Es ist der Kampf gegen den Bürokratismus und der ihn "Unterhält" Diese Struktur ist im Gegensatz zur Landwirtschaft äußerst hierarchisch aufgebaut und bedient sich der hegelschen Dialektik! http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/f-william-engdahl/christian-schmidt-ist-einfach-boese.html https://www.youtube.com/watch?v=nDRL06R_ePs

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  2. von paul-maier · 2.
    Es geht um Wählerstimmen, nicht um Bauernhöfe.

    Nach dem Desaster mit dem Veggie Day bei der letzten Wahl versprechen sich die Grünen mit der neuen Strategie mehr Erfolg. Bei der Einstellung weiter Bevölkerungskreise könnte diese Rechnung sogar aufgehen. Dass vor allem die von den Grünen durchgesetzten Erschwernisse für den rasanten Schwund bei den Höfen gesorgt hat, dafür fehlt ihnen und leider auch vielen Mitbürgern die Einsicht. Auch ihr Engagement für die Bio Energie zeigte eindeutig Wirkung, aber sicher nicht in Richtung Bremsung des Strukturwandels. Eine Forderung, nämlich die nach Auslauf für die Tiere ist besonders abstrus, weil der von ihnen geförderte Wolf schon bereit steht um sich seinen Anteil zu holen. Der tötet ja auch ganz tierschutzgerecht.

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  3. von joergporz · 3.
    Strukturwandel; Denkanstoß an die Unterstützer grüner Propaganda

    Ich schwadroniere nicht gerne über Dinge von denen ich nur eine Ahnung aber keine Kenntnis habe.... sollten sich einige Kommentatoren hier auch mal überlegen. Deshalb ein Beispiel GRÜNER Strukturpolitik in der Landwirtschaft: Ich produziere Kaninchen (250 Muttertiere, 11-12000 Masttiere pro Jahr). Seit vergangenen Sommer gibt es auch für "uns" einen eigenen Abschnitt in der Tierschutznutztierhaltungsverordnung der unter Ignoranz sämtlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse - alle wurden gehört, aber nur die grünen Id(i)eologen erhört - von den Grünen Landwirtschaftministern unter Führung von Rheinland Pfalz im Bundesrat durchgedrückt wurde. Seit Verabschiedung dieser KaninchenhaltungsvernichtungsVO im Herbst 2013 haben bereits 10 von etwa 60 Betrieben bundesweit die Produktion eingestellt. Nach ersten Kalkulationen der ganz Harten die trotzdem weiter machen wollen, tragen sich Neuanlagen erst ab einer Bestandsgröße von über 3000 Zuchttieren, mehr als das Dreifache dessen was heute "die Großen" haben. Gleichzeitig ist den GRÜNEN Landesministern jedes Mittel recht, auch den letzten Aufrechten aus der Produktion zu drücken. DANKE, DANKE vielmals Herr Hofreiter, Frau Höfken und Konsorten für die aktive Unterstützung von Familienbetrieben und ihren Kampf gegen den Strukturwandel!! Nachtrag: Meine Kollegen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien, Italien, Ungarn, Tschechien, Polen und - wem's vor gar nichts graust - China werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass im Deutschen Handel ausreichend Ware zu vertretbarem Preis vorhanden ist.

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  4. von vario0_3 · 4.
    Bauer Berni

    hat Recht. Und viele werden noch gehen. Auch Ökobauern.

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  5. von toddelg · 5.
    Umdenken werden,

    wenn es nach den Grünen läuft viele kleinere Betriebe, was die Grünen alles vorhaben, dann viel Spaß. Wer glaubt, der Verbraucher wird die Kosten übernehmen, der sollte lieber hoffen, dass der Weihnachtsmann doch real ist.

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  6. von Bauer-Berni · 6.
    mit der Zeit gehen

    Unsere Landwirtschaft geht entweder mit der Zeit oder sie geht mit der Zeit. Würde man den Bauern vorschreiben was und wie er produzieren soll müsste analog den Verbraucher vorgeschrieben werden, was er kaufen und damit konsumieren soll. Weil das nicht geht, bleibt den Landwirten nur: Mit der Zeit zu gehen.

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  7. von Doris Peitinger · 7.
    Unverfroren an der Realität vorbei

    Kein Wunder, dass die Unionspolitiker derart aufschreien. Wird doch hier genau der Finger auf die Wunde gelegt, dass es nämlich mit der angeblichen "Bauernpoltik" dieser Partei nicht weit her ist. Während die SPD sich sowieso nie große Gedanken darüber gemacht hat. Der Strukturwandel wird ganz bewußt forciert, rein, um die Bevölkerung mit billigsten Lebensmitteln als Wählerstimmen ( Brot und Spiele ) halten zu können - zu Lasten der Bauern. Gleichzeitig wird mit der Subventionspoltik ein bestimmtes Klientel bedient und ein lächerliches Schreckenszenario ( steigende Pachtpreise ) erfunden, damit diese Ungerechtigkeit ja bestehen bleibt. Eine tatsächliche Bauernpartei würde bei der erschreckenden Zahl an Betriebsaufgaben längst die Bremse ziehen, Vor allem, nachdem man sieht, was der angeblich freien Markt mit den Schweinebauern gemacht hat und für die Milchbauern ebenso vorgesehen ist. Für die Politiker sind diese nur Kollateralschäden bei der von ihnen verfolgten Politik, während man glaubt, dass die Bauern dumm genug sind, um die ewigen Lippenbekenntnisse, den Einsatz für die Mehrheit an Bauern, zu glauben. Die Realität spricht eine andere Sprache und es ist mehr als unverfroren, wie die derzeitigen Zustände auch noch verteidigt werden, anstatt umzudenken.

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  8. von powerbauer#002 · 8.
    strukturwandel

    Strukturwandel verhindern....beschleunigt wird das. Und wenn einer der letzte im Dorf ist gibt auch keine Feldraine mehr die schützen sind usw. Grüne Vollpfosten

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  9. von lukas#001 · 9.
    Passt doch alles

    mit der USA gut zusammen. Wir bauen unsere Landwirtschaft ab, und die können ihr Chlor verkaufen. Schmeckt alles nach Schwimmbad. Danke an die grünen Minister. Passt auf den Wolf auf, wenn erst das erste Schoßhündchen gefressen wird, dann wird es für euch bunt.

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  10. von meyerrohlfen · 10.
    Einfluss der Landespolitik viel stärker

    Die Bauern leiden viel weniger unter der Bundespolitik als unter der Landespolitik. Besonders in Ländern mit grünen Agrarministern jagd ein Auflage die nächste und beschleunigt den Strukturwandel viel mehr als die Bundespolitik. Die bundesweiten Rahmenbedingungen wirken viele langsamer als die ad hoc Entscheidungen tollkühner, vor Aktionismus strotzenden Weltverbesserungsministern. UNd wenn das Idealbild grüner Agrarbetriebe so wunderbar funktioniert, muss eine Frage gestattet sein: Warum sind die Ökoprämien so viel höher als die für konventionelle Landwirte? Besonders in grün mitregierten Bundesländern? Und da sol noch was erhöht werden? Markt und grün passen wohl nicht ganz zusammen.....

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  11. von Versusbauer · 11.
    Die Katze lässt das mausen nicht

    Der Konsens billiger Nahrungsmittel zieht sich durch alle Parteien. Stellt Euch mal vor, bei einem angenommen 10 stündigen Arbeitstag muss man "1" Stunde für die komplette Bereitstellung der tägl. Grundversorgung/ Lebensmittel (Brot,Milch,Eier,Salz,Zucker usw aufwenden. Oh oh wäre ja interessant wie weit die neue Heidi-Hof Bäuerin in dieser Zeiteinheit kommt :-) Somit beißt sich die Grüne Katze ebenso in den eigenen Schwanz! Mit anderen Worten der komplette gesellschaftliche Diskurs über "Ihre Landwirtschaft" ist eine fandenscheinige Heuchelei.

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  12. von gutescholle · 12.
    Das war schon klar,

    dass hier jetzt wieder zum Generalangriff auf die Grünen geblasen wird! Ist es denn den Bauern unter der CDU/CSU Regierung die letzten Jahre zunehmend besser gegangen? Ich denke nicht! Wieso begreifen nur die ABL-Bauern und die BDM-Bauern, dass die Grünen in ihrem Sinne handeln? Es ist auch vollkommen klar, dass sich die etablierten Parteien gegen die Vorschläge der Grünen wehren. Leider ist es in der Politik so üblich, dass die Meinung der Gegenpartei grundsätzlich abgelehnt wird. Und die Ablehnung wird umso deutlicher, wenn man befürchtet, dass es der eigenen Partei Stimmen kosten könnte, weil es in der Bevölkerung Zustimmung zu diesen Vorschlägen gibt.

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  13. von Franzi13 · 13.
    Alle haben sie recht! Nur: Den Kampf habt ihr schon längst verloren!

    Bei den Wahlen wird entschieden und da wird Grün groß rauskommen weil die Bevölkerung die jetzige Art der Landwirtschaft so schon längst nicht mehr akzeptiert. Dank an industrialisierte Puten Hühner und Schweinehaltung vorangetrieben durch DBV DLG Raiffeisen und Co KG zum Nutzen der Industrie und Leid der Bauern. Wie heißts so schön : Außer Spesen nichts gewesen. und je größer desto abhängiger von staatl. Flächenzahlungen.

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  14. von xf1 · 14.
    Der Bundesagrarlügner der Grünen rief die Koalition auf;

    "die Realitäten nicht länger zu leugnen und in einen Dialog mit der Gesellschaft über eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu treten." ............................................................... http://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_Carl_Friedrich_von_M%C3%BCnchhausen

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  15. von lukas#001 · 15.
    Hallo Hans-Nagl

    ich glaube Sie denken nicht weiter. Mit den Grünen wird der Strukturwandel noch stärker beschleunigt. Dann bin ich kein Landwirt mehr, weil ich ein flächenarmer Betrieb bin. Kann allerdings noch die Gülle komplett unterbringen auf meinen Pachtflächen. Es wird ein Desaster geben, denn dadurch werden wir gegenüber den Rest der Welt völlig unrentabel und können die Landschaft mit Schilf und Bäumen zuwachsen lassen. Aber man kann ja Gott sei Dank in den Flieger und woanders Urlaub machen als demnächst in der Öden Landschaft wo nur Urwald wächst.

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  16. von Versusbauer · 16.
    Profilierungsbedürfniss

    Jeder weiß doch(sollte es zumind.wissen) das diese Gruppierung von einer kleinen Minderheit Ideologen gehalten und der Rest "Wohlstandsgrün" ist. Übrigens laut Umfragen gehören auch die Mehrheit der Mainstream Journalisten dieser Partei an. Warum wohl hält sich denn das Bild des "idyllischen Bauernhofes" in den Medien solange obwohl die Realität bei den Lebensmittelpreisen längst ganz anders ist. Die jüngste Anfrage eines deutschen Privatsenders beim Österreichischen Bauernbund nach einem Kurztrip in das Leben auf einem "Heidi-Hof" bestätigt das einmal mehr!

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  17. von Hans-Nagl · 17.
    Leider ist das die Warheit !

    Die Koalition tue nichts gegen den anhaltenden Strukturwandel in der Landwirtschaft und den Verlust bäuerlicher Existenzen.

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  18. von ramsdorf · 18.
    Die Unkenntniss der Grünen

    wird noch aktiv vom BDM und ABL unterstützt, alleine diese Tatsache dürfe den aktiven Erzeugern Angst genug machen. Was da momentan abläuft würde in anderen Berufskreisen unter MOBBING fallen. Peta hat im Fernsehen eine Werbung laufen da schnallt man von ab. Alle aus den landwirtschaftlichen Bereich die auf der "Wir haben´s Satt" Demo mitgelaufen sind dürften sich langsam mal die Frage stellen ob das wohl auch in deren Interesse ist?

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  19. von toddelg · 19.
    Die Grünen blasen zum Angriff

    die Aussagen von denen werden immer realitätsferner, sollte man sich in der Videothek des Bundestages mal anschauen. Das die Politik nicht allzu ehrlich ist, ist ja keine Überraschung aber was da an Anschuldigungen von den Grünen kommt, das ist ja schon Hetze. Die haben sämtlichen Anstand abgelegt.

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