Krüsken: „Es fehlt an Ehrlichkeit – wir haben offene Märkte!“

Bernhard Krüsken in Soest Bernhard Krüsken in Soest
Bild: Deter

Laut DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken gibt es einen roten Faden, den wir lange vernachlässigt haben: „Es fehlt an Ehrlichkeit in der Diskussion um die Landwirtschaft. Die Agrarpolitik muss der Tatsache ins Auge blicken, dass wir uns in offenen Märkten bewegen, daran kann die Politik nicht vorbei“, sagte der Verbandsvertreter am Freitag beim Soester Agrarforum.
 
Er deutete damit sinngemäß an, dass Politik und letztlich die Bürger sich zwar viel wünschen können, bei uns aber tatsächlich der liberalisierte Weltmarkt die Bedingungen vorgibt. Die deutschen Bauern stehen im Wettbewerb mit ihren Kollegen weltweit. Höhere Standards müssten daher finanziell ausgeglichen werden über die Direktzahlungen.
 
„Die Landwirte wollen ja Veränderungen, nur das muss unter wirtschaftlich nachhaltigen Perspektiven für die Agrarwirtschaft ablaufen, sonst funktioniert auch kein Umsteuern in der Agrarpolitik“, sagte Krüsken mit Blick auf Forderungen von Agrarkritikern, die eine Agrarwende verlangen. Er bedauert, dass man inzwischen bei der Agrardebatte ein Klima erreicht habe, bei dem ein sachlicher demokratischer Umgang miteinander nicht mehr möglich sei. Krüsken ruft daher zu verbaler „Abrüstung“ auf. Ein Meinungsaustausch auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und Fakten sei Ideologie-gesteuerten aktivistischen Vorstößen gewichen.
 
Ein weiteres Problem heute stellt für Krüsken die extreme Bürokratie dar.  Die Last sei hierbei nicht nur für die Landwirte überschritten, sondern inzwischen auch für die Verwaltungen. Trotz dieser Belastungen sei es der deutschen Landwirtschaft in den letzten Jahren gelungen, große Teile des europäischen Marktes zu erobern, so der Generalsekretär, dessen Verband laut Krüsken rund 1 Mio. Menschen als Nichtregierungsorganisation vertritt. Daher habe der DBV ein gewichtiges Mitspracherecht bei den Verhandlungen um eine neue Agrarreform 2020.
 
Der Funktionär listete anschließend in der Soester Stadthalle die bisher gültigen Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik auf, um zu verdeutlichen, dass die Kernanliegen der gemeinsamen Politik wirtschaftlicher Natur sind, was Kritiker heute offenbar übersehen würden:
 
So heißt es in Artikel 39 zusammengefasst: Ziel der GAP ist eine Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft durch Technik, Rationalisierung der Erzeugung, bestmöglichen Einsatz von Produktionsfaktoren und Arbeitskräften. Weiteres Ziel sei die Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens der Bauern, stabile Märkte, sichere Versorgung und die Lebensmittelbereitstellung zu angemessenen Preisen. Erst danach kommen weitere Aufgaben wie Artenvielfalt, Nachhaltigkeit, Kulturlandschaft, Resourcenmanagement etc.
 
Ein Ärgernis ist laut Krüsken, dass die Programme der Bundesländer für die Mittelverteilung der 2. Säule extrem unterschiedlich sind. Während die Gelder in einigen Bundesländern tatsächlich an Landwirte zurückfließen, finanzieren andere agrarferne Bereiche, wie etwa „Fahradläden mit veganem Cafe“, wie Krüsken schon gehört habe. Er fordert ein bundesweit einheitliche Regeln für die Auszahlung der Mittel aus der 2. Säule, die bekanntlich zunehmend der 1. Säule entnommen, also bei den Direktzahlungen abgezogen werden.  

Forderungen des DBV

  • Erhalt flächendeckender Landwirtschaft und Landnutzung
  • Förderung einer produktiven Landwirtschaft und eines angemessenen Einkommens der Landwirte
  • Landwirte brauchen hohe unternehmerische Freiheitsgrade für betriebliche Entwicklung
  • Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen
  • Einkommenswirksamer Ausgleich der Kosten für hohe EU-Standards über dem Weltmarktniveau über die 1. Säule
  • Attraktive Honorierung von freiwilligen öffentlichen Leistungen über die 2. Säule
  • Neue Herausforderungen (Tierhaltung, Klimawandel, Öko-Effizienz) über Förderung von Investitionen, Forschung und Innovation
  • Keine Renationalisierung der GAP

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17 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Werner Hirsch · 1.
    Offene Märkte? Und die Erde ist eine Scheibe!

    Wo bitte gibts offene Märkte? Warum kosten Schweine in China und Russland beinahe doppelt soviel wie in der EU? Warum darf ich als EU Bauer in der Ukraine kein Land kaufen? Warum kosten Pflanzenschutzmittel in der EU dreimal soviel wie in China? Warum darf ich den Moldawischen Saisonarbeiter in Deutschland nicht um 1,2€ pro Stunde arbeiten lassen? Warum darf ich keinen Genmais anbauen aber die Industrie darf Genmais importieren und in Verkehr bringen? Warum muß mein Traktor Tier 6 sein und damit teurer in Anschaffung und Unterhalt ? etc.etc. Antwort: Weil die Agrarpolitik der EU versagt hat bzw. zugunsten der (deutschen Auto-) Industrie die Bauern regelmäßig auf die Schlachtbank führt damit die immer selben sich die Taschen vollstopfen können. mfg

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  2. von Christian Kraus · 2.

    Es gibt grundsätzlich offene Märkte, das ist Richtig, aber jeder Markt wird gesteuert durch Abgaben, Regelungen und Vorschriften. Genau diese können und werden so ausgelegt um die einem nahe stehende Klientel zu bevorzugen. Alle Verbände und "Marktpartner" haben ihre Lobbyisten aber nicht die Bauern selber. Das ausgerechnet dieser Verband der überall bestens vernetzt ist und seine Interessen durchsetzt von fehlender Ehrlichkeit spricht ist vorsichtig gesagt alles andere als ehrlich.

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  3. von Kirsten Wosnitza · 3.
    Ehrlich wäre gewesen zu sagen

    Dass die EU einen Teil ihrer Märkte immer noch schützt. Dazu gehört auch der Aussenschutz für den EU Milchmarkt.

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  4. von Ottmar Ilchmann · 4.

    Herr Rühmkorf, Sie haben recht, es geht um eine gerechte Verteilung der Marge entlang der Wertschöpfungskette, in der die Landwirte zur Zeit oft das schwächste Glied sind. Hier sollte der Staat vielleicht nicht in die Märkte eingreifen, außer in Krisen, aber für faire Rahmenbedingungen sorgen. Ein gutes Beispiel ist die Kritik des Kartellamts an den Lieferbeziehungen im Molkereisektor. Es hat auch niemand etwas gegen Exporte von Qualitätsprodukten, die eine Kostendeckung für alle Beteiligten ermöglichen. Problematisch sind aber Exporte von billigen Massenwaren, die in Deutschland gar nicht zu Weltmarktkonditionen erzeugt werden können. Dabei funktioniert die Eroberung von Weltmarktanteilen nur auf Kosten der Substanz von landwirtschaftlichen Betrieben.

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  5. von Wolfgang Rühmkorf · 5.

    Herr Ilchmann, ohne den Exportabsatz unserer nachgelagerten Verarbeitungsbereiche haben auch wir Erzeuger eine schlechtere Marktsituation. Siehe aktuell den Weizenexport. Eine Neiddiskussion ist da wenig hilfreich. Es hat mal eine Zeit gegeben, da wurde die sogenannte "vertikale Integration" der Märkte als Zielsetzung definiert. Und sie ist auch noch richtig. Das Problem ist die Verteilung der Wertschöpfung in den Wertschöpfungsbereichen. Da muß man für mehr Gerechtigkeit sorgen! Allerdings funktioniert das nicht über direkte Markteingriffe, wie Sie immer wieder Glauben machen wollen. Dies geht allein über die Architektur von Märkten und Vertragsgestaltung.

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  6. von Jörg Meyer · 6.
    ja es fehlt an Ehrlichleit!

    Das geht schon bei der Betriebsplanung los und endet auf dem Bodenmarkt! Wir brauchen eine Gesellschaftliche Diskussion ob und wenn ja wie der Familienbetrieb der Zukunft attraktiv für junge gut ausgebildete Betriebsleiter aussehen und unterstützt werden muß! Wie verhindern wir auf dem Bodenmarkt den Einstieg von Investoren, wie erreichen wir eine Preisbremse auf dem Pacht- und Kaufmarkt? Wollen wir Landbesitzer ein Stück weit enteignen damit die Betiebsstrukturen gesellschaftlich akzeptiert werden? Damit ich hier nicht falsch verstanden werde, es müssen schon bestimmte Mindestgrößen für Familienbetriebe gelten damit sie auch sozialverträglich mit Mitarbeitern wirtschaften können, keine Familie kann sich 365 tage 24 Stunden lang vernünftig ohne Streß um Tiere kümmern!

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  7. von Ahrend Höper · 7.
    Krüsken: „Es fehlt an Ehrlichkeit – wir haben offene Märkte!“

    Zugegeben wir haben ein paar offene Märkte und dass ist nur die halbe Wahrheit. Aber trotzdem hat Krüsken RECHT. Es fehlt an Ehrlichkeit- besonders in der Politik, in den Verbänden, in den Medien wie Presse, Rundfunk und Fernsehen. Aber in diesen o g Institutionen hält man es mit der Ehrlichkeit, wie es gerade so passt: Wie nennt man diesen neuen Trend der mal wieder vom Vorbild unsere Kanzlerin aus den USA kommt? "Alternative Fakten" ist die neue Ehrlichkeit, da muss man sich wohl oder übel dran gewöhnen!

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  8. von Ottmar Ilchmann · 8.
    Wer profitiert?

    Eines gehört auch zur Ehrlichkeit: Der Bauernverband sollte mal deutlich sagen, wer denn von den offenen Weltmärkten profitiert! Sind es wirklich wir Bauern, oder sind es doch eher unsere "Partner in der Wertschöpfungskette", wie Molkereien und Schlachtkonzerne , mit denen der Bauernverband organisatorisch und personell in vielfältiger Weise verbandelt ist?

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  9. von Karl Watermann · 9.
    Noch was , Herr Krüsken:

    Wenn die Direktzahlungen ein Ausgleich für höhere Auflagen sind, warum erhalten dann die Tierhalter, die ja deutlich mehr Auflagen einhalten müssen wie die Ackerbauern, nicht höhere Direktzahlungen? Warum wird das vom DBV nicht gefordert ? Wäre nach der Logik der Argumentation eigentlich selbstverständlich!

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  10. von Karl Watermann · 10.
    Ehrlich bleiben, Herr Krüsken!

    Wir haben nur zum Teil offene Märkte ! In sehr vielen Bereichen gibt es weiterhin Einfuhrzolle und Einfuhrkontingente. So wird zur Zeit mit den Mesucor Staaten beim Freihandelsabkommen über höhere Einfuhrkontingente für Rindfleisch aus Südamerika verhandelt.Ein weitgehender Freihandel wäre das Ende vieler Rinderhalter in Europa. Deshalb wehrt sich der europäische Bauernverband auch gegen zu grosse Zugeständnisse an die Südamerikaner. Und Herr Krüsken verkündet: Wir haben offene Märkte .? ? Ist das die Ehrlichkeit des DBV?

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  11. von Matthias Zahn · 11.
    Es fehlt an Visionen für diese offenen Märkte!

    DAS ist doch das größte Problem, dass wir Bauern haben! Alle verantwortlichen in Politik und Bauernverband reden zwar von den offenen Märkten, denken aber nicht in diesen Dimensionen. Weiteres Beispiel, die Milchquote ist weg-auch hier offene Märkte. Die Denkweise unserer Funktionäre ist aber noch aus der Quotenzeit. Viele Entscheidungen werden auf der Basis ihrer Erfahrungen aus der Quotenzeit getroffen. Alle neuen Marktverhältnisse werden ignoriert. Dieser Verband wird in dieser Welt der schnellen Veränderungen immer nur hinterherlaufen!

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  12. von Wilhelm Grimm · 12.
    Ehrlich wäre es allerdings,

    von unserer Regierung und unserem Handel international bei allen Nahrungsmitteln und anderen Handelsgütern die gleichen Ansprüche an Produktionsverfahren und Kontrollen zu fordern, wie sie von uns verlangt werden.

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  13. von Erwin Schneiderbauer · 13.
    Der nächste HANDLANGER der Hochfinaz!!!

    Es geht nur um den Grund und Boden der Bauern, und das organisiert der BV mit, wie eine Treibjagd auf die Wildschweine... Der einzige Unterschied ist, dass wir Bauern im Käfig sitzen, und uns weder verstecken, noch flüchten können. Armseliger Verband!!!

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  14. von Wilhelm Grimm · 14.
    Es ist unehrlich,

    wenn man seinen Berufskollegen glauben machen will, dass wir aus den international gültigen Handelsabkommen aussteigen könnten. Wir können lediglich versuchen, in den laufenden Verhandlungsrunden mit einem blauen Auge davon zu kommen

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  15. von Ottmar Ilchmann · 15.
    Bauernverbands-Ideologie

    Krüsken beklagt die ideologiegesteuerte Debatte in der Agrarpolitik. Aber ist nicht auch die Politik des Bauernverbandes ideologiegesteuert? Liberalisierung und Globalisierung sind ja keine Naturgesetze, sondern politische Glaubenssätze, die zum großen Teil für die wirtschaftliche Situation der deutschen Landwirte verantwortlich sind.

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  16. von Wilhelm Grimm · 16.
    "Wir haben offene Märkte, daran kann die Politik nicht vorbei",so Generalsekretär Krüsken.

    Das Ergebnis der GroKo- Sondierungsverhandlungen steht dazu im krassen Widerspruch. dieses ist für die Zukunft unserer Betriebe eine Katastrophe. Der DBV muss dem lieben Minister Schmidt und seiner Partei die rote Karte zeigen. Auch wenn die deutschen Landwirte und ihre Familien ihren Beruf mit viel Leidenschaft ausüben wollen, so können sie den Kampf gegen kleinkarierte, rückwärts gerichtete Produktionsbedingungen und wissenschaftlich eindeutige Erkenntnisse ignorierende politische Entscheidungen niemals gewinnen. Herr Krüsken hat sich eindeutig geäußert, der DBV muss sich damit bereits auf der Grünen Woche genau so eindeutig an die Öffentlichkeit wenden.

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  17. von Heinrich Esser · 17.
    Weltmarkt

    Immer dieser Schwachsinn mit dem „wir müssen am Weltmarkt agieren“. Macht ja Sinn, wenn man grundsätzlich niedrige Kosten hat, vor allem bei Land und Arbeitskräften. Haben wir aber nicht und daher wird es viele Höfe das Leben kosten, wenn man weiter auf den Weltmarkt drängt (das Überleben der kleinen und mittleren Betriebe steht übrigens nicht mehr in den Forderungen des DBV. Der ist aber vermutlich auch der einzige Verband in D, der in den letzten Jahrzehnten in diesem Maße an Mitgliedern verloren hat und trotzdem weiter an seiner Politik festhält). Wenn ich mir angucke, was wir auf unserem Hof anbauen, steht nach aktuellem Stand eine Frucht davor, aufgrund ihres schlechten DB aus der Fruchtfolge zu fliegen. Und das ist die einzige Frucht, die bei uns am Weltmarkt gehandelt wird: die Zuckerrübe. So viel dazu...

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