Tierschutzverstöße beim Schiffstransport europäischer Rinder

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Bild: NDR

Über Tierschutzverstöße beim Verladen sowie dem Schiffstransport von Rindern im kroatischen Hafen Raša berichten aktuell das NDR-Magazin Panorama 3 sowie die Süddeutsche Zeitung.

Konkret prangert die Tierschutzorganisation "Animal Welfare Foundation“ – von ihr stammt das Videomaterial - den Einsatz von Elektro-Viehtreibern, Überbelegung, Temperaturen von über 30 Grad unter Deck und fehlende medizinische Versorgung an. Die Reise der 1.700 Kühe nach Ägypten dauert sechs Tage. Die Tierschützer bemängeln zudem, dass solche Transporte nicht von Veterinären begleitet würden. Auch die Dokumentation sei mangelhaft. Am Zielort gebe es etliche verendete Tiere, andere stünden tief im eigenen Kot.

Unter den gezeigten Tieren sollen sich auch Kühe aus Ostfriesland befunden haben. Laut NDR habe der frühere Besitzer diese an einen Viehhandel verkauft. Dieser sei jedoch zu keiner Stellungnahme bereit. Laut NDR und SZ spreche die Branche offenbar nicht gern über das Thema. Die besamten deutschen Rinder sollen angeblich bis Ungarn gefahren worden sein, von wo es dann nach Kroatien weiterging. In Ungarn habe die EU-Kontrolle geendet. Das zuständige Veterinäramt Aurich habe jedoch erklärt, die vorgeschriebenen amtstierärztlichen Kontrollen seien bei der Abfertigung des Transports durchgeführt worden.

Die Autoren fragen in ihrem Beitrag weiter, warum die EU nicht alle Möglichkeiten der Kontrolle ausschöpfe, etwa den Abruf elektronischer Daten über die Transportrouten. Eine Kontrolle der Fahrtenbücher reicht ihrer Ansicht nach nicht aus.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) räumte gegenüber Panorama 3 ein, dass man „große Probleme“ mit Tiertransporten habe, die außerhalb der EU stattfinden. Meyer fordert deshalb eine strengere Überwachung, schiebt die Verantwortung dafür allerdings auf Bund und EU. Niedersachsen selbst habe keine Rechtsgrundlage, um Transporte in Drittländer zu stoppen. Kritiker widersprechen ihm in diesem Punkt; eine Rechtsgrundlage sei da.

DBV: EU-Tiertransportverordnung muss eingehalten werden!

Dr. Michael Lohse Dr. Michael Lohse
Bild: DBV
Der DBV erklärt auf Anfrage von top agrar online, man habe schon Ende der 1990iger Jahre/ Anfang der 2000er Jahre (in der EU politische Diskussion über Tiertransportzeiten) dafür plädiert, auf lange Transporte für Schlachttiere gänzlich zu verzichten.

So sollten Schlachttiere im nächsten, naheliegendem Schlachthof geschlachtet werden. Längere Transporte vor allem für den Export erfolgen damit nur für Zuchttier. Im Jahr 2016 sind 105.000 Zuchtrinder exportiert worden. Einige Länder wollen aber lebende Tiere zum Schächten, was auch die deutsche Regierung nicht unterstützt (keine Transporte von Schlachttieren in Drittländer). Zum Export von Tieren in ein Drittland werden Veterinärzeugnisse benötigt, die das Landwirtschaftsministerium mit dem jeweiligen Drittland aushandelt.

Und weiter heißt es beim DBV: "Aus unserer Sicht müssen die Rahmenbedingungen der EU-Tiertransportverordnung 1/2005 eingehalten werden. Missstände, die verschiedene Tierschutzorganisationen publik machen, betreffen schlechte Versorgung mit Futter und Wasser, fehlende Einstreu, nicht transportfähige Tiere. Die Transportfähigkeit der Tiere sowie die Bedingungen des Transportes (Transportroute, Rastzeiten, Entladezeiten) kontrolliert der Amtsveterinär, der den Transport der Tiere genehmigt. In Deutschland ist dies immer der Amtsveterinär am Verladeort."
 
Bei der Verladung auf ein Schiff habe der vor Ort ansässige Amtsveterinär dafür Sorge zu tragen, dass die Tiere bei der Verladung auf das Schiff alle Anforderungen, die gesetzliche gegeben sind, erfüllen, so DBV-Pressesprecher Dr. Michael Lohse weiter. Die Verantwortung der Durchsetzung der Tiertransportstandards könne nur durch Kontrollen im Zielhafen sichergestellt werden. Wenn Verstöße beobachtet werden, sollten sie auch von Tierschutzorganisationen sofort gemeldet werden.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Otto Müller · 1.
    Weshalb regen sich Minister Meyer, Ostendoof, Panorama und Tierschutz-Schröder auf?

    Die Tiere gehen dort hin, wo in Zukunft gemolken wird. Bei uns wird reduziert, um die Welt zu retten, dort wird expandiert, um den Markt zu bedienen. Das sind die Ergebnisse Eurer Politik, ihr Armleuchter.

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  2. von Rudolf Rößle · 2.
    Holsteins

    die nicht zur Nachzucht gebraucht werden, mit Fleischrassen besamen. Eine Färse kostet bis zu 1800 Euro Aufzuchtkosten. Weniger Nachzucht bedeutet weniger Milchkühe, somit weniger Weltmilch und persönlich weniger Arbeit.

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  3. von Thomas Egolf · 3.
    Warum nur und wieso meinen,

    eine Minderheit der deutschen Politiker und diverser Organisationen, dass sie die ganze Welt retten müssen?

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  4. von Harald Finzel · 4.
    "Der Deutsche Tierschutzbund fordert einen Ausfuhrstopp von lebenden Tieren aus der EU."

    Ich bitte darum, ergänzend dazu auch einen Importstopp für alle Produkte in die EU zu fordern, die mit ausbeuterischer Kinderarbeit erzeugt wurden. Und natürlich solche, bei deren Herstellung massive Umweltschäden irgendwo auf der Welt in Kauf genommen werden. Schließlich sind Kinderausbeutung und Umweltzerstörung genauso abzulehnen wie Tierquälerei! Man muss dann eben in Kauf nehmen, dass nicht nur Smartphones und sonstige Unterhaltungselektronik passé sind, sondern auch so banale Dinge wie Baumwollklamotten oder der von Kinderhand in Indien behauene Billig-Granitpflasterstein. Vermutlich bleibt überhaupt nichts mehr übrig, das man dann importieren könnte. Aber das macht dem Überfluß gewohnten deutschen Wohlstandsbürer doch sicher nichts aus, oder?

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