DRV erwartet niedrigste Getreideernte der letzten 10 Jahre

Die Getreideernte ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich, unterdurchschnittliche Erträge werden aber fast überall eingefahren.
Bild: Awater-Esper

Der Regen kommt in diesem Jahr vielerorts zu spät oder war zu schlecht verteilt. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) prognostiziert in seiner jüngsten Ernteschätzung mit 41,1 Mio. t die niedrigste Getreideernte seit zehn Jahren. Doch die erwarteten Ernteergebnisse variieren je nach Region stark.
 
Die diesjährige Getreideernte wird vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV) mit 41,4 Millionen Tonnen auf den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre prognostiziert. Für viele Landwirte in den Dürregebieten weitet sich das bisherige Ernteergebnis zusehends zu einer existenzbedrohenden Krise aus, zumal auch das Vorjahr schon keine gute Ernte gebracht hat, berichtet der DRV am Donnerstag. „Etliche Mitglieder unserer Genossenschaften sind teilweise dringend auf staatliche Hilfen angewiesen“, sagte DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers. Den Verbrauchern gibt er allerdings mit Blick auf Brot- und Brötchenpreise Entwarnung. „Der Anteil des Getreidepreises am Brotpreis beträgt nur wenige Prozent“, erläutert Ehlers.

Tatsächlich gedroschene Mengen könnten noch geringer ausfallen

Das bereits unterdurchschnittliche Vorjahresergebnis von 45,5 Millionen Tonnen Getreide wie auch der langjährige Durchschnitt von knapp 48 Millionen Tonnen werden dieses Jahr laut dem DRV weit verfehlt. Grund für das schlechte Ergebnis ist die große Trockenheit im Norden und Nordosten des Landes, die zu erheblichen Einbußen bis hin zu Totalausfällen geführt hat. Im Westen und Süden des Landes ist die Situation in der Summe zwar deutlich besser, allerdings werden auch dort die durchschnittlichen Erträge der vergangenen Jahre oftmals nicht erreicht, fasst der DRV die Lage zusammen. Die vom DRV vorgelegte Ernteprognose ergibt sich aus den Flächenangaben des Statistischen Bundesamtes vom Mai und den Ertragsschätzungen des DRV. Die tatsächlich gedroschenen Mengen dürften aber in verschiedenen Regionen noch geringer ausfallen, da witterungsbedingt Flächen als Ganzpflanzensilage abgeerntet worden sind, schätzt der DRV. Mangels verlässlicher Angaben könnten diese aber gegenwärtig nicht quantifiziert werden.

Wintergerste in weiten Teilen Deutschlands gedroschen

Die Ernte hat in diesem Jahr im Schnitt mindestens zwei Wochen früher begonnen und schreitet zügig voran. Die Wintergerste ist in weiten Teilen Deutschlands gedroschen. Der Verband erwartet derzeit 7,9 Millionen Tonnen (-12 % zum Vj.). Der Roggen wird gegenwärtig mit 2,6 Millionen Tonnen prognostiziert (-5,2 % zum Vj.). Die Weizenernte ist mittlerweile in vielen Regionen des Landes angelaufen. Hier geht der DRV von einer Gesamtmenge in Höhe von 21,5 Millionen Tonnen aus (-12,1 % zum Vj.). Bei Sommergerste wird aufgrund einer größeren Anbaufläche eine Erntemenge von 2,2 Millionen Tonnen erwartet (+19,2 %). Beim Körnermais rechnet der Verband derzeit mit 4,2 Millionen Tonnen (-6,8 % zum Vj.). Ob diese Menge tatsächlich geerntet werden kann, wird davon abhängen, ob in den kommenden Wochen ausreichend Niederschlag fällt.

Qualitäten überraschen

Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen sind die Qualitäten des geernteten Getreides im Süden und Westen in der Summe gut bis durchschnittlich, im Norden und Nordosten hingegen streuen sie sehr und enttäuschen oftmals aufgrund niedriger Hektolitergewichte und einem hohen Anteil an Schmachtkörnern.

Ebenfalls schlechteste Rapsernte seit zehn Jahren

Auch die Rapsernte dürfte nach den gegenwärtig vorliegenden Ergebnissen noch schwächer als bislang prognostiziert ausfallen. Hier geht der Verband derzeit von knapp 3,6 Millionen Tonnen aus. Dieses Ergebnis ist ebenfalls das schlechteste der vergangenen zehn Jahre. Der DRV schätzt monatlich und legt seine nächste Ernteschätzung Mitte August vor.

Die gesamte Ernteschätzung Juli 2018 des DRV nach Kulturarten und Regionen aufgesplittert, gibt hier zum Download.
 

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