BDM und Grüne fordern sofortige Mengendrosselung

Melken BDM und Grüne fordern eine Mengendrosselung.
Bild: Archiv

Angesichts der aktuellen Lage auf dem Milchmarkt haben der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und der Sprecher für Agrarpolitik bei den Grünen Friedrich Ostendorff ihre Forderung nach einer Drosselung der Milchmenge wiederholt.

Mit der Anregung eines sofortigen Markteingriffs in Form eines erneuten Mengendisziplinprogramms auf EU-Ebene hat sich der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM in dieser Woche schriftlich an den Agrarausschuss des Bundestags und an die Bundes- und Länderministerien gewandt. Die jüngsten Ankündigungen weiterer deutlicher Milchpreisabsenkungen von verschiedenen Molkereien würden Anlass zur Sorge geben. Zusammen mit der weiter expansiven Entwicklung der Milchanlieferung lasse dies nur den Schluss zu, dass der Milchmarkt erneut auf eine Krise zusteuere.
 
Eine erneute Krise werde viele Betriebe vor noch größere existenzielle Probleme stellen, insbesondere diejenigen, die in den letzten Jahren investiert hätten. Der BDM fordert, diesmal deutlich schneller zu reagieren. „Es geht jetzt darum, einen pragmatischen Weg einzuschlagen, um nicht einen erneuten Strukturbruch in der Milchviehhaltung zu riskieren. Von der Diskussion mittel- bis langfristiger Strategien alleine haben viele Milchbetriebe nichts mehr, wenn nicht aktuell etwas unternommen wird“, erklärt BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. „Wir müssen da ansetzen, wo wir einen schnell wirkenden Hebel haben, um eine tiefergehende Milchmarktkrise noch verhindern zu können – und das ist die Milchmenge.“
 
Agrarkommissar Phil Hogan habe im Rahmen der Grünen Woche bestätigt, dass das Instrument eines erneuten Mengendisziplinprogramms auf EU-Ebene weiterhin zur Verfügung stehe, berichtet der BDM in einer Mitteilung. Um das dafür notwendige Bewusstsein auf Ebene der Milcherzeugerverbände bzw. ihrer Vertreter zu schärfen, regt der Verband die schnelle Einberufung Runder Tische auf Landes- wie Bundesebene an, um eine lösungsorientierte Diskussion in Verantwortung für die Milchviehhalter und die ländlichen Räume zu führen.

Auch Friedrich Ostendorff (MdB), Sprecher für Agrarpolitik bei den Grünen, hat sich gestern zum Milchmarkt zu Wort gemeldet: "Die Zeichen auf dem Milchmarkt stehen auf Sturm. Die nächste Krise kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Selbst die Bundesregierung bestätigt den verstärkten Angebotsdruck, die zurückgehenden Erzeugerpreise und die unsichere Situation auf den Märkten. Wenn es ans Handeln geht, schiebt die Bundesregierung die Verantwortung jedoch auf die Marktteilnehmer ab. Das ist aber verantwortungslos. Wir haben es mit Marktversagen zu tun, das eindeutig politisches Handeln erfordert. Wir müssen uns jetzt frühzeitig auf die nächste Krise vorbereiten und passende Instrumente bereithalten."

Ostendorff hofft, dass die neue Ministerin sich weniger hasenfüßig verhalten wird als der scheidende Minister. Der Agrarpolitiker: "Einen Betriebsverlust, wie 2015/2016, wo wir 10 % der Betriebe verloren haben, können wir uns nicht noch mal leisten. Die Betriebe stehen am Rand des Machbaren. Wer jetzt noch steht, der hat kaum noch Reserven. In einer neuen Krise droht deshalb ein noch dramatischerer Ausstieg von Betrieben.
Wir müssen uns jetzt für die nächste Krise wappnen und Kriseninstrumente entwickeln. Wir brauchen eine Mengenreduzierung bei Marktkrisen. Das kann ein branchenfinanziertes, indexbasiertes Bonus-Malus-System sein, wie vom Bund der Milchviehhalter vorgeschlagen. Ich stehe aber auch dem ablieferbaren Milchkontingent (AMIKO) des Kollegen Kees de Vries aufgeschlossen gegenüber."

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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Armin Brader · 1.

    Was bringen höhere Preise, die fressen die Kosten wieder doppelt auf, sinnvoller wäre dich gegen den Kostenwahnsinn zu wehren, allen voran DVO und sämmtliche BUND Idologie wo nichts bring sondern uns nur kosten verursachen. Es ist Politisch nicht gewohlt das es höhere Preise gibt, behaupten nur die Politiker wo nix zu sagen haben. Ändern können wir nur die Kostenseite, eine Mengenbegrenzung versacht wieder kosten. Mal den duchschnittlichen Milchpreis in den 90er Googeln, man vergisst so schnell

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  2. von Rudolf Rößle · 2.
    Marktanalyse

    die tollen Marktanalysen sollen doch endlich mal aufzeigen, was eine Mengenreduzierung preislich für Auswirkungen hat. Mit plausiblen Beispielen ist auch ein Handeln der Landwirte nicht ausgeschlossen.Sie werden sich mit den Empfehlungen auseinandersetzen.

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  3. von Gerd Uken · 3.
    Und wie sagte Frau Connemann noch als

    Sie in Jemgum war :Mit ihr wird es keine Mengenbegrenzung geben. Was die neue LW Ministerin denn nun macht da sind wir dann ja gespannt zumal ja auch Staatssekretäre ausgetauscht werden und die Einstellung vom jetzigen kennen wir ja auch. Prinzip Hoffnung bleibt- :(

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  4. von Gerhard Steffek · 4.
    @Michael Raffenberg -

    Das es nur noch Verlierer geben wird nach der nächsten Krise, dazu haben sie meine volle Zustimmung. Das einige Berufskollegen die Probleme nicht so sehen wollen auch. Nur die negativen Bewertungen können im Moment auch dadurch zu Stande kommen, weil das Bewertungssystem mal wieder ein bißchen "spinnt". Ist mir heute auch schon wieder aufgefallen. Man klickt auf "Zustimmen" und bekommt dafür etliche Plus mehr, gleichzeitig aber auch ein paar Minus. Ich hoffe die Redaktion bekommt das wieder in den Griff.

    Anmerkung der Redaktion:
    Danke, aber das ist kein Fehler: Während Sie die Meldung lesen, zeigt die Seite den Abstimmungsstand zum Zeitpunkt, als Sie diese geöffnet haben. Wenn Sie z.B. 5 Minuten lesen und dann abstimmen, lädt die Seite neu und zeigt dementsprechend auch die in der Zischenzeit von anderen Lesern getätigten Abstimmungen. So erklärt sich der plötzliche Sprung nach Ihrem Klick. Gruß A. Deter

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  5. von Petra Hoffmann-Hochhardt · 5.
    @ Gerd Oncken

    Frau Klöckner hatte als Berufspolikerin der CDU (mit dem Nimbus Expertin für Landwirtschaft) während ihres zweimaligen Wahlkampfes in Rheinland-Pfalz um den Ministpräsidentinnenposten und unter Ilse Aigner als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium ausreichend Gelegenheit eine klare Position zum Thema Milch zu beziehen. Sie wird zumindest in dieser Hinsicht genauso passiv sein wie es ihre Kolleginnen in NRW oder Niedersachsen sind.

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  6. von Michael Raffenberg · 6.

    Die negativen Bewertungen zu den vorherigen Kommentaren zeigen mal wieder, das es immer noch genug "sogenannte Berufskollegen"gibt die es einfach nicht begreifen wollen(oder können)! Sie hoffen wohl zu den Gewinnern der nächsten Krise zu gehören, aber es wird nur noch Verlierer geben!

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  7. von Gerd Schuette · 7.

    Der DBV fordert nicht "weg von allen Markteingriffen"! Er hat sich gerade wieder für die Beibehaltung der Intervention ausgesprochen. Um wirklich effektiv einzugreifen muss vor dem Tor der Molkerei bei der erzeugten Milchmenge eingegriffen werden und nicht dahinter über die Intervention. Die Mengen im Lager verhindern eine Erholung des Milchpulverpreises. Der BDM hat dies erkannt und das Marktverantwortungsprogramm setzt an der richtigen Stelle an.

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  8. von Gerd Oncken · 8.
    Eine Entscheidung

    ist nötig, und bei der ja wahrscheinlichen Einsetzung von Frau Klöcker als Landwirtschaftsministerin wird sie schnell Farbe bekennen müssen. Weg von allen Marktbeeinflussungen, so wie es ja der DBV immer noch fordert, oder in Richtung Anreize mit Druck, so wie es der BDM fordert, oder sogar in Richtung Kees de Vries von der CDU mit einer neuen Quote? Nur nichts tun ist keine Option. Leider wird sie aus Hannover mit Otte-Kinast keine Rückendeckung für jegweilige Regelung bekommen. Da steht man ja auf dem Standpunkt, dass der Markt alles regelt. Das dann auch die DBV-mitglieder wegsterben, kümmert ja keinen. War mit den Schweinebauern ja auch so. 80% aufgebende Betriebe haben auch dort nicht zum umdenken geführt.

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  9. von Hans Nagl · 9.
    Wenn !

    Wenn wir ALLE wirklich Alle nur 5 % weniger liefern würden, wäre der Markt morgen in Ordnung.

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