Was ist nachhaltig?

Vergleich von Ökolandbau und konventionellem nicht möglich

Ob ökologische Landwirtschaft nachhaltiger ist als die klassische lässt sich derzeit nicht bewerten. Das hat eine Abteilung des Bundestages mitgeteilt. Z.B. fehlt noch die Definition von Nachhaltigkeit.

Ein differenzierter Vergleich der Nachhaltigkeit von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft ist derzeit nicht möglich. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht zu den Herausforderungen und Perspektiven der Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme, den das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag (TAB) vorgelegt hat.

Im Gegensatz zu grundsätzlichen Aussagen über Nachhaltigkeitswirkungen der konventionellen beziehungsweise ökologischen Landwirtschaft sei es derzeit nicht möglich, eine differenzierte Darstellung der Nachhaltigkeitsperformance der beiden Landwirtschaftssysteme und ihrer zeitlichen Entwicklung in Deutschland vorzunehmen, heißt es in dem Bericht. Zuletzt hatte Prof. Dr. Teja Tscharntke angemerkt, dass Ökolandbau nicht per se besser für die Artenvielfalt ist als konventioneller Anbau.

Nachholbedarf sieht das TAB unter anderem noch hinsichtlich einer einheitlichen Definition von Nachhaltigkeit. Unterschiedliche Sichtweisen beziehungsweise voneinander abweichende Verständnisse der Thematik beeinflussten die Ausgestaltung der Bewertungssysteme auf den verschiedenen Betrachtungsebenen.

Der Handlungsbedarf, die Ziele und die Instrumente seien „umstritten“. Das Büro empfiehlt daher, einen Dialog zum Verständnis von landwirtschaftlicher Nachhaltigkeit unter Einbeziehung eines breiten Spektrums an Interessengruppen zu initiieren. Dabei sollte eine Verständigung über Grundsätze für Indikatoren und Zielwerte sowie die Beseitigung von Zielkonflikten angestrebt werden.

„Relevante Defizite“ sieht das TAB auch im Bereich der Forschung zur Nachhaltigkeitsbewertung landwirtschaftlicher Systeme. Hier empfiehlt das Büro unter anderem, Forschungsprozesse zur vergleichenden Nachhaltigkeitsbewertung zu starten, Indikatorenlücken bei der ökonomischen Nachhaltigkeit zu schließen und Indikatoren zur umfassenden Abbildung der sozialen Komponente zu entwickeln.

Ferner sollten die Praxis der Landbewirtschaftung und die Erfassung von Umweltwirkungen bei der ökologischen Nachhaltigkeit stärker miteinander in Verbindung gesetzt und Standards für Lebenszyklusanalysen in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten entwickelt werden.

Nach Einschätzung des TAB sollte außerdem das im Aufbau befindliche Bioökonomie-Monitoring um eine Nachhaltigkeitsbewertung erweitert werden. Bislang konzentrierten sich die Arbeiten auf Stoffströme und Wertschöpfungsketten sowie den Sektor insgesamt.

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