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Solidarische Landwirtschaft: Wenn Verbraucher die Produktion finanzieren

Keine Preisschwankungen, gedeckte Kosten und ein sicheres Einkommen für den Landwirt – das ermöglicht die Solidarische Landwirtschaft. Ein top agrar-Bericht aus 2016.

In diesem Bild finden sich viele Landwirte wieder: Der Hof als direkter Versorger von Verbrauchern, die Hof und Arbeit kennen sowie die Produkte wertschätzen und fair bezahlen. Genau diesen „Luxus“ haben die Betriebe der Solidarischen Landwirtschaft (SoLawi).

Landwirte und Verbraucher bilden dabei eine Versorgungsgemeinschaft: Die Verbraucher bezahlen vorab Produktions- und Lohnkosten und erhalten im Gegenzug die Ernte, ganz ohne dazwischenliegenden Verarbeitungs- und Handelsstufen.

Das in Deutschland und den USA in den 1960er-Jahren entstandene Konzept bedient Verbraucher, die sich gerne regional gesund versorgen und gleichzeitig etwas für den Erhalt der bäuerlichen Strukturen tun wollen. Gleichzeitig entlastet es die Landwirte vom Auf und Ab der Preise, sichert den Absatz und die Existenz. Mehr als 150 SoLawi-Betriebe gibt es bereits in Deutschland.

Wie funktioniert SoLawi?

Mehrere Privat-Haushalte tragen die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs. Dafür erhalten sie den Ernteertrag, wie hoch dieser auch ausfällt. Die Verbraucher tragen das Produktionsrisiko, der Landwirt produziert abseits von Marktstrukturen für ein kalkulierbares Einkommen.

Dabei gehört dazu, dass Verbraucher den Produktionsprozess verfolgen und auch auf dem Hof mithelfen dürfen. Weil sie meist „nur“ das Produktions- und Abnahmerisiko übernehmen, bleibt ihr Einfluss aber begrenzt.

Sie kooperieren letztendlich mit einem selbstständigen landwirtschaftlichen Betrieb. Der Landwirt bleibt Eigentümer von Flächen, Haus und Hof und hat betriebswirtschaftlichen Entscheidungsspielraum. Er trägt die übrigen Betriebsrisiken, wie z.B. dass er Förderbedingungen und Vorschriften einhält, Versicherungen abschließt und auch die Haftung übernimmt.

Wie läuft es in der Praxis?

In einer Mitgliederversammlung stellt der Landwirt die in den kommenden 12 Monaten geplante Produktion vor. Alle Kosten für Saatgut, Maschinen, Lager, Pachten, Versicherungen, Berufsgenossenschaft, Betriebsleitergehalt etc. tragen die Mitglieder. Sie teilen die Kosten auf die Ernteanteile auf und überweisen das Geld meist monatlich. Je nach Produktion sind das 50 bis 180 € pro Monat.

Ihre Anteile der Ernte holen sich die Mitglieder dann in Abholräumen (Depots), z.B. in den Städten oder direkt auf dem Betrieb, ab. Meist liefert der Landwirt die Produkte dort hin, anhand einer aushängenden Liste suchen sich die Mitglieder ihren Ernteanteil selbst zusammen – in der Regel ohne genaue Kontrolle. Das Angebot folgt den Jahreszeiten: Im Winter ist Kartoffel- und Kohlzeit, im Sommer und Herbst ist die Palette üppiger und die Menge steigt. Je nach Betrieb enthält ein Ernteanteil auch Brot, Milchprodukte bzw. Fleisch.

Welche Betriebe machen mit?

Solidarhöfe sind oft Biohöfe, wobei die Größe keine Rolle spielt: Es gibt Betriebe mit 200 ha und hunderten von Mitgliedern sowie auch solidarischen Gemüsebau auf kleiner Fläche für zehn Personen. Basis der Solidarproduktion ist häufig der Gemüseanbau.

Nicht alle Betriebe verschreiben sich voll der Solidarischen Landwirtschaft. Viele vermarkten Teile der Produktion frei oder wirtschaften nur in einem Betriebszweig solidarisch, z.B. in der Ziegenhaltung oder im Gemüsebau.

Auch wenn sich der Betrieb äußerlich kaum ändert: Wer als Landwirt in die SoLawi einsteigt, muss umdenken. Statt auf Märkte zu reagieren, geht es nun um die Mitglieder. Aus Sicht der Landwirte spricht Folgendes für SoLawi:

  • Preise spielen keine Rolle, die...

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