Bauern und Tierschützer protestieren bei Klöckner-Rede in Gießen

Etwa 500 Bauern haben am Montag mit ihren Treckern die Gießener Innenstadt lahmgelegt. Anschließend gingen sie zur Uni, wo Ministerin Klöckner zu Gast war. Tierschützer empfingen sie lautstark

Der Vortrag von Bundesagrarministerin Julia Klöckner "Landwirtschaft - quo vadis?", den sie am Montag in der Justus-Liebig-Universität in Gießen gehalten hat, wurde von Bauernprotesten begleitet.

Der Gießener Anzeiger berichtet, dass die unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft der Lebensmittelproduktion vor und im Unihauptgebäude heftig aufeinanderprallten. Hunderte Bauern seien zunächst mit ihren Traktoren vom Europaviertel zu einem Protestzug gegen die Agrarpolitik durch Gießen gezogen. Auch wenn statt der in der Vorwoche angekündigten 800 Schlepper laut Polizei nur 300 aus Alsfeld, Wißmar, Friedberg oder Stadtallendorf gekommen seien, habe dies lange Staus rund um die Demonstrationsroute verursacht, so die Zeitung weiter.

Knapp 500 Landwirte seien dann zur Uni marschiert, wo sie von zahlreichen Tierschützern empfangen wurden. Greenpeace etwa warb um Dialog und für ein Umdenken in der Landwirtschaft. Andere Tierschutzvereine beschallten den Univorplatz per Lautsprecher mit „Ferkelschreien aus dem Schlachthof“ und warfen Fotos an eine Leinwand, heißt es. Davon sei aber nichts zu sehen gewesen, weil die Bauern mit ihren Treckerscheinwerfern das Bild überstrahlten.

Zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen sei es aber nicht gekommen. Stattdessen hätte ein Landwirt angemerkt, dass die von Tierschützern geforderten höheren Auflagen für die Tierhaltung gerade die kleineren Betriebe zur Aufgabe zwängen, während die Großbetriebe diese problemlos erfüllen könnten.

Vertreter von "Land schafft Verbindung" sagten dem Gießener Anzeiger, dass sie sich von einer CDU-Ministerin noch am ehesten Unterstützung für ihre Anliegen erhoffen. Konkret fordern sie eine Rücknahme der neuen Umweltauflagen und Düngevorschriften sowie Maßnahmen gegen zu niedrige Erzeugerpreise.

Die Redaktion empfiehlt

Wie geht es weiter, wenn Politik und Lebensmittelindustrie weitermachen mit strengeren Auflagen und Preiskämpfen, die die Landwirte nicht gewinnen können?, fragte LsV am Donnerstag in Osnabrück.


Diskussionen zum Artikel

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von Winnie Bürger

Miteinander statt gegen einander

Wir (Tierschutzverein Düsseldorf) sind jeden Tag im Gespräch mit irgendwelchen Landwirten. Wir hören uns ihre Sorgen, Nöte und Wünsche an, sprechen über unsere Belange und suchen einen Konsens, der für alle Seiten passt. Mit sehr gutem Ergebnis! Auch wenn wir zur Gruppe der NGOs gehören und für uns das Tierwohl an erster Stelle steht, muss man doch auch die Beweggründe der Landwirte anhören, verstehen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Es gibt nicht nur schwarz und weiß sondern auch grau - und das sollten alle berücksichtigen. Also bitte: geht nicht auf einander los sondern bleibt sachlich, offen und sucht gemeinsam nach dem besten Weg! Nur so kann es gelingen!

von Ahrend Höper

@ W. Grimm

Total realistischer Kommentar. Aktuelle Situation präzise auf den Punkt gebracht! Leider kann man bei dem politisch agierenden Damentrio in den amtierenden Ministerien der GrKo kein verantwortungsbereites Handeln erkennen? Vielmehr verstärkt sich der Eindruck, daß links grüne "selbst ernannte Fachleute" die Lenkung übernommen haben! Für den außen stehenden Beobachter sieht es so nach externem Beraterteam aus?

von Christian Bothe

Greenpeace

Ob dieser Verein in Deutschland überhaupt noch verfassungskonform agiert?

von Wilhelm Grimm

Bis zu Schlägereien ist es nicht mehr weit.

Schuld ist die Politik, die mit ihren Plänen zur Entwicklung der Landwirtschaft Partei gegen die Landwirtschaft ergreift. Sie unterstützt aus billigen wahltaktischen Erwägungen landwirtschaftlich bildungsferne Gruppierungen. Unsere Politiker haben zur Nahrungserzeugung und zur Nahrungssicherheit kein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein. Fachlich gut ausgebildete Landwirte werden aber nicht leichtfertig ihr Wissen im Acker- und Pflanzenbau und zur Nutztierhaltung verleugnen, sie werden für ihre Überzeugung kämpfen. Das sollten verantwortungsbereite Politiker unterstützen.

von Christian Sancken

selber machen

Alle Organanisationen die eine andere Landwirtschaft wollen, können das doch machen. Sollen morgen damit anfangen und uns mit ihrer Arbeit zeigen wie es gehen soll. Man braucht uns nicht ständig erzählen was wir alles anders machen sollen. Sie sollen uns das zeigen. 7 Tage die Woche, mit all seinem persönlichen Besitz haften und dann dem Preisdruck und dem Dokumentationswahn von aussen. Sollen gleich anfangen. Anderen erzählen was sie falsch machen und selber nix machen, das geht gut. Zeigt uns wie es geht, wenn wir es nicht richtig machen. Danke.

von Gerd Uken

Von einer CDU Ministerin am ehesten vertreten

Gerade die haben uns doch erst dort hin gebracht wo wir jetzt stehen. Die kennen das Politspielchen nur zu gut.... Bund-Land-EU das Versteckspiel bringt doch nichts. Ich zweifele an ihrer Ehrlichkeit wenn’s um die DüVo geht. Und hier ein bisschen Makulatur u. dort die Binnendifferenzierung Gleiches Eecht für ALLE!

Anmerkung der Redaktion

Tipp: Dienstagabend 19 Uhr im Youtube-Livestream, top agrar diskutiert mit Julia Klöckner über die Düngereform, www.youtube.de/topagrar und www.topagrar.com

von Harald Finzel

„Ferkelschreien aus dem Schlachthof“...

Greenpeace zeigt einmal mehr, dass es denen nicht um sinnvolle Lösungen zu einem Mehr an Tierwohl geht, sondern lediglich um die Landwirtschaft als populistisches Feindbild. Soll man da noch verstehen, dass es immer noch wirre Bauern gibt, die mit Greenpeace gemeinsame Sache machen?

von Willy Toft

Die ganze Entwicklung ist krank, und ethisch fragil!

Die Bauern werden mit Auflagen überzogen, die sie nicht erfüllen können, geschweige denn, dass sie die Auflagen wirtschaftlich überleben! Auf der anderen Seite die "Veganer", die die Tierhaltung insgesamt verteufeln, was fatal wäre, wenn sich die Politik darauf einlässt, was sich dieser Personenkreis ausgemalt hat! Die Visionen einiger Menschen, sind nicht immer förderlich für die Menschheit, das wird hoffentlich auch die Politik begreifen! Gerade diese übertriebenen Forderungen machen den Wahnsinn Deutlich, indem wir uns befinden!

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