Verkehrsbehinderungen

Bauernproteste: Schlepper bundesweit gestartet

Einen Tag vor dem geplanten Protest von bis zu 10.000 Bauern in Berlin sind am Montag bundesweit tausende Schlepper Richtung Hauptstadt sowie zu einer Staffelfahrt durch NRW gestartet.

Am Dienstag findet vor dem Brandenburger Tor in Berlin eine weitere große Bauernkundgebung gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung statt. Aus der ganzen Republik sind bereits Traktoren unterwegs.

Staffelfahrt in NRW

Für alle, die nicht nach Berlin kommen können, hatte die Initiative „Land schafft Verbindung NRW“ für heute zur Protest-Staffelfahrt geladen. Zahlreiche Traktoren-Konvois sind seit den frühen Morgenstunden von Bonn über Köln und das Ruhrgebiet nach Bielefeld unterwegs. Los ging es um sieben Uhr morgens etwa in Meckenheim Richtung Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn. Dort protestierten die Bauern unter anderem gegen die zahlreichen Umwelt- und Naturschutzvorschriften. Die Nachfolgerin von Agrar-Staatssekretär Dr. Aeikens, Beate Kasch, nahm sich Zeit und sprach mit den Bauern über ihre Sorgen.

Beate Kasch im Gespräch mit einem Landwirt (Bildquelle: BMEL)

Weitere Konvois sind unter anderem in Mönchengladbach, Düsseldorf, Köln, Münster, Essen, Dortmund, Hagen, Hamm und Bielefeld gestartet, berichtet der WDR. In den einzelnen Städten wollen die Bauern immer wieder Pausen einlegen, um mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen. In Bielefeld ist für den späten Nachmittag und Abend das Ende der Proteste in NRW geplant.

Staffelfahrt nach Berlin. (Bildquelle: Per Instagram von ollli_steini_)

Dienstag große Demo in Berlin

Am Dienstag findet dann von 12.00 bis 15.00 Uhr in Berlin vor dem Brandenburger Tor eine Demonstration von „Land schafft Verbindung“ (LsV) statt. Die Initiatoren erwarten 5.000 Traktoren und 10.000 Demonstranten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat dazu ihre Teilnahme zugesagt und wird um 14 Uhr auf der Bühne stehen, bestätigt das BMEL gegenüber top agrar.

Der NDR berichtet, dass bereits viele Traktoren aus Schleswig-Holstein auf den Straßen unterwegs sind Richtung Berlin. Nach Angaben der Polizei hätten sich allein aus Schleswig-Holstein rund 1.100 Teilnehmer mit rund 600 Fahrzeugen angemeldet. In Schleswig-Holstein gab es drei Startpunkte: Schuby im Kreis Schleswig-Flensburg, Nützen im Kreis Segeberg und Hamberge im Kreis Stormarn. Die Konvois fahren über Bundes- Landes sowie Kreisstraßen. Sie werden polizeilich begleitet und abgesichert.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) haben einen Sonderzug mit über 600 Sitzplätzen gebucht, der ausgebucht ist.

Videobericht der Tagesschau vom Sonntag über den Start

ARD-Tagesthemen vom 24.11.2019

Staffelfahrt von Laupheim nach Aalen Westhausen. (Bildquelle: Per Instagram von Jxna_28)

Mahnfeuer "Deutschland in Flammen"

Die Initiatoren von "Land schafft Verbindung" rufen darüber hinaus alle Landwirte auf, am Dienstag bundesweit Mahnfeuer anzuzünden, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Landwirte sollten diese aber bei den Ordnungsämtern anmelden. Ziel sei, bei den Mahnfeuern mit Bürgern und Politikern ins Gespräch zu kommen.

Bauernbund Brandenburg: Klare Forderungen

Max Kirsten (Bildquelle: Bauernbund)

Der Bauernbund Brandenburg fordert unterdessen von der Politik mehr Ehrlichkeit. „Seit Jahren verleumden uns Umweltbundesamt, NABU und BUND mit getürkten Statistiken und gezielten Fehlinterpretationen, seit Jahren weisen wir geduldig auf die Fakten hin und werden von der Bundesregierung doch nicht gehört“, sagte Bauernbund-Vorstand Max Kirsten: „Wir haben es satt, den Prügelknaben der Nation zu spielen.“

Die Düngeverordnung 2017 müsse ausgesetzt werden, weil sie aufgrund einer unvollständigen Datengrundlage beschlossen wurde, argumentiert Kirsten: „Wir brauchen eine Verzehnfachung der Messstellen, um repräsentative Ergebnisse zu kriegen, und eine Untersuchung belasteter Proben auf den Verursacher, erst dann können wir weiter reden.“

Auch das Agrarpaket zum Schutz von Insekten will der 25-jährige Landwirt zurückgestellt wissen, bis es gesicherte Untersuchungen über den Rückgang von Insekten gibt: „Die viel zitierte Krefeld-Studie jedenfalls sagt nicht mehr aus, als dass in einem Naturschutzgebiet durch staatliches Verbot von Düngung und Weidehaltung das Nährstoffangebot soweit reduziert wurde, dass die gewogene Biomasse an Insekten um 70 Prozent zurückgegangen ist. Alles andere ist spekulativ.“

Vollends unglaubwürdig mache sich sie Bundesregierung, wenn sie hierzulande die landwirtschaftliche Erzeugung mit ökologisch sinnlosen Auflagen herunterregelt und gleichzeitig durch das Mercosur-Handelsabkommen Einfuhren aus Ländern ermöglicht, wo Glyphosat in vielfacher Dosis mit dem Hubschrauber ausgebracht wird, meint der engagierte Jungbauer. Kirsten: „Keine Ratifizierung von Mercosur, Aussetzung der Düngeverordnung 2017 und weg mit dem Agrarpaket – das sind die klaren Forderungen der deutschen Bauern am 26. November in Berlin.“

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Hermann Kamm

Wir dürfen jetzt nicht mehr locker lassen!

und wenn es nicht viel bringt dann kommen wir gleich wieder.

von Willy Toft

@Gerd, wir werden einfach nur Vera......t! Wir müssen mit großen Aufwand um ein Gespräch...

bitten, und werden mit Peanuts abgespeist! Ich habe es neulich auf den Punkt gebracht, mit einer Schachtel Zigaretten/ha sollen wir für all die Dinge belohnt werden, wenn wir die neuen Auflagen und Vorgaben erdulden! Da wird nicht einmal von Regierungsseite der Schaden auf den ha Land herunter gebrochen, damit man mal das wahre Ausmass sieht, was sie uns gerade damit antun! Die DüV im roten Gebiet, wo wir nur noch verifiziert und jedes Jahr weniger, weil wir ernten weniger, düngen dürfen, wird uns alleine schon stark belasten. Je nach Betriebstyp sind dort Verluste von 200- 350 €/ha im konventionellen Bereich, dazu noch PSM- Einschränkungen und Verbote, mit Randstreifen, wogegen wir nichts haben wenn es auch honoriert wird. Verbote von Beizungen beim Saatgut, erhöht die Saatgut- Menge, aber auch den Schaden, wenn die Präventiv- Wirkung ausbleibt. FFH- Gebiete mit Verboten und Einschränkungen zu belegen, grenzt mehr als an Enteignung! Dazu kommt noch das Klima- Paket, was uns nochmal mit höheren Steuern und Abgaben belastet! Wir könnten CO² über die Pflanzenproduktion aufnehmen, aber uns wird diese Einnahme verweigert! Wer immer noch nicht weiß, worum es uns geht, der wird es auch nicht begreifen. Wir können uns auch Dinge im Vertragsnaturschutz vorstellen, aber nicht über Gesetze!

von Gerd Uken

Worüber ich mich am meisten aufregen

Kann: 6% Umschichtung ist beschlossen Die Roten Gebiete sind beschlossen alles andere sind nur Lippenbekenntnisse D.h.20% N Minderung ist da Fakt! Wo will man und denn nun Entgegenkommen? Pflanzenschutz??? Das will man mit 50 Mio versüßen, merkt denn keiner was??

von Gerd Uken

Die Franzosen gehen Mittwochmorgen

Um 6:00 mit ihren Schleppern nach Paris.... https://france3-regions.francetvinfo.fr/paris-ile-de-france/paris/1-000-tracteurs-rassembles-mercredi-paris-exprimer-ras-bol-agriculteurs-1753159.html?fbclid=IwAR2OUDZgEVA_iiRQsChy_lWEATOF4_Nhsu1htJbsmLBNk_iGKzVdivG2agA

von Willy Toft

Schluss mit der Bevormundung, honoriert erstmal die bisherigen Leistungen!

Es kann doch nicht ernsthaft alles zum Null- Tarif laufen! Wir verweigern uns bestimmt nicht, wir wollen nur endlich mal ordentlich bezahlt werden, dann können wir über alles reden! Die Betriebe haben Angst um ihre Existenz, deshalb müssen sie auch noch nach Berlin! Die Politik sollte es nicht übertreiben, wir sind nicht das Bauernopfer einer verfehlten Politik und Aufklärung, die sich nach Fakten orientiert!

von Rudolf Rößle

Behaltet

einen kurzen und verständlichen Forderungs- und Maßnahmenkatalog bei, damit der Interessierte es überfliegen kann und auch gedanklich mitfühlen kann. Wir bringen uns ein und schaffen Zukunft. Das muss in den Ohren klingeln.

von Christian Bothe

Sternfahrt nach BLN

Eine tolle Aktion der Bauernschaft Deutschland‘s.Gute Fahrt und viel Erfolg.Ich gehe davon aus, das sich die Administration in Berlin bewegen wird und muss.

von Albert Maier

Hoffentlich ....

....lohnt der rießen Aufwand. Die Forderungen der LsV sind mittlerweile sehr weichgespült...

von Gerd Uken

Richtig so da muss Druck

Auf den Kessel...... Allen eine gute Fahrt!!

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