Die Verbrauchergemeinschaft g.V.

Bei „Du bist hier der Chef!“ entscheiden Verbraucher über Herstellung und Preis

Bei einer neuen Initiative kann der Verbraucher selbst festlegen, was ihm bei einem Produkt wichtig ist und zu welchem Preis er es kaufen würde. Resultat wäre eine gerechte Vergütung für die Bauern.

„Du bist hier der Chef!“ ist das Motto der Mitte Juni 2019 im hessischen Eltville gegründeten bundesweiten Verbraucherinitiative „Die Verbrauchergemeinschaft g.V.“. Ziel des Vereins ist es, Verbraucher beim Herstellungsprozess von fair und verantwortungsbewusst produzierten Lebensmitteln mitbestimmen zu lassen.

„Diese Vorgehensweise ist neu in Deutschland“, erklärt Nicolas Barthelmé, Gründer der Initiative: „Erstmals darf der Verbraucher selbst entscheiden, was ihm bei einem Produkt wichtig ist und zu welchem Preis er bereit ist, es zu kaufen. Das Ergebnis ist eine gerechte Vergütung für die Landwirte und mehr Transparenz für die Verbraucher“. Das Konzept hat sich in Frankreich bereits bewährt. Dort ist die Verbrauchermarke „C‘est qui le patron?!“ mit mehr als 20 Produkten seit 2016 in den Regalen des Lebensmittelhandels zu finden. In Deutschland unterstützen neun Gründungsmitglieder und viele weitere Interessierte die Idee.

So geht´s

Auf der Internetplattform www.dubisthierderchef.de wählen die Verbraucher ein Produkt aus, beantworten den entsprechenden Fragebogen, entscheiden über relevante Produktmerkmale wie Herkunft, Produktionsprozess, Vergütung für die Landwirte, Qualität und Verpackung und bestimmen den Verkaufspreis mit. „Alle Antworten werden dann ausgewertet und in einem Pflichtenheft zusammengefasst“, erklärt der Betriebswirt Barthelmé weiter.

„Die Verbraucher schaffen sich ihr Lieblingsprodukt gewissermaßen selbst und damit es dann auch den Weg in die Supermarktregale findet, suchen wir parallel Landwirte, Hersteller und Händler als Partner“.

Los geht es mit der Milch: Ab September kann man den ersten Fragebogen zum Thema Frischmilch beantworten. Das entsprechende Produkt soll bis Ende des Jahres auf dem deutschen Markt eingeführt werden. Und bereits ab sofort dürfen Verbraucher auf der Webseite entscheiden, welche weiteren Produkte der Verbrauchermarke sie möchten.

Das Ganze ist für die Verbraucher kostenlos. Zudem können besonders engagierte Verbraucher mit einer einmaligen Aufnahmegebühr von 1,- Euro ab sofort Vereinsmitglied werden und die Entwicklung der Initiative mitgestalten. „Uns ist es wichtig, dass unsere Mitglieder an allen wichtigen Entscheidungen der Initiative teilhaben, diese bei der Kommunikation bzw. Events unterstützen oder die Partner besuchen, um z.B. die Einhaltung der von der Community gewählten Pflichtenhefte vor Ort zu kontrollieren“, erklärt der Gründer der Initiative. Mundpropaganda und Social Media sollen herkömmliche Werbung ersetzen und so zu attraktiven Preisen beitragen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Lars Henken

Da bin ich ja mal gespannt....

In Frankreich sind also mehr als 20 Produkten seit 2016 in den Regalen des Lebensmittelhandels zu finden und wie viel Umsatz machen diese Produkte? Kommt am Ende das Geld auch beim Bauern an oder bleibt es im Zwischenhandel hängen und der Bauer ist mal wieder der Gekniffene? Kaufen die Leute, die die Fragebögen ausgefüllt haben ihr Produkt dann auch langfristig oder nur am Anfang, um ihr Gewissen zu entspannen? Ich bin das sehr skeptisch und sehe den möglichen Marktanteil eher als überschaubar an.

Anmerkung der Redaktion

Nicolas Barthelmé antwortete: Zeit für Veränderung! Text: Wie die Verbraucher bei uns reagieren werden, können wir natürlich nicht garantieren. Dass es in Deutschland für Landwirte schwer ist, ist uns aber allen bewusst. Also kann doch die Richtung nur die der Veränderung sein, oder? Wir jedenfalls glauben daran, dass der Verbraucher sich mit mehr Information und Transparenz langfristig für das Richtige entscheiden wird. Darum packen wir's an! In Frankreich produzieren mehr als 1.500 Landwirte für die Initiative. Ihre faire Vergütung wird von den Verbrauchern gewählt und ist Bestandteil der Pflichtenhefte. Milchbauern bekommen z.B. seit Oktober 2016 0,39 €/Liter + Zuschüsse für Eiweiß und Fett. Sobald die Produkte vermarktet werden, werden alle Partner von einem externen Institut und von der Initiative inkl. Verbraucher kontrolliert. Die entsprechenden Belege werden gesichtet und teilweise online gestellt (mehr unter www.lamarqueduconsommateur.com/produits/). Und ja, die französischen Verbraucher kaufen die Produkte ein, die sie gestaltet haben (130 Millionen Packungen wurden in 2,5 Jahren verkauft). Das alles ist auch in Frankreich nicht über Nacht passiert, aber irgendwann muss man ja mal anfangen. Wir bringen jetzt den Funken nach Deutschland und sind überzeugt: Gemeinsam können wir es schaffen! Sind Sie dabei? Vielen Dank für die Unterstützung! Nicolas Barthelmé

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