Berufsstand ringt um Platz in der Mitte der Gesellschaft

Allgemeine Klagen über die sogenannte industrielle Landwirtschaft werden den Strukturwandel nicht aufhalten, sondern im Zuge weiter verschärfter Regelungen und Auflagen sogar beschleunigen. Der Trend hin zu größeren Produktionseinheiten werde sich fortsetzen, sagt Landwirt Franz-Josef Schäfer.

Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Debatte um die Landwirtschaft muss der bäuerliche Berufsstand aus Sicht des Präsidenten vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau (BWV), Michael Horper, heute härter denn je um seine Zukunft kämpfen. Der Landesbauernpräsident betonte auf der Generalversammlung des Kreisbauernverbandes Ahrweiler in Dernau, dass der jungen Generation der Spaß am Beruf erhalten bleiben müsse.

Der Vorsitzende des Kreisbauern- und Winzerverbandes Ahrweiler, Franz-Josef Schäfer, bedauerte in seiner Begrüßung, dass die bäuerliche Kultur auf dem Land langsam verschwinde und bereits etliche Orte im Verbandsgebiet ohne einen aktiven Landwirt existierten. Schäfer zeigte sich überzeugt, dass das allgemeine Klagen über die sogenannte industrielle Landwirtschaft den Strukturwandel nicht aufhalten, sondern im Zuge weiter verschärfter Regelungen und Auflagen sogar beschleunigen werde. Der Trend hin zu größeren Produktionseinheiten werde sich fortsetzen.

Nach Auffassung von Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein muss die Gesellschaft dem landwirtschaftlichen Berufsstand eine Antwort auf die Frage geben, warum der Bauer ein Bauer bleiben solle. Potentielle Hofnachfolger registrierten heutzutage durchaus, dass sich in außerlandwirtschaftlichen Berufen gutes Geld verdienen lasse, ohne mit seiner täglichen Arbeit in der öffentlichen Kritik zu stehen.

Hauschild wies darauf hin, dass sich das Wissen der Bevölkerung über die Landwirtschaft mit zunehmender Distanz zu dieser Branche im Laufe der Zeit deutlich gewandelt habe. „Vor 100 Jahren stammten 80 % des Wissens aus eigener Erfahrung. Heute basieren 80 % auf Kommunikation“, so Hauschild. Eine zentrale gesellschaftliche Frage sei es geworden, ob man den Bauern und deren Produkten als Verbraucher noch Vertrauen schenken könne.

Politik folgt nur noch

In Bezug auf die kritische Darstellung der Landwirtschaft stufte Hauschild verschiedene Nichtregierungsorganisationen (NGO) und die Medien als „die entscheidenden öffentlichen Meinungsmacher“ ein. Die NGO würden als „Wächter der Gesellschaft“ wahrgenommen. Sie betrieben professionell sogenanntes „Negative Campaigning“ und erzählten „klassische Geschichten“. Diese würden von den Medien aufgenommen und in „fragwürdiger Darstellung“ publiziert.

Den aktuellen politischen Entscheidungsträgern attestierte Hauschild in Bezug auf ihr Handeln dabei eine im Vergleich zu früheren Zeiten veränderte Haltung. „Die Politik schreitet nicht mehr voran, nicht einmal als Kritiker, sie folgt“, stellte Hauschild fest. Nach seiner Einschätzung steht die Landwirtschaft damit vor der Herausforderung, sich aus dieser schwierigen, defensiv gearteten Position heraus zu bewegen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Bernd Schmitz

Es ist Stimmungsmache

den Berufsstand als ausserhalb der Gesellschaft darzustellen. Mit den Fingern auf andere NGOs (Nichregierungsorganisation) zu zeigen, denn der Bauernverband regiert nicht in Form des Verbandes, stellt die Bauern in eine Opferecke, in die sie nicht gehören. Dann gleichzeitig ein weiter so wie bisher als Bauernvertretung zu fordern sichert keine Höfe, sondern die Verkaufserlöse der vor- und nachgelagerten Industrie. Da der Bauerverband sich aber genau dieser zugehörig fühlt, sind die Bauern somit Teil der Agrarindustrie. Und dadurch wird ein Graben zwischen Gesellschaft und Bauern ausgehoben, den es gar nicht gibt. Wieso gehen sonst 35000 Menschen hinter 171 Schleppern aller Größenordnung auf einen Protstzug gegen die bisherigen Fördermechanismen aus Brüssel? Die Fördergelder an Betriebe verstärkt zu zahlen, die mit ihrer Wirtschaftsweise den eingetretenen Entwicklungen in Sachen Biodiversität und Klimaerwärmung entgegenwirken, sichert doch für die Zukunft viel mehr Familien ihre Höfe. Das ist doch ein Aufruf die Landwirtschaft mit der Gesellschaft in ihrer Mitte weiter zu entwickeln. Das weniger intensiv arbeiten honoriert zu bekommen, stabilisiert im Nebeneffekt mit geringerem Mengenertrag sogar die Preise für die Produkte. Weniger ist dann mehr und das aus der Mitte der Gesellschaft heraus.

von Rudolf Rößle

Verpachten

was sagte ein Landwirt immer, der jetzt auch aufgehört hat. Du darfst nicht der Letzte sein der aufhört, sonst kannst du nicht mehr verpachten.

von Klaus Fiederling

KLARTEXT

Wer Klartext zunächst wirklich beherzt ehrlich durchdenkt, kommt nicht umhin, mit jenen verbal die Klingen zu kreuzen, die für unsere nunmehrig schmerzhaft klaffenden„Bauernwunden“ hauptursächlich verantwortlich zeichnen.// Wo bleiben gegenwärtig in der Landwirtschaft all jene Alternativen in den verschiedensten NON-FOOD-BEREICHEN!? Erkennen wir noch immer nicht horizonterhellend, dass von den innerhalb deutscher Grenzen zur Verfügung stehenden etwa 16 Mio Hektar LN über eine ganze Bauerngeneration hinweg etwa ein Drittel -mithin von ca. 5 Mio. Hektar- die Erzeugnisse alleinig für unsere Biomüllhalden produziert wurden, ohne jemals einen Teller gesehen zu haben!? Genau darauf aber fußen die ganzheitlichen Missstände auf unseren Höfen; es wagt sich allerdings kaum jemand, das so ungeschönt realiter auch offen zu thematisieren, gar medial zu kommunizieren. // Aktuell ist ein Jürgen Resch imstande, eine unvorstellbar mächtige Branche innerhalb kürzester Zeit gehörig aufzumischen und damit generell auf den Prüfstand zu stellen. Aus ähnlich berufenen Munden wurde seinerzeit Biodiesel wider besseren Wissens -das weiß man heute wissenschaftlich gesichert- sofort medial sturmreif geschossen und damit eine Akzeptanz in Reihen der Verbraucher gnadenlos zerstört. Die dahingehende unverzichtbare Vertrauensbasis wurde mehr oder weniger für alle Zeiten ad absurdum geführt. - Ein Beispiel nur von vielen! // Eine handverlesene Spezies ist mithin ausdauernd formidabel imstande, sich auch weiterhin die Wurst nicht vom Brot nehmen zu lassen; für uns Bauern bleiben bald nicht einmal mehr vereinzelte Brotkrümelchen noch übrig...

von Wilhelm Grimm

Auch das Umweltbundesamt

beteiligt sich immer dreister an der Irreführung der Medien und der Bevölkerung zum Nachteil der konventionell geführten landwirtschaftlichen Betriebe.

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