Kriminalität/Betrug

Die italienische "Agro-Mafia" ist auch bei uns aktiv

Die italienische Mafia hat die Landwirtschaft längst für sich endeckt. Der Bundesregierung liegen nun Erkenntnisse vor, dass es auch bei uns Produktbetrug und Erpressung gibt.

Tätigkeiten der sogenannten Agro-Mafia in Deutschland waren kürzlich Thema einer Anfrage der Grünen an die Bundesregierung. Danach wurden sowohl in Ermittlungsverfahren als auch aus Auswertungen von Informationen aus Italien vereinzelt Erkenntnisse gewonnen, dass allgemein als "Agro-Mafia" bezeichnete kriminelle Strukturen gefälschte oder minderwertige Agrarerzeugnisse oder Lebensmittel in den Vertrieb bringen beziehungsweise Gastronomiebetriebe zur Abnahme genötigt werden. Diese kriminellen Strukturen seien "nach hiesiger Kenntnis der Italienischen Organisierten Kriminalität (IOK) zurechenbar".

Für die Organisationen der IOK stelle der Handel mit minderwertigen Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln ein Betätigungsfeld dar, in dem hohe Gewinne erzielt werden können, schreibt die Bundesregierung weiter. Das Entdeckungsrisiko sowie die Strafandrohung für die Agierenden seien vergleichsweise gering. Aufgrund der im ersten Absatz genannten Indizien sei zu vermuten, dass dieser Phänomenbereich auch in Deutschland eine Einnahmequelle der IOK darstellt. Von einem großen Dunkelfeld sei auszugehen.

Hintergrund

Das Thema „Agro-Mafia“ bezeichnet ein Problem, das im Zusammenhang mit der Erzeugung und dem Handel von (italienischen) Lebensmitteln steht. Die Bedeutung dieses Marktes soll für die Mafia in Italien im Zuge der letzten Wirtschaftskrise zugenommen haben und inzwischen sollen kriminelle Organisationen Umsätze von rund 15 Mrd. Euro jährlich erzielen.

Eine solche Infiltrierung des Lebensmittelmarktes durch die Organisierte Kriminalität (OK) bleibt nicht folgenlos. Lebensmittel sollen gepanscht oder falsch deklariert werden. Hierbei soll es auch zum Einsatz gesundheitsgefährdender Stoffe kommen. Experten weisen auf die hohe Profitabilität solcher Manipulationen hin. Das am häufigsten betroffene Lebensmittel ist demnach Olivenöl.

Neben dem Geschäft mit gefälschten Lebensmitteln sind Gruppierungen der IOK auch immer wieder mit anderen Delikten im Zusammenhang mit der Erzeugung und dem Handel von Lebensmitteln aufgefallen. So sollen z. B. auch in Deutschland italienische Gastronomen gezwungen worden sein, oftmals minderwertige Lebensmittel zu überteuerten Preisen abzunehmen. Des Weiteren sollen Vertriebswege von Lebensmitteln auch zum Transport von Drogen wie Kokain benutzt worden sein.

Tabelle 1 (Bildquelle: Bund)

Knapp die Hälfte der Beanstandungsgründe geht auf eine falsche Kennzeichnung zurück

Tabelle 2 (Bildquelle: Bund)

Lebensmittelkriminalität ist Bestandteil des polizeilichen Sondermeldedienstes für Umwelt- und Verbraucherschutzdelikte. Im Rahmen dieses Sondermeldedienstes besteht auf Ebene der polizeilichen Zentralstellen (Bundeskriminalamt/Landeskriminalämter) eine institutionalisierte Kooperation. Welche Regelungen unterhalb der Zentralstellenebene bestehen, liegt in der Entscheidungshoheit der Länder.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Bernhard ter Veen

ist doch ein offenes Buch

Panscherei und Betrügereien sowie Geldwäsche... nur warum, frag ich, werden NIE eindeutig die besagten Produkte Namentlich und Bildlich veröffentlicht ??? hat man da oben etwa Angst das herauskommt inwieweit die Staatlichen Entscheidungsträger involviert sind und daran mitverdienen??? ist doch ganz einfach...Mediale Pressemitteilung in Wort und Bild um welche Artikel es geht und morgen ist ein Stück Regal LEER geräumt...und der IOK wieder ein klitzekleiner Riegel vor die Tür geschoben...

von Karlheinz Gruber

Meinen die unsere Regierung?

"...dass allgemein als "Agro-Mafia" bezeichnete kriminelle Strukturen gefälschte oder minderwertige Agrarerzeugnisse oder Lebensmittel in den Vertrieb bringen beziehungsweise Gastronomiebetriebe zur Abnahme genötigt werden." Zitat obriger Artikel. Es gibt doch die genehmigten Importe unserer lieben Regierung, die das alles ins Land lassen, damit unsere Industrie lustig ihre Sachen rausliefern darf. Wo sind denn hier die Lebensmittelbehörden? Ach ja, mit uns hiesigen Bauern beschäftigt. Somit hat unsere Regierung denen doch noch direkte Beihilfe zur Straftat geliefert. Es wird alles ohne (ausreichende) Kontrolle ins Land gelassen. Klar, eine Zurückweisung würde den Export der Industrie und Autos gefährden. Es wird somit reingefahren, egal wie produziert wurde. Die Mengen bei uns, die rein kommen sind bei offenen Grenzen nicht mehr zu kontrollieren. Auf gut deutsch. Ein vollkommener staatlicher Kontrollverlust auf der ganzen Breite. Die einzige Möglichkeit. Alle Einfuhren von Lebensmitteln sind zu kontrollieren. Und erst wenn über einen langen Zeitraum die Firma sauber gearbeitet hat und sich nichts zu schulden kommen lies, dann kann man die Kontrolldichte senken. Bei Verstoß, verlust der Importlizenz. Das heißt aber auch, unsere Industrie darf nicht mehr so einfach rausfahren. Na, was wird wohl kommen. Doch eher eine Verhandlungsrunde mit der Mafia, oder?

von Hans Spießl

Das übliche.

Dafür braucht man nicht nach Italien gehen in Deutschland haben wir das auch schon lange. Da braucht man sich doch nur den Hofreiter Clan anschauen - LKW zug weise Getreide aus Osteuropa (wahrscheinlich mit Nitroven behandelt) wird zu deutscher Bio ware. Es braucht aber keiner zu glauben das mit dem Ende der KTG das alles Geschichte sei.

von Gerhard Steffek

Ist das was Neues?

Seitdem es die Mafia gibt ist das doch eines deren Geschäftsfelder. Da kommen sie doch nicht mit neuen Erkenntnissen. Das Geschäftsfeld in Deutschland ist für die Mafia doch mittlerweile deshalb so interessant, weil der deutsche Staat und seine "Geschäftsführung", einschließlich seiner Justiz, nur noch zum harmlosen und zahnlosen Stubentiger mutierte dem eine Maus vor der Nase Samba tanzen kann. Im Mittelalter hingegen hat man entsprechende Panscher in ihrem eigenen Gebräu ertränkt.

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