Thema des Monats

Gönnen Sie sich mal ’ne Pause

Viele Betriebsleiterpaare haben schwer zu tragen. Sie fühlen sich überlastet, überanstrengt, manche auch überfordert. Gedanken von Melanie Suttarp, top agrar

Wie heißt es im Volksmund? „Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“ Im Falle von Landwirtinnen und Landwirten sind es ziemlich viele – das veranschaulicht nicht nur das Titelbild der neuen top agrar 1/2020, sondern auch der Beitrag „Zu viel zu tun“. Die Folge: Viele Betriebsleiterpaare haben schwer zu tragen. Sie fühlen sich überlastet, überanstrengt, manche auch überfordert.

Aber, warum werden Kräfte und Ressourcen bei etlichen Bauern knapp? Dahinter steckt zunächst etwas sehr Bewundernswertes: Viele Landwirte und Landwirtinnen üben ihren Beruf mit Leib und Seele aus. Die Verantwortung für Haus und Hof, Vieh und Felder empfinden sie als bindend. Aufgaben abzugeben, auch mal fünfe gerade sein zu lassen, fällt ihnen schwer. Über ein ähnlich hohes Arbeitsethos und das gleiche Maß an Pflichtgefühl verfügen vermutlich nur wenige andere Berufsgruppen. Das ist auch notwendig. Denn ohne diese Qualitäten könnten Bauern keine Tiere halten, Höfe übergeben und Wälder für die übernächste Generation bewahren.

Gleichzeitig wird es auf vielen Ebenen immer mehr. Strengere Auflagen, mehr Dokumentation, viel zu viel Arbeit im Büro. All das geht zulasten der Zeit für die Familie, für eigene Hobbys und Interessen, für sich selbst.

Die Crux an der Sache: Wer ständig an seine Belastungsgrenze stößt oder sie sogar überschreitet, der zehrt an den eigenen körperlichen und seelischen Kräften. Der ist gereizt, unruhig und ungeduldig. Außerdem liefert er womöglich schlechtere Arbeitsergebnisse, macht Flüchtigkeitsfehler oder bringt Dinge durcheinander.

Dass es Strategien gegen die Dauerbelastung gibt, zeigten unsere Gespräche mit Landwirtinnen und Landwirten sowie Beratern: Eine zusätzliche Kraft fürs Büro, ein Hobby als Gegenpol, ein guter Plan(er) oder die heilige Urlaubswoche.

Immerhin pflegten Bauernfamilien schon früher eine Kultur des Feierabends. Sie wussten sehr genau, wann es zu arbeiten und wann es sich auszuruhen galt. Dass man Mittagsschlaf halten, auch mal die Beine hochlegen und nichts tun darf. Oder: Wie viel Freude es bereitet, sich beim Dorffest unter die Leute zu mischen.

Nicht nur der Blick zurück, auch etwas anderes gibt zu denken: Wenn schon meine Generation, nämlich die der Mittzwanziger, danach lechzt, ein „achtsames“, entschleunigtes Leben zu führen, dann darf man das in den mittleren und fortgeschrittenen Jahren doch erst recht! Also: Gönnen Sie sich mal ’ne Pause!

Im Namen der Redaktion wünsche ich Ihnen, liebe Leser, dass Ihre Päckchen nicht zu schwer werden. Finden Sie Zeit zum Luftholen. In diesem Sinne geruhsame Feiertage im Kreise Ihrer Lieben!

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Wir würden gerne abschalten, aber die Ungerechtigkeiten gegen die Bauern, lässt nicht gerade.....

schöne Weihnachtsstimmung aufkommen! Gewiss hat man Momente mit der Familie und dem Vieh, wo man sich auf das Wesentliche besinnt, denn das Unheil ist noch etwas weg. Wir von der LSV, werden nicht müde, den Finger in die Wunde zu legen, und das ist gut so! Man sinniert zwischen Tagen, ob man noch in der richtigen Spur ist, bei all den Eindrücken, die einen so entgegengebracht werden. Der Zusammenhalt in unserem Berufsstand ist unsere beste Waffe, im Kampf gegen diese Ungerechtigkeit! Ich wünsche allen eine besinnliche Weihnachtszeit im Kreise der Familie, die unser größter Schatz ist!

von Gerd Uken

@Spiessl

Glyphosat wird nicht verboten?? Het College voor de toelating van Gewasbeschermingsmiddelen en Biociden (Ctgb) heeft van één glyfosaatmiddel (Kyleo) de toelating ingetrokken en van een tweede glyfosaatmiddel (Etna Next) de toelating sterk ingeperkt Da sehen unsere Nachbarn ein Problem- der Formulierungshilfstoff wird verboten Kyleo hat als zweiten Wirkstoff noch 2,4D! In NL bislang zugelassen jetzt nicht mehr......

von Hans Spießl

Viele Bauern versklaven sich doch selber

wenn ich jetzt so mehr als 30 Jahren an meine Ausbildungszeit, Fachschulzeit zurückdenke muß ich leider Feststellen das gerade die Leute die das gemacht haben was uns damals von den Staatsdienern so als Richtig dargestellt wurde für viele sich als Falle erwiesen hatte. Kredite, Pachten...... immer schön den Grenznutzen lang. aber ich sehe kein Ende dieser Entwicklung Pachten von 1000 Euro/ha werden ja heute noch geboten. Maschinen die nur noch geleast werden weil kein Geld mehr für Kauf....... Aber es gibt eine kleine gute Entwicklung die wenigstens nur wenige Euro/ha einsparung erhalten kann - ist im Verhältnis zwar wenig. Glyphosat wird wahrscheinlich nicht verboten werden es bleibt. Monsanto wurde ja von Bayer gekauft wurde uns beigebracht, aber wer hat Monsanto wirklich gekauft? es ist die Bundesbank mit Gelder der EZB, als Steuergelder der Staat. Dazu empfehle ich den Sender RT deutsch. eine Journalistin Gaby Weber hat dies ermittelt. Sie wird höchstwahrscheinlich mit dem Black Rock Weber (CDU) nix zu tun haben. Die Gen Technik mit Gen veränderten Pflanzen wird neben großflächigen hoch subventionierten Bio Anbau die Zukunft in Europa werden - eine Landwirtschaft die von den Nieten in den agrar Konzernen leicht durchzuführen ist.

von Egge Mansholt

Geht mir auch oft so.

Dann wird einfach mal zwischen den Melkzeiten blau gemacht. Man hat allerdings meistens ein schlechtes Gewissen dabei.

von Gerd Uken

Früher war alles anders

Heute ist das positive wenn sich unsere Kinder außerhalb der Landwirtschaft bei einem Betrieb vorstellen , dann haben sie schon einen Bonuspunkt, eben weil sie aus der Landwirtschaft kommen. Es sind keine“ Theoretiker“ haben früh gelernt mit anzufassen und sind belastbarer. Ändert aber nichts an der Tatsache das wir 60 std. Woche haben, keinen geregelten Feierabend und Urlaub, kein 13 Monatsgehalt..... Wir sind Landwirte aus Leidenschaft, lieben unsere Tiere und werden immer wieder an den Pranger gestellt.....und wenn man das Jahr 2019 Revue passieren lässt dann fragt man sich für wen eigentlich? Das einzige was stabil war dieses Jahr- der Milchpreis u. dann muss eine Ministerin auch uns noch vorwerfen wir würden mit 114€ Steuergeldern unterstützt! Die legt bestimmt die Füße hoch do wir in den Stall gehen damit sie auch morgen noch viel zu billige Lebensmittel genießen kann. Frohes Fest!!

von Bernd Müller

Sehr guter Kommentar

Es ist im Moment bei den vielen Herausforderungen zwar schwer abzuschalten, aber gerade dann ist es besonders wichtig. Das kann ich nur aus eigener Erfahrung bestätigen. Es hilft vor allem, wenn man sich im Urlaub oder auch beim Hobby mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Diese Freiräume müssen im täglichen Leben auch gesetzt sein. Kurzfristig geht es auch mal ohne aber langfristig funktioniert es nicht. Nur wer den Kopf zwischendurch frei bekommt ist auch offen für Änderungen und Innovationen. Wenn das nicht mehr geht, sollte man sich Gedanken darüber machen, ob der eingeschlagene Weg noch richtig ist oder man grundsätzlich etwas ändern sollte. Dazu kann auch die Aufgabe des Betriebes gehören. Die Entscheidung ist natürlich nicht einfach, aber vielleicht auch ein Ausweg. Muss aber nicht sein! Vielleicht auch mal über Alternativen innerhalb des Betriebes nachdenken. Aber: für alle Überlegungen braucht es Freiraum.

von Bernd Müller

Sehr guter Kommentar

Es ist im Moment bei den vielen Herausforderungen zwar schwer abzuschalten, aber gerade dann ist es besonders wichtig. Das kann ich nur aus eigener Erfahrung bestätigen. Es hilft vor allem, wenn man sich im Urlaub oder auch beim Hobby mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Diese Freiräume müssen im täglichen Leben auch gesetzt sein. Kurzfristig geht es auch mal ohne aber langfristig funktioniert es nicht. Nur wer den Kopf zwischendurch frei bekommt ist auch offen für Änderungen und Innovationen. Wenn das nicht mehr geht, sollte man sich Gedanken darüber machen, ob der eingeschlagene Weg noch richtig ist oder man grundsätzlich etwas ändern sollte. Dazu kann auch die Aufgabe des Betriebes gehören. Die Entscheidung ist natürlich nicht einfach, aber vielleicht auch ein Ausweg. Muss aber nicht sein! Vielleicht auch mal über Alternativen innerhalb des Betriebes nachdenken. Aber: für alle Überlegungen braucht es Freiraum.

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