Ernährungsverhalten

Halbierung des Fleischkonsums bringt kaum etwas

Aussagen wie „Besser essen fürs Klima“ oder „Klimawandel auf dem Teller“ bestimmen immer häufiger die Schlagzeilen. Aber ist es wirklich so einfach? Ein genauer Blick lohne sich, meint der VDF.

Die Deutschen haben ihr Ernährungsverhalten in den letzten Jahren stark verändert. Essen ist nicht mehr bloße Nahrungsaufnahme oder Nährstoffversorgung. Immer mehr Menschen fühlen sich von Ernährungstrends angesprochen und identifizieren sich mit den damit verbundenen Lebensstilen, sagt der Verband der Fleischwirtschaft e.V. (VDF). Umweltschützer fordern, die Deutschen sollten ihren Fleischkonsum halbieren und die Tierbestände abbauen, um die angestrebten Klimaziele noch zu erreichen. Als Hauptargument stütze sie sich auf die Aussage der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) aus dem Jahr 2006, die Nutztierhaltung erzeuge weltweit mehr Treibhausgase als der Verkehrssektor.

Vergleich von Nutztieren und Verkehr stark verzerrt

Die Studie berücksichtige bei der Tierhaltung eine umfassende Ökobilanz, also sowohl direkte als auch indirekte Emissionen. Düngemittelproduktion, Futtermittelanbau sowie die Umwandlung von Wäldern in Weiden wurden in die Berechnung mit einbezogen. Beim Verkehr berücksichtigte die FAO jedoch nur die Abgase von fertigen Autos, Zügen und Flugzeugen. Die Auswirkungen der Herstellung von Fahrzeugmaterialien, Instandhaltung von Straßen usw. wurden ignoriert. Der Vergleich der Treibhausgasemissionen von Nutztieren mit denen des Verkehrs wäre somit stark verzerrt. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zwischenzeit durch die FAO korrigiert.

Polarisiert und stark vereinfacht

Deutlich werde, die Aussage, mit der Halbierung des Fleischkonsums könne man die Klimaziele erreichen, ist schnell getätigt. "Sie polarisiert und ist stark vereinfacht", sagt der VDF. Und sie bleibe in den Köpfen hängen. Die richtigen Fragen, die sich an diese Aussage anschließen, habe die Landwirtschaftskammer Niedersachsen gestellt und beantwortet: Wie viel würde die Halbierung des Fleischkonsums zum Erreichen des Klimaziels denn überhaupt beitragen? Und wie sieht es im Vergleich zu anderen Bereichen aus?

Halbierung des Fleischkonsums mit nur geringen Effekt

Eine Halbierung des Fleischkonsums, wie im Fleischatlas 2018 empfohlen, würde Deutschland dem Klimaziel um etwa einen Prozentpunkt näherbringen. Dabei sei noch nicht berücksichtigt, dass ein geringerer Fleischkonsum einen Anstieg des pflanzlichen Nahrungsmittelbedarfs und der daraus resultierenden Emissionen mit sich bringen würde.

Auch die University of California komme mit einer Studie zu einem ähnlichen Ergebnis: Ein fleischfreier Montag von allen Amerikanern würde eine Reduzierung von nur 0,5 % der amerikanischen Treibhausgasemissionen ergeben. Im Gegensatz dazu würden Veränderungen in den Bereichen Technik, Genetik und Management die Nutztierhaltung weniger treibhausintensiv gestalten. Dafür spreche, dass laut FAO-Statistiken die direkten Treibhausgasemissionen der US-Viehhaltung seit 1961 um 11,3 % zurückgegangen sind, während sich die Produktion von Fleisch von Nutztieren mehr als verdoppelt hat. Fazit: Es sei wichtiger das Vorhandene zu optimieren, als grundsätzlich darauf zu verzichten.

Es gibt nicht nur schwarz und weiß

Klar sei, dass der landwirtschaftliche Sektor durch eine klimaeffiziente Produktion einen Beitrag zur Verringerung der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen leisten kann. Es gebe aber auch andere Maßnahmen, die z. T. einen wirkungsvolleren Beitrag zum Erreichen des deutschen Klimaziels leisten. Wichtig sei, dass alle Maßnahmen objektiv wahrgenommen und beurteilt werden. Es sei nicht alles schwarz und weiß. „Es lohnt sich, die Fakten differenziert zu betrachten und zu vergleichen.“, so der VDF.

Flugreisen sind klimaschädlicher

Wer sein persönliches Verhalten klimafreundlicher gestalten möchte, kann dies besonders effektiv im Energie- und Mobilitätsbereich erreichen. So könne mit einem Verzicht auf eine Flugreise eine große Menge klimaschädlicher Gase eingespart werden, so der Verband. Laut CO2-Rechner des Umweltbundesamtes werden für eine Flugreise von Köln nach Mallorca 0,85 t CO2-Äquivalent pro Person fällig. Mit einer kompletten Umstellung der Ernährungsweise auf vegetarisch erreicht man jedoch lediglich eine Einsparung von 0,35 bis 0,45 t CO2-Äqivalent (je nach Körpergewicht) und das auf ein ganzes Jahr gerechnet. Um dasselbe Klimaziel wie beim Verzicht auf einen Mallorca-Urlaub zu bewirken, müsse man sich somit mindestens zwei Jahre lang vegetarisch ernähren.


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Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Claus Mahnken

Weniger Fleisch rettet das Klima

Die Argumente in diesem Artikel sind faktisch richtig und treffen den Kern. Ich habe vor Wochen zufällig in einer örtlichen Szenezeitschrift ,die Hauptsächlich von grünen Gutmenschen,alternativen Ernährungskünstlern und Greta-Jüngern gelesen wird , einen Beitrag über Klimawandel,Massentierhaltung und Fleischkonsum gelesen.. Eine Schülerin wurde im Unterricht von ihrer Lehrerin über die erheblichen Auswirkung der Massentierhaltung auf den Klimawandel aufgeklärt. Ich habe daraufhin Kontakt zum Herausgeber dieser Zeitschrift aufgenommen. Durch Fakten und Erklärung von Zusammenhängen konnte ich ihm zeigen das die Lehrerin mit ihrer Lehre falsch lag. Der Herausgeber der Zeitschrift bemühte sich meine Zahlen zu widerlegen,dies gelang ihm nicht. Wir verständigten uns .Ich bekam einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema. Wir Landwirte dürfen uns von solchen gesteuerten Falschmeldungen nicht unterkriegen lassen. Deshalb Landwirte informiert Euch ,diskutiert,schreibt ,wehrt Euch. herausgeber

von Gerhard Steffek

Vergleiche!!!

Wenn man schon dabei ist zu vergleichen, dann aber bitte auch richtig. So gut dieser Artikel ist, besser geht immer. Wenn man schon bringt, daß in den USA die Produktion von Fleisch sich seit den 60er Jahren verdoppelt hat, dann würde es nicht schaden auch auf die Bevölkerungsentwicklung hinzuweisen. Denn, warum hat sich die Produktion verdoppelt, wäre da auch noch einzuwenden. Dazu reicht dann ein Blick auf Wikipedia und der Liste von Staaten und Territorien nach Bevölkerungsentwicklung (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Staaten_und_Territorien_nach_Bev%C3%B6lkerungsentwicklung). Da kommt klar zum Ausdruck das sich seit den 50er Jahren die Bevölkerung in den USA auch verdoppelt hat. Betrachtet man nun die Entwicklung hinsichtlich der CO2-Bilanz, dann wird erst recht deutlich, wie effektiv die heutige Landwirtschaft im Bezug auf CO2-Einsparungen ist. In Relation, sind es dann nämlich nicht nur 11,3 %! Ähnlich wäre ein anderer Vergleich bei uns in Deutschland. Um 1900 gab eine Kuh ca. 4 ltr. Milch am Tag, heute sind es ca. 30 ltr. Um 1900 lebten in DE auf einer erheblich größeren Fläche 56 Mio. Menschen, heute sind es auf der kleineren Fläche 83 Mio. Wieviele Kühe würde es brauchen, gäbe die heutige Kuh auch nur 4 ltr Milch am Tag? Das größte Problem an der ganzen Geschichte ist nicht das einzelne Rindvieh, sondern der Mensch, der sich zu solch einem macht.

von Anton Obermeier

Sehr guter Artikel,

wird aber leider nur hier gelesen. Keine Zeitung würde den Artikel abdrucken, kein Radio- oder Fernsehsender eine Meldung darüber bringen. Fakten interessieren doch schon lange nicht mehr, Hauptsache die grüne Propaganda wird befeuert bis das Land vor die Hunde geht.

von Reinhard Schnell

Sehr guter Artikel

Vielen Dank Frau Lenfers für Ihren Artikel!!! Schreiben Sie noch mehr davon, und stellen Sie so manche "Schwarz-Weiß" gemachten Behauptungen in eine richtiges Licht. Danke!!!

von Josef Doll

Vegan ist hipp

Und es lässt sich jetzt "super" Werbung damit machen. Ist es nicht ein "Super" Gefühl das durch " MICH " jetzt kein Tier sterben mußte ?? !! Ach ja und das Klima rettet es auch noch. 3 zu Null für die NGO;s und ihrer Lobbypartei --------- DIe GRÜNEN .

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