WLV-Kreisverbandstag Schwerte

Prof. Balmann: Strukturwandel hält an, Druck wird noch steigen

Prof. Dr. Alfons Balmann prognostiziert einen verstärkten Strukturwandel. Die Margen würden dauerhaft gering bleiben und der Wettbewerbs- und Leistungsdruck steige permanent.

Hat unsere Landwirtschaft noch eine Zukunft? Diese Frage führte vergangenen Donnerstag rund 450 Bauern zum diesjährigen Kreisverbandstag nach Schwerte, zu dem der Landwirtschaftliche Kreisverband Ennepe-Ruhr/Hagen gemeinsam mit seinem Nachbarkreisverband Ruhr-Lippe eingeladen hatte.

„Kann eine junge Frau, ein junger Mann derzeit überhaupt noch einen Hof übernehmen ohne dabei die eigene Zukunft in eine Sackgasse zu führen?“, fragte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Dirk Kalthaus laut Pressemitteilung des WLV.

Unter der Moderation des stellvertretenden Chefredakteurs des Landwirtschaftlichen Wochenblattes, Patrick Liste, hätten Fachleute und Betroffene versucht, Antworten zu finden. Prof. Dr. Alfons Balmann vom Leibniz Institut für Agrarentwicklung prognostizierte einen verstärkten Strukturwandel. Die Margen würden dauerhaft gering bleiben und der Wettbewerbs- und Leistungsdruck in der Landwirtschaft steige permanent, zitiert der WLV den Agrarier.

Balmann: Ausstieg als Perspektive?

Laut Balmann hat die Landwirtschaft Zukunft, man müsse sich allerdings von der Idee der Hofnachfolge möglicherweise besser verabschieden. Der gesellschaftliche Druck sei nicht abzuwenden, machte der Wissenschaftler laut Zusammenfassung der Veranstaltung im Wochenblatt deutlich. Doch nicht nur die Forderungen nach mehr Tierwohl, Klimaschutz und Biodiversität sind seiner Meinung nach starke Treiber des Wandels. Auch neue digitale Technik und eine veränderte Arbeitswelt wirkten auf den Agrarbereich ein.

Balmann berichtete den Zuhörern, dass Landwirtschaft zunehmend auf Lohnarbeit basiere. Beispielsweise kämen in Niedersachsen bereits 45 % der Arbeitskräfte von extern – in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen seien die Zahlen mit 80 % noch viel höher, so das Wochenblatt weiter. Mit Blick auf die demografische Entwicklung zeichne sich dem Experten zufolge zudem ein starker Fachkräftemangel in der Branche ab.

Wie das Wochenblatt weiter zitiert, stünden zukünftige Betriebsleiter immer mehr unter Druck. Betriebsübernahmen seien Langfristentscheidungen, von Planungssicherheit lasse sich mit Blick auf eine „schizophrene Gesellschaft“, die das eine fordert, aber das andere kauft, derzeit nicht sprechen. Auch steige die Kapitalintensität der Betriebe, die Margen zögen aber nicht mit. Dazu komme neue Landtechnik und Anforderungen in Sachen Kommunikation. Diesem Druck müsse der Landwirt auch persönlich standhalten, so Balmann. Daher sei es in Ordnung, wenn dies nicht jeder mitgehen könne.

Der Wissenschaftler plädiert daher dafür, zwischen dem Beruf Landwirt und der Hofnachfolge zu unterscheiden. Wo er für ersteren eine klare Perspektive sieht, geht er bei der Betriebsübernahme gar einen Schritt weiter: „Wir schaffen enorme Anreize, Betriebe weiterzuführen, die eigentlich nicht rentabel sind – unter anderem durch die starke Förderung der ersten Hektare oder die Hofnachfolgeprämie.“

Laut Wochenblatt lenkte er den Blick darauf, dass Hofnachfolge auch bedeuten könne, aus der Landwirtschaft auszusteigen. Selbst wenn jeder zweite Betrieb nicht übergeben wird, würde es keine Strukturbrüche oder Ernährungsknappheit nach sich ziehen, war er sicher.

Pfiffige Ideen gefragt

Eva Piepenbrock vom Magazin „f3 Food, Farm, Future“ berichtete laut WLV-Pressemitteilung anschließend über ungewöhnliche Wege von Landwirten. Sie stellte verschiedene Startups mit interessanten Ideen vor. So berichtete sie beispielweise von einer Landwirtin, die in den Anbau von Süßlupinen und die Vermarktung der daraus erzeugten Produkte wie Lupinen-Kaffe, Lupinen-Mehl oder Lupinen- Aufstriche eingestiegen sei.

Der heimische Junglandwirt Lukas Born, der in Breckerfeld gemeinsam mit seinem Bruder einen Hof mit Milchkühen bewirtschaftet, sagte: „Die Politik nimmt uns jungen Landwirten mit Verordnungen, die sich am Mainstream und nicht an wissenschaftlichen Fakten orientieren, jegliche Planungssicherheit.“

Sein Herz und das seines Bruders schlage für die Kühe, gerne würden sie in den Stallbau investieren. Beide erhofften sich damit auf Dauer ein Auskommen in der Landwirtschaft. In einem neuen Stall könne man effektiver arbeiten und man könne ihn nach neuen wissenschaftlichen Tierwohlkriterien ausrichten. Aktuell aber hätten viele junge Landwirte Angst zu investieren, weil keiner wisse, ob die Gesetze von heute, nach denen man einen Stall baue, auch morgen noch gelten würden, sagte der junge engagierte Landwirt.

Nach der Podiumsdiskussion konnten sich die Landwirte noch über ein Grußwort der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach, freuen, so der WLV weiter. „Landwirtschaftspolitik in NRW muss auf Wertschöpfung und auf Wertschätzung basieren, den wir wollen die Landwirtschaft in NRW halten“, sagte sie.

Das Schlusswort hielt der neue, seit zehn Tagen im Amt stehende, westfälische Bauernpräsident Hubertus Beringmeier. Landwirtschaft braucht eine Zukunft und zwar eine lebenswerte“, sagte er. 2020 werde für die Landwirte ein richtungs-weisendes Jahr. Er appellierte an die jungen Landwirtinnen und Landwirte: „Ihr seid die wichtigsten, wenn es um die Zukunft geht, ihr müsst aktiv mitentscheiden. Lasst uns gemeinsam überlegen, wie es weitergehen soll und kann.“

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