„Land schafft Verbindung“-Demo

500 Bauern demonstrieren in Mainz; 600 Trecker in Leer

In Mainz demonstrieren 500 Landwirte von "Land schafft Verbindung" für mehr Wertschätzung und gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. In Leer werden unterdessen 600 Trecker erwartet.

Die Organisationsgruppe aus Rheinland-Pfalz von „Land schafft Verbindung“ veranstaltet heute in Mainz eine Demonstration. Die Bauern wollen Präsenz zeigen, da die Politiker aus Brüssel und Berlin immer wieder auf die Landesregierungen verweisen würden, wenn es z.B. um das Thema Nitratmessstellen und „rote Gebiete“ geht. Die Initiative will daher weiter für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum kämpfen, wie es in der Ankündigung heißt. Man sei gesprächsbereit, erwarte aber auch Antworten.

Bereits am Morgen rollten die ersten Traktoren in die Stadt, meldet der SWR. Nach Angaben der Polizei verlief die Anreise unproblematisch. Der Vormittag sei ruhig verlaufen. Man habe keine Straßen sperren müssen. Die Lage sei entspannt, sagte ein Polizei-Sprecher vor Ort. Er schätze, dass etwa 500 Demonstranten in Mainz seien.

"Wir wollen in Sichtweite von Landtag, Staatskanzlei und Umweltministerium Flagge zeigen", sagte ein Sprecher der Initiative "Land schafft Verbindung". Die drei Regierungsfraktionen SPD, FDP und Grüne sowie die CDU-Fraktion seien zu Gesprächen eingeladen worden.

Am Dienstag hatten sich nach Angaben der Landwirte bereits etwa 200 Traktoren von Alzey auf den Weg nach Mainz gemacht, um über die Theodor-Heuss-Brücke nach Wiesbaden zu fahren. In der Innenstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen und Staus. Zu der Kundgebung in Wiesbaden kamen laut Polizei etwa 2.500 Landwirte mit etwa 1.000 Traktoren.

Leer: Landwirte wollen wieder demonstrieren

Mit einer Demonstration und einer Mahnwache wollen auch Landwirte aus Ostfriesland und dem Ammerland am Abend in Leer erneut auf ihre Situation aufmerksam machen. Anlass ist ein Mittelstandstreffen der Wirtschaftsvereinigung Ems-Achse zu dem auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) erwartet wird.

Laut der Osnabrücker Zeitung werden 600 Trecker erwartet. Die Kundgebung um 19 Uhr findet auf dem Gelände des Vereins Ostfriesischer Stammtierzüchter (VOST) auf der Nesse statt. Eine Mahnwache ist vor dem Maritimen Kompetenzzentrum (Mariko) angekündigt. Hier sind allerdings nur 15 Traktoren zugelassen, um die Zufahrt zum Krankenhaus freizuhalten.

Aus Wardenburg schickte uns ein top agrar Leser dieses Bild:

Protest in Wardenburg (Bildquelle: top agrar-Leser)

-------------

Als Forderungen nennt LsV RLP:

  • Wir wollen Landwirtschaft verändern und zukunftsfähig erhalten, brauchen aber dafür eine faire, fachliche und sachbezogene Grundlage ohne rein ideologische Vorgaben
  • Nitratmessnetz: Von der EU gerügt, von Berlin weitergeleitet stehen wir nun hier, wo das „Grundübel“ startete: das „Belastungsmessnetz Landwirtschaft“ ist mit seiner geringen Messstellendichte nicht repräsentativ, zahlreiche Messpunkte (43 %) liegen in nicht landwirtschaftlich genutzten Gebieten, wir brauchen die Nutzung von viel mehr Messstellen, um eine sachbezogene Binnendifferenzierung gewährleisten zu können
  • Abbau von Bürokratie, vor allem in Bereichen der betrieblichen Weiterentwicklung
  • das gesellschaftliche Miteinander: durch bewusste Negativdarstellungen in Medien, Politik und NGOs haben viele Verbraucher den Bezug und den Glauben an eine nachhaltige Landwirtschaft verloren. Wir wollen kommunizieren, wie nachhaltig wir bisher schon produzierten und welchen Beitrag wir völlig kostenfrei für den Erhalt der Kulturlandschaft erbringen.
  • Mercosur- und andere Außenhandelsabkommen: Wir erzeugen nachhaltig. Wo bleibt die Nachhaltigkeit, wenn Fleisch aus nicht kontrollierbarer Aufzucht, mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefütterter Tiere, vom anderen Ende der Welt importiert werden muss, um den Bedarf zu decken?

Die Redaktion empfiehlt

Auf der "Land schafft Verbindung" Demo am Dienstag in Wiesbaden lobte Hessens Agrarministerin Priska Hinz (Grüne) ihre Politik und schob die Verantwortung für Missstände nach Brüssel und Berlin.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Wilhelm Grimm

@ Toft und Gruber.

Es geht um mehr als die Existenz ! Die wollen an unsere Flächen, un unser Eigentum . Früher war es der Adel, heute der NABU und seine Gleichgesinnten. Das ist noch viel schlimmer !!!

von Karlheinz Gruber

Wann besetzen wir die Flanken

nämlich die Informationsflanken. Der Verbraucher weiß noch immer nicht genau um was es eigentlich geht. Vor allem deshalb nicht, weil die Medien es nicht bringen, oder Falschmeldungen generieren. Und die Regierung wird auch nicht in die Gänge kommen, solange das Volk eine andere Landwirtschaft will. Und die wollen sie, weil sie nicht richtig aufgeklärt worden sind. Und hier sollten endlich mal die Verbände in die Gänge kommen. Ich habe versucht als Privatperson in Passau einen Infostand genehmigen zu lassen um hier mit dem Verbraucher ins Gespräch zu kommen. Info geht nicht, weil das nur Verbände und Vereine/ Institutionen können. Also dann eben eine Demo anmelden. Aber auf einer Demo darf nicht die Information und Infomaterialien in Vordergrund stehen. Will man dann über die Produktion in der LDW aufklären, dann ist es eine Werbeveranstaltung und die kostet Geld. Also als Privatperson gescheitert. Dafür sind aber vor Weihnachten 2 Veranstaltungen von Tierschützern genehmigt. Einmal gegen Tiere im Circus und einmal von einer Tierschutzorganisation gegen Tierhaltung? Die Kunstblutaktion wurde aber nicht genehmigt. Also, wo ist der Verband der hier Flankierend endlich mal greifen könnte? … Nur wer den Verbraucher und seine Meinung hat, hat gewonnen. Nur nach dem richten sich die Machtpolitiker...

von Willy Toft

Wir haben es uns viel zu lange gefallen lassen, was uns jedes Jahr neu übergestülpt wurde!

Wir sagen "Stop"! Bis hierher und nicht weiter, wir sind nicht gegen die Natur, Tierschutz oder machbare Auflagen, wenn eine entsprechender Ausgleich erfolgt! Sich aber als Regierung hinzustellen, und behaupten, das der Produktpreis steigt, wenn wir nur alle "Forderungen" erfüllen, ist schon realitätsfern! Wir konkurieren stets mit dem Weltmarkt, und da wird die Messlatte nicht so hoch gehängt! Wir haben stets die hohen Auflagen und Vorgaben zu erbringen, was nicht gerade unerheblich hier in Europa, und speziell in DE zu Buche schlägt! Die Erfahrung zeigt, selbst bei allen Labels und Programmen für mehr Qualität, dass sich der Verbraucher immer wieder im gleichen Muster bewegt, und stets das Billigste wählt! Die Summe dieser Verhaltensmuster, von NGO, Regierung, dem Markt und dem Verbraucherverhalten, bringt hier die Landwirtschaft an den Rand der Verzweifelung, denn es geht schon um die Existenz der Betriebe hier!

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen