Naturschützer warnt vor Verbreitung genmanipulierter Bakterien

Von dem „größten Fall einer unkontrollierten Verbreitung von nicht zugelassenen Gentechnik-Organismen in der Geschichte der EU“ spricht der gentechnikkritische Verein Testbiotech.

Christoph Then (Bildquelle: ARD-Tagesschau)

Christoph Then von Testbiotech behauptet, in vielen Futtermitteln befinde sich ein Zusatzstoff mit lebensfähigen Bakterien, die mit vier Resistenzen gegen Antibiotika ausgestattet seien. Drei davon wurden mit Hilfe von Gentechnik in das Erbgut eingeschleust. Selbst die Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA soll bei diesen Futtermitteln ein Risiko „für Verbraucher, Anwender und die Umwelt“ sehen.

Im September 2018 ordnete die EU-Kommission an, dass die betroffenen Futtermittel bis zum 10. November vom Markt genommen werden müssen – allerdings mit einer Übergangsfrist bis Mitte 2019, erklärt Testbiotech weiter. „Diese Bakterien hatten die Möglichkeit, sich über Jahre in den Tierställen auszubreiten und ihre Resistenzen an andere, gesundheitsgefährdende Keime weiterzugeben“, sagt Christoph Then für Testbiotech. „Es handelt sich um eine nicht genehmigte, massenhafte Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen. Diese hätte ohne Verzug gestoppt werden müssen.“

Der wohl in China hergestellte und jetzt erst ins Visier geratene Zusatzstoff wird in der EU über eine große Futtermittelfirma vertrieben. Die Gentechnik-Bakterien sollen den Futtermittelzusatzstoff Vitamin B2 produzieren (Riboflavin). Es gibt viele natürliche Quellen für Riboflavin, allerdings setzt die Massentierhaltung zunehmend auf Zusatzstoffe aus gentechnischer Produktion. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat bereits viele weitere, ähnliche Präparate zugelassen. Derartige Stoffe dürfen Futtermitteln nur dann zugesetzt werden, wenn sie keine Spuren der Bakterien mehr enthalten.

Die speziellen Futtermittelzusatzstoffe wurden 2014 von der EFSA für sicher erklärt, nach den Unterlagen der Industrie sollten sie keinerlei lebensfähige gentechnisch veränderte Keime enthalten. Doch im gleichen Jahr lagen auch erste Berichte aus Belgien über die Keime vor. Im Oktober 2016 stellten dann Experten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeinsam mit anderen EU-Behörden fest, dass die betroffenen Futtermittel nicht hätten verkauft werden dürfen. Laut Then wurden aber keine Maßnahmen ergriffen, die Futtermittel vom Markt zu nehmen. Stattdessen verlangte die EU-Kommission 2016 von der EFSA eine Neubewertung der Futtermittelzusatzstoffe.

Die EU-Behörde veröffentlichte ihr Gutachten erst im März 2018. Aus diesem gehe hervor, dass von den Gentechnik-Keimen tatsächlich ein erhebliches Risiko ausgeht. „Es ist äußerst besorgniserregend, dass gerade diese Information nach dem Willen der EU-Kommission in Zukunft geheim gehalten werden soll. Sie hat entsprechende Regelungen in eine Neufassung der Verordnung 178/2002 über die Lebensmittelsicherheit eingefügt, über die im Dezember im Europäischen Parlament abgestimmt werden soll“, sagt Christoph Then.

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Da fletscht aber einer die Zähne !

Gelassenheit ist besser für die Gesundheit.

von Erwin Schmidbauer

Schönes Beispiel

Hier erkennt man wieder einmal, das die Realität sehr leicht und sehr schnell alle Zulassungsbescheide und sonstiges Geschriebenes aus den Behörden über den Haufen werfen kann. Woran erkennt man einen Lügner: Wenn er behauptet, alles sei sicher! Denn gewisse Risiken gibt es immer. Entscheidend ist, ob wir diese Risiken in Kauf nehmen wollen. Jährlich sterben Menschen bei Flugzeugabstürzen. Trotzdem wird Fliegen nicht verboten und diese Risiken nehmen wir auch in Kauf.

von Gerald Hertel

Warum wird hier nicht Ross und Reiter genannt

von Jörg Meyer

Weiße und rote Gentechnik nun nicht mehr sicher?

da könne ja einem jetzt echt Zweifel kommen, ob rote und weiße Gentechnik noch sicher sind! Die Grünen hatten recht, dass jede Form von Gentechnik böse ist, wir sollten die künstliche Insulinproduktion sofort stoppen bei bei den Risiken und auf jedenfall mehr zu Weihnachten spenden! (Ironie aus) Vielleicht ist ein Fehler Gentechnik in Deutschland zu verbieten und das Zeug aus China zu importieren.......wenn es so weitergeht werden auch bald schlecht kontrollierte Lebensmittel aus anderen Ländern mehr zu uns kommen!

von Rudolf Rößle

Supergau

Gentechnik gehört verboten.

von Michael Behrens

Souveränitätsverlust!

So läuft das wenn immer mehr Souveränität an die zwielichtigen EU Kommission abgegeben wird! In Zukunft werden solche Skandale geheim gehalten, so will es die EU Kommission! Diese Kommission sind nicht demokratisch gewählt und einer der größte Lobbyisten Vereine der Welt! Aber keine Sorge, Die da Oben kümmern sich um alles!

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