Weidemilch wird zum Reizthema Plus

Das Projekt „Weideland Niedersachsen“ erhitzt die Gemüter. top agrar hat mit Initiatoren, Befürwortern und Gegnern gesprochen.

Heiko Holthusen aus Harrierwurp bei Brake lässt seine Kühe auf die Weide. Das macht er schon seit 30 Jahren. Er bewirtschaftet einen reinen Grünlandbetrieb in einer der größten zusammenhängenden Grünlandregionen Deutschlands, der Wesermarsch entlang der Unterweser und der Nordseeküste (siehe Seite R 10).

Weidehaltung ist dort nichts Besonderes, sie hat eine lange Tradition. Doch Heiko Holthusen praktiziert sie auch aus Überzeugung. „Es gibt nichts Schöneres, als morgens die Kühe auf die Weide zu lassen“, schwärmt er. Die Milch liefert Holthusen an ein spezielles Weidehaltungs-Programm seiner Molkerei.

Neues Weideland-Programm:

Der Trend in Deutschland geht jedoch eindeutig zur Stallhaltung. Um dem entgegenzuhalten, hat das Land Niedersachsen vor einem Jahr das Programm „Weideland Niedersachsen“ ins Leben gerufen. „Weidegang von Milchkühen trägt wesentlich zum positiven Image der Milchwirtschaft bei, diesen guten Ruf der Milchwirtschaft müssen wir erhalten“, sagt der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer.

Zum Auftakt des Programmes überreichte Meyer dem Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 228 500 €. Dieses soll Kriterien für ein Weidemilch-Label definieren und eine Vermarktungsstruktur aufbauen, um die regionalen Warenströme zu garantieren und besondere Leistungen wie eben die Weidehaltung zu honorieren.

Die Georg-August-Universität Göttingen ist ebenfalls an dem dreijährigen Projekt beteiligt. Sie bekommt 47 000 € für die Untersuchungen zur Vermarktung und zum Marketing. „Grünland ist für die Milchproduktion weiterhin unerlässlich, aber wir sehen immer weniger Kühe darauf“, erklärt Dr. Cord Stoyke vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium.

Weidekühe als Imageträger:

Grünland sei aber nicht nur ein Produktionsfaktor für die Landwirtschaft, son-dern erfülle vielfältige Aufgaben und Schutzfunktionen im Gewässer- und Klimaschutz, der Artenvielfalt und dem Erhalt regionaltypischer Landschaften. „Wenn nach dem Wegfall der Milchquote die Milchproduktion an den Gunststandorten ausgeweitet wird, müssen die Weidekühe als Imageträger erhalten bleiben.“

Landwirt Holthusen hat 240 solcher schwarz-weißen Imageträger auf der Weide: „Ich arbeite gerne vielseitig, nicht nur im Stall, auch in und mit der Natur.“ Er und seine Frau Heike haben außer der Milchviehhaltung noch Ferienwohnungen und die Pensionspferdeaufzucht auf Weiden als Standbeine. So haben sie regelmäßig Kontakt mit Menschen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen und keine Fachkenntnis haben. „Es wird viel über die Landwirtschaft geredet. Wir Landwirte müssen uns da noch viel mehr öffnen, unsere Betriebe zeigen und Wissen vermitteln“, wünscht er sich, „und unsere Wesermarsch ist nur deshalb so schön, weil wir sie als Kulturlandschaft bewirtschaften.“

Ähnlich sehen es Dr. Arno Krause, Geschäftsführer des Grünlandzentrums und Anne Francksen, die das Weidemilchprojekt koordiniert: „Wir möchten den Kommunikationsprozess rund um Weidehaltung und Weidemilch begleiten und möglichst breit akzeptierte Standards erarbeiten“, sagen sie.

Die Gesellschaft habe bestimmte Erwartungen, die...

Jetzt anmelden und sofort weiterlesen. Plus

Melden Sie sich an oder erstellen Sie ein kostenloses Konto und erhalten Sie Zugriff auf diesen und alle weiteren relevanten Beiträge sowie auf unsere exklusiven Newsletter. Testen Sie jetzt, ganz unverbindlich.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen