Kempten

Emotionales Bürgergespräch über Tierschutzverstöße in Bad Grönenbach

In Kempten trafen Tierrechtler von Soko Tierschutz in einer Diskussionsrunde auf Politiker aus dem bayerischen Landtag. Es ging um die Tierschutzverstöße auf einem Milchviehhof. Der BBV blieb fern.

Der Tierrechtsverein „Soko Tierschutz“ hatte am Wochenende nach Kempten zu einem Bürgergespräch geladen, um weitere Details zu ihren heimlichen Videoaufnahmen auf einem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach zu zeigen. Der Hof war nach Ausstrahlung einiger Szenen wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz in die Kritik geraten.

Der Bayerische Rundfunk war bei der Veranstaltung dabei und zählte rund 500 Besucher in der Halle. Diese hätten beim Abspielen der Videos teilweise nicht hinsehen können, andere weinten, so der Sender. Die anschließende Diskussion sei dann zwei Stunden sehr emotional geführt worden.

Auf dem Podium saßen Aktivisten von "Soko Tierschutz" sowie die Landtagsabgeordneten Dominik Spitzer (FDP), Gisela Sengel (Grüne), Leopold Herz (Freie Wähler) und Michael Edenhofer (ÖDP). Vertreter von CSU und Bauernverband hatten angeblich nicht teilnehmen wollen, heißt es.

Die Vertreter der Parteien forderten in Kempten alle mehr und intensivere Kontrollen, gerade von landwirtschaftlichen Großbetrieben. Die Kontrollen sollten dabei "wegen der Nähe" nicht von den Landratsämtern durchgeführt werden, sondern von einer höheren staatlichen Stelle mit weitreichenden Kompetenzen, die bis zur Betriebsschließung reichen sollten.

Leopold Herz von den Freien Wählern und Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Landtag erklärte, dass es einen Antrag gebe, der verstärkte Kontrollen für Höfe mit mehr als 500 Tieren vorsieht. Gisela Sengel (Grüne) gab der Staatsregierung und dem Bauernverband eine Mitschuld an dem aktuellen Tierschutzskandal. Deren Agrarpolitik in den letzten Jahren habe zu immer größeren Betrieben geführt. Sengel forderte für die Rinderhaltung eine ähnliche Überwachung wie bei Hühnergroßbetrieben.

Laut BR waren unter den Besuchern auch mehrere Landwirte, die sich gegen einen Generalverdacht gegen ihren Berufsstand wehrten. Unter ihnen soll es dann auch zum Schluss zu heftigen Protesten gekommen sein, als Friedrich Mülln von der "Soko Tierschutz" 5.000 Euro Belohnung auslobte für Beweise, dass männliche Kälber unter entsetzlichen Bedingungen getötet und entsorgt würden. Dies fordere zu einer "Hetzjagd gegen jeden Landwirt" auf, protestierten viele Anwesende, laut BR.

Neuer Vorwurf: War der Betrieb vorgewarnt?

Der Verein SOKO Tierschutz war unterdessen am Dienstag erneut im TV zu sehen, um einen neuen Vorwurf vorzutragen. So glauben die Tierrechtler in den Videos Indizien dafür gefunden zu haben, dass der Betrieb vor einer anstehenden Kontrolle vorgewarnt worden sein könnte.

Am Tag einer unangekündigten Prüfung habe es eine deutlich erhöhte Betriebsamkeit in der Krankenbucht des gefilmten Hofs gegeben, zitiert der BR Soko Tierschutz. Mitarbeiter hätten Futter und Stroh in die Bucht gebracht und ein totes und ein krankes Tier weggebracht.

Der Landrat des Landkreises Unterallgäu, Hans-Joachim Weirather, hält eine Warnung des Betriebs aus Kreisen des Veterinäramts für völlig abwegig. Dennoch soll er die Staatsanwaltschaft aufgefordert haben, den Vorwurf einer Vorabinformation bei Kontrollen zu prüfen. Für möglich hält es dagegen die Grünen-Politikerin Gisela Sengl.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Kurt Brauchle

Wo sind, waren

der Deutsche Tierschutzbund und andere gemässigte Tierschutzorganisationen? WOLLTEN oder durften sie nicht?

von Wilhelm Grimm

Mein persöhnlicher Eindruck nach vielen Jahren ist :

Die Tierhaltung in grösseren Beständen ist professioneller und tierfreundlicher als in kleinen Beständen. Das wird nicht immer so sein, aber meistens. so jedenfalls mein Eindruck.

von Dirk Rathmann

Wo war CSU und BBV

Ist wegducken richtig? War es wirklich so, dass CSU und BBV nicht kommen WOLLTEN? Dann war es falsch und wird als Schuldeingeständnis in der Öffentlichkeit (zu Recht?!) breit getreten.

von Reinhold Schmid

Mercosur kommt,

Putin baut seinen Agrarsektor aus, und China entwickelt sich in Afrika zu einem Agrargiganten. Bitte bringt uns mal von denen Bilder, Zahlen und Fakten.

von Hans Nagl

Lösungen???

Wir Bauern schimpfen auf die Tierschützer sie sind Spendensammler. Die Tierschützer werfen den Bauern Tierquälerei vor. Der Verbraucher isst dann zunehmend Vegan. Die Politik fordert Kontrollen und Bürokratie. Die Die EU Politik bringt dann mit Mercosur noch mehr billig Fleisch nach Europa, damit steigt der Druck auf die Rinderhalter weiter . Die Preise für Kälber werden weiter sinken damit auch der Tierschutz . Am Ende des Tages haben wir nur noch Großbetriebe und Kontrollöre. Nur mal so zum Nachdenken wie wäre die ganze Sache wenn 1. Kuh 3000 € Wert wäre und ein Kälb 1000€ das brächte mehr als alle Kontrollen.

von Gerhard Steffek

Wieder mal typisch -

das sich die grüne Sengl miteinmischt. Schließlich ist sie ja landwirtwirtschaftlich bewandert. Glaubt sie zumindest, da sie ja einen Gemüsebaubetrieb betreibt. Nun ja, mit ihrem Gehalt aus dem Landtag kann ich mir auch so ein "Hobby" leisten. Nichts anderes wird es sein. Dabei sollte sie aber zuerst einmal ihren Betrieb nachhaltig hinbringen. Aber das geht ja schließlich nicht, denn ohne Zufuhr an Nährstoffen von außen ist jeder Biobetrieb grundsätzlich nur Raubbau am Boden. Das Fatale ist, die Bioschiene verschweigt diese Lüge äußerst erfolgreich und kommuniziert dies auch noch gewinnbringend an die bar jeglicher landwirtschaftlichen Kenntisse, aber entsprechend ideologisierte Kundschaft, die bereitwillig diesem Irrsinn nachläuft und finanziert. So sehr die Mängel in der Tierhaltung zu verurteilen sind, so fragwürdig ist hier wieder der ganze Ablauf. Hier haben wir anscheinend wirklich wieder mittelalterliche Verhältnisse mit dem Pranger und entsprechenden Generalverdächtigungen. Andersherum kann man ja auch die Frage aufwerfen: wie sieht es denn aus mit dem widerrechtlichem Eindringen und Störung der Privatsphäre auf diesem Betrieb? Wie war das nochmal als Aldi seine Mitarbeiter in den Sozialräumen mit der Kamera "Überwachte"? Da war der Aufschrei groß. Ich möchte den "Katzen- oder Hundeliebhaber" sehen, der von der SOKO und Co. in seinem Haus entsprechend überwacht werden würde.

von Michael Behrens

Öffentliches Tribunal? Oder doch nur schnödes Gewinnstreben durch Mitglieder Werbung?

Eins vorweg, die Tierschutz Verstöße gehören konsequent verfolgt und bestraft, aber von einem Gericht! Mir scheint es so, das Soko Tierschutz das Tierleid nochmal und nochmal nutzt um neue Mitglieder zu werben. Zudem wird eine Podiumsveranstaltung gemacht um über diesen Betrieb zu berichten, da kann nur eine Vorverurteilung bei raus kommen.

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