Die faire Milch

Faire Milch des BDM in finanzieller Schieflage Premium

Nur mit einem Kunstgriff und dem Zuschuss von 1,8 Mio. € ist es dem BDM gelungen, „Die faire Milch“ vor der Überschuldung zu retten.

Die Zahlen sind ernüchternd und erschreckend zugleich: Der Jahresabschluss 2017 der DFM Vermarktungs GmbH, die den Geschäftsbetrieb von „Die faire Milch“ des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) hat, ist tiefrot. Die Verbindlichkeiten liegen bei 2,15 Mio. €, der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag bei 1,34 Mio. €.

Überschuldung mit Trick abgewendet

Besonders pikant: Die Verbindlichkeiten der DFM Vermarktungs GmbH gegenüber dem BDM sind im Jahr 2017 auf 1,8 Mio. € gestiegen. Im Vorjahr 2016 waren es noch 400.000 €, geht aus den Jahresabschlüssen im Bundesanzeiger hervor.

Dort ist auch schriftlich festgehalten, dass die Verantwortlichen die DFM nur über einen Kunstgriff, der gesetzlich erlaubt ist, vor der Überschuldung gerettet haben: „Zur Vermeidung/Beseitigung einer Überschuldung der Gesellschaft wurde eine Rangrücktrittsversicherung i.S.d. §39 Abs. 1 Nr. 5 InsO getroffen. Der Gläubiger verpflichtet sich darin, seine nachrangigen Forderungen gegenüber der Gesellschaft nur aus zukünftigen Gewinnen, aus einem Liquidationsüberschuss oder aus sonstigem freien Vermögen zu verlangen und nur wenn und soweit die Gesellschaft nicht mehr überschuldet ist und durch Erfüllung des Anspruchs keine Überschuldung im Sinne des § 19 InsO eintritt.“ Im Klartext heißt das: Hätte der BDM das Geld nicht zugeschustert und auf die Rückzahlung verzichtet, wäre die DFM pleite.

In einer schriftlichen Antwort vom 1. Februar 2019, wo der Jahresabschluss 2017 noch nicht veröffentlicht war, gibt Michael Braun von „Die faire Milch“ an: „Die Entwicklung und der Aufbau einer Marke sind mit erheblichen finanziellen Mitteln verbunden. Alle Verbindlichkeiten sind solide abgesichert. Von einer...

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Artikel geschrieben von

Patrick Liste

Redakteur Rinderhaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Reiner Orth

Milchbauern haben den Schaden

Das mit der hohen Verschuldung der DFM ist das eine, aber auch nicht verwunderlich, wen man über Jahre Michael Braun und dem Geschäftsführer Burkhard Ströcker machen lässt was sie wollen. Jeder der mit den zwei zu tun hatte fragt sich warum die zwei noch nicht ausgetauscht sind. Aber das ist nur das kleinste Problem. Dadurch dass der Handel und die Verbraucher nicht über die Einführung des Belgischen Modeles durch die DFM und BDM informiert wurden, schaden sie allen Milchbauern deutschlandweit. Es kommt durch das neue Programm keine zetifizierte Faire Milch mehr in die Tüte, sondern irgend eine zugekaufte Milch. Die Verbraucher gehen aber davon aus das es noch die Faire Milch ist weswegen die Milch gekauft wird. Das ist ein Vertrauensbruch. Die Folge dadurch ist, das wir Milchbauern unglaubwürdig bei den Verbrauchern und den Politikern werden. Aus diesem Grund kann die Mehrheit der ehemaligen Faire Milchlieferanten das neue Programm nicht mehr unterstützen. Man sollte doch Ehrlich bleiben. Die Verantwortlichen bei dem BDM sollten sich mal auf die ursprünglichen Ziele des BDM besinnen und nicht dasselbe Verhalten an den Tag legen wie z.B. Müllermilch.

von sonja krug

Klarstellung eines Programmteilnehmers

Die Ansichten von Herrn Ulrich kann man nur teilweise verstehen, denn mit einer Anschubfinanzierung wie er sagt, verstehen die meisten nicht solche Summen, uns Lieferanten wurden weit niedrigere Summen genannt, die jetzt an Tageslicht gelangte Summe ist schon ein Hammer und sicherlich noch nicht die Höchste. Wo nimmt Herr Braun eigentlich diese Zuversicht her, diesen Berg abtragen zu wollen ? Der BDM hat immer weniger Mitglieder und irgend wann, fällt ihm die DFM wieder auf die Füße und Herr Ulrich wird noch lange auf eine Ausschüttung, seitens der DFM warten müssen.

von

Ansichten eines Programmteilnehmers

Als Programmteilnehmer der ersten Stunde kann ich mich über die Berichterstattung nur wundern. Das ein Unternehmen eine Anschubfinanierung braucht ist normal. Ich hoffe die Redaktion der top agrar lässt sich nicht von einzelnen ehemaligen Programmteilnehmern, die das Konzept der Fairen Milch, das so seit 2013 besteht, bis heute nicht verstanden haben und von außenstehenden benutzt werden in die Irre führen. Dirk Ulrich

von sonja krug

Billige Rohstofflieferanten

Wir Lieferanten in der Nordhessen-MEG wurden von dem neuen nach dem Geschäftsführer wechsel nicht mehr wie vorher ins Boot geholt nur als billiger Rohstofflieferant missbraucht. Alle Nöte die wir schon früh erkannten und angesprochen haben, wurden nicht erhört. Folgerichtig wurde der Vertrag im Dez. 17 zum 1.1.2019 gekündigt, mit der Maßgabe 2018, neu mit der DFM zu verhandeln, was Diese auch versprach, doch nie eingehalten wurde. Der Verbraucher wird bis Heute nicht über die Veränderungen ab dem 1.1.19 aufgeklärt. das tun wir Bauern jetzt selber und die Verbraucher hat nun die Wahl. Schade lieber BDM und DFM, hätte alles anders laufen können, hoffentlich bekommen die Verantwortlichen die gerechte Strafe !!!!!

von Matthias Zahn

Herr Müller

Mir ist immer noch nicht klar, weshalb sie sich selbst das Recht auf bessere Preise abreden. Der enorme Einfluss der EU-Milcherzeugung ist klar erkennbar. Zumindest für alle die sich mit dem Milchmarkt wirklich auseinander setzen. Dürre in Europa, Intervention leer und schon gehen die Notierungen nach oben. Klar, wir können den Weltmarkt nicht dauerhaft auf 40 ct halten. Aber wir EU Milcherzeuger können den Markt regelmäßig zugrunde melken. Warum wir das, aus ihrer Sicht, weiterhin tun sollen ist mir ein Rätsel!?

von Edelhard Brinkmann

Einkaufen

Vor dem Betreten des Marktes kaufen95% Bio.Nach dem Verlassen des Marktes sind es nur 3,5% die Bio oder andere besondere Umweltartikel gekauft haben Geld regiert halt die Welt..............

von Bernd Müller

Genau Herr Uken!

Aber innerhalb eines Marktes ist das so! Und der ist nun mal ein weltweiter und das wird auch nicht der Bdm ändern! Begreift das doch endlich mal!

von Gerd Uken

@ Schmid

Erstes Semester BWL : Angebot und Nachfrage steuern den Preis , war schon immer so! So lange die Erzeuger ihren Einfluss nicht einbringen können bei der Menge......!

von Philipp Schmid

Die Zusammenhänge

der Marktwirtschaft hat der BDM bis Heute nicht begriffen.

von Andreas Demann

Oder ist der Geiz doch einfach zu Geil?

von Matthias Zahn

Doppelnutzen faire Milch

Nun, rein nach den Zahlen betrachtet wird man die Frage nach dem Erfolg stellen. Bei "Die faire Milch" geht es aber nicht nur um Wertschöpfung. Sie ist ein Kommunikationsmittel mit dem, die Forderung nach kostendeckenden Preisen im Markt gestellt wird. Ich war beim Start dabei. Wir haben viele gute Gespräche in den Märkten mit Verbrauchern geführt. Und ich bin mir sicher, dass wir dazu beigetragen haben, dass Bio- und Labelprodukte vom Verbraucher besser angenommen werden. Wir haben die Missstände der zu niedrigen Erzeugerpreise in die Öffentlichkeit gerückt. Und immerhin wurde mal was ausprobiert. Der BDM hat "Die faire Milch" die AbL hat "NeuLand". Welche Ansätze haben "die anderen" Interessensvertretungen? Lieber ne blutige Nase geholt, als nur schlaue Sonntagsreden zu schwingen!

von Berthold Lauer

Ja, ich weiß, der DBV, der BMI, die Molkereien, der Raiffeisenverband, die Turbomelker, Frau Klöckner........... Nein, keine Schadenfreude. Nur Bestätigung, dass das Geschäft wohl doch nicht so einfach ist und dass offensichtlich die Zahlungsbereitschaft der politisch und gesellchaftlich Verbündeten nicht so ausgeprägt ist!

von Rudolf Rößle

Faire

Erzeugerpreise durchzusetzen ist sehr schwierig. Stimmt die Qualität des Produktes nicht oder die nachhaltige Erzeugung ist nicht klar definiert, kann es nicht funktionieren. Entscheidend ist auch die richtige Werbestrategie.

von Albert Maier

Oh, oh, ooooh!

?

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