Stallbesuch

Lidl-Kooperation mit Bioland will langfristig für alle Chancen bieten

Baden-Württembergs Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch hat ich auf einem Milchviehbetrieb über die Besonderheiten von Bioland und die Kriterien für eine Hofumstellung informiert.

Seit dem Start der Kooperation mit Bioland im Oktober 2018 bringt Lidl durch die sukzessive Umstellung des Bio-Sortiments heimische Bioland-Produkte auf breiter Basis in die Gesellschaft. Voraussetzung für diese Weiterentwicklung sind Erzeuger und Produzenten, die ihren Betrieb nach Bioland-Richtlinien führen und somit für eine ausreichende Versorgung mit heimischen Bio-Erzeugnissen sorgen, teilt der Discounter mit.

Doch bevor ein Landwirt Mitglied bei Bioland werden kann, muss dieser seinen Betrieb zu 100 Prozent ökologisch umstellen und nach den strengen Bioland-Kriterien wirtschaften: Über die Maßnahmen zur Umstellung von konventionellen Vorgaben auf Bioland-Kriterien informierte sich daher am Montag die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Friedlinde Gurr-Hirsch MdL auf dem Bioland-Milchviehhof von Ralf Bund im baden-württembergischen Wertheim: "Die Anforderungen an die Landwirtschaft steigen, sodass die Betriebe sich zukunftsfähig aufstellen müssen. Qualität und Nachhaltigkeit sind dabei zwei entscheidende Komponenten", sagte Gurr-Hirsch laut Lidl-Pressemitteilung.

Unterschiede zum EU-Biosiegel

"Wenn es um Milcherzeugung geht, haben wir Bioland-Bauern eine klare Regel: Unsere Kühe sollen auf die Weide, wann immer es geht. Denn der Auslauf im Grünen sorgt nicht nur für gesündere Tiere und eine artgerechte Haltung sondern auch für bessere Milch", meint Milchbauer Ralf Bund. Darüber hinaus haben die Kühe einen eigenen Fress- und einen eingestreuten Liegeplatz mit Stroh oder Sägemehl.

Die ausschließliche Fütterung mit Silage ist verboten, stattdessen überwiegt Weide- und Grünfutter. Kälber werden mindestens drei Monate mit Milch aufgezogen. Ziel ist es auch, dass den Tieren ein langes Leben ermöglicht wird und eine angemessene Milchleistung erbracht werden kann. "Bei unseren Kühen setzen wir auf Lebens- statt auf kurzfristige Höchstleistung. So gibt eine Bioland-Kuh jährlich im Durchschnitt 15 bis 20 Prozent weniger Milch als eine konventionelle Milchkuh.

Ziel der Bioland-Bauern ist die Leistung ihrer Kühe zu erhalten, ohne sie zu überfordern", ergänzt Bund. In einem EU-Bio-Betrieb wird den Milchkühen hingegen zwar auch nach Verfügbarkeit Auslauf auf der Weide ermöglicht, Einstreu mit Naturmaterial ist aber lediglich im Ruhebereich vorgeschrieben und die Fütterung mit Silage ist nicht geregelt.

"Im Vergleich zu konventionellen oder EU-Bio-Kriterien ist die Erfüllung der Bioland-Richtlinien mit einem Mehraufwand verbunden, den wir mit fairen Einkaufspreisen honorieren. Uns ist wichtig, dass die Landwirte und alle an der Lieferkette Beteiligten ein ausreichendes Auskommen für ihren Betrieb erzielen können", sagt Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland. "Gleichzeitig erleichtern wir mit unseren Verkaufspreisen möglichst vielen Kunden und Konsumenten die Entscheidung für hochwertige heimische Bio-Produkte, um durch eine steigende Nachfrage den Anteil von Bio- Produkten im Handel endgültig aus der Nische zu holen und weiteren Landwirten ein nachhaltige Umstellung zu ermöglichen."

Partnerschaft auf Augenhöhe

Von der Kooperation zwischen Lidl und Bioland konnten bisher vor allem Milch-Erzeuger und -Verarbeiter profitieren, da sie durch die Umstellung aller heimischen Molkereiprodukte der Lidl-Eigenmarke "BioOrganic" auf Bioland-Qualität neue und dauerhafte Absatzmöglichkeiten erhalten haben, teilt Lidl weiter mit. Aber auch in anderen Bereichen wie beispielsweise im Obst- und Gemüsesortiment würden sukzessive weitere Artikel mit dem grünen Bioland-Markenzeichen erhältlich sein, sodass Landwirte die Chance haben, ihren Betrieb zukunftsfähig umzustellen.

"Für die notwendige Ökologisierung unserer Landwirtschaft ist es sehr wichtig, heimisches, hochwertiges Bio zu honorieren und ihm auch eine breite Bühne zu schaffen. Mit der Kooperation können wir die ökologische Landwirtschaft bei uns weiter ausbauen und den Vertrieb der Erzeugnisse im Sinne unserer Hersteller und Erzeuger mitgestalten. Als Partner auf Augenhöhe tauschen wir uns regelmäßig über aktuelle Entwicklungen auf Erzeuger- und Handelsseite aus und arbeiten an weiteren Möglichkeiten, hochwertiges und heimisches Bio in den Einkaufskorb von immer mehr Verbrauchern zu bekommen", resümiert Jan Plagge, Präsident Bioland e.V.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Ich hoffe inständig, das Bioland dort nicht enttäuscht wird!

Bei einem ordentlichen Produktpreis, kann auch der Landwirt am Erlös anständig teilhaben!

von Michael Emmrich

Die Marge machts !

Die Marge für Biolandprodukte ist im Schnitt 3 mal so hoch als bei den nicht Bio-Lebensmittel das sagt doch alles !

von Rudolf Rößle

60 Cent

ist für Biomilch ein fairer Preis, da die staatlichen Zahlungen wohl eher rückläufig sein werden. Wir sitzen Alle im gleichen Boot , ob Konventionell oder Bio. 35 Cent erhalten wir noch die nächsten 2-3 Monate, bei 4,2-3,4 Inhaltsstoffe.

von Bruno Stauf

Enttäuschter Biomilcherzeuger

Ich bin Biomilcherzeuger und Biolandmitglied.Aktuell bekomme ich für meine Milch 47Cent Grundpreis.Nach Vollkostenberechnung meines Milchpreises brauche ich,wenn auch die Arbeit angemessen entlohnt wird,meine Meisterstunde mit 25Euro,und Mitarbeiter mit Mindestlohn einen Grundpreise von ca 60Cent.Da sind wir also noch meilenweit von entfernt.Aktuell verramscht Lidl unsere Biolandmilch genau wie Aldi seine Eu—Biomilch für 1,05Euro.Das ist für mich eine massive Entwertung des Biolandsiegels. Bruno Stauf

von Frank Groenewold

Die Händler bescheißen die Bauern sowieso.

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