Strukturwandel

Reine Nutztierpraxen offenbar Auslaufmodell

In Deutschland gibt es nur noch 768 reine Nutzvieh-Tierärzte; im Gegensatz zum Kleintierbereich. Auch Nottienst wollen kaum noch Veterinäre machen, viele Kliniken hören auf.

Die in Deutschland niedergelassenen Tierärzte tendieren immer stärker hin zu einer Mehrfachspezialisierung. Dieses Resümee zieht die Bundestierärztekammer aus den jüngsten Zahlen zur Tierärzteschaft in der Bundesrepublik, die jetzt im „Deutschen Tierärzteblatt“ veröffentlicht worden sind.

Kleintierpraxen vorn

Reine Nutztierpraxen stellten offenbar ein Auslaufmodell dar, so die Kammer. Der Erhebung zufolge, die auf den Daten der Mitgliederverwaltungssysteme der Landes-/Tierärztekammern fußt, gab es zum 31. Dezember 2021 in Deutschland 11.889 niedergelassene Tierärzte. Von diesen gaben nur noch 768 an, eine reine Nutztierpraxis zu führen.

Dagegen waren 5.899 auf Kleintiere spezialisiert. Insgesamt waren in Deutschland zum Jahreswechsel 32.930 Tierärzte tätig, darunter neben den niedergelassenen Veterinären unter anderem 10.277 Praxisassistenten, 1.496 beamtete Tierärzte, 5.490 angestellte Tierärzte im öffentlichen Dienst und 1.687 in der Privatwirtschaft beziehungsweise Industrie.

Weniger Tierkliniken

Weiter gesunken ist nach Angaben der BTK die Zahl der tierärztlichen Kliniken; diese belief sich Ende Dezember 2021 gemäß der Übersicht auf bundesweit insgesamt 157. Der Rückgang könne zu einer Verschärfung der ohnehin schon problematischen Notdienstsituation führen.

„Der tierärztliche Notdienst ist für eine normale Praxis personell schwer zu stemmen und die psychische sowie physische Belastung der Kollegen und Kolleginnen und Kollegen ist enorm. Außerdem ist der Notdienst trotz der in der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) festgelegten Gebühren nicht rentabel“, erklärte dazu BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann.

Die aktuelle Situation deute darauf hin, dass Tierkliniken ihren Klinikstatus aufgäben, um keine 24-Stunden-Erreichbarkeit gewährleisten zu müssen, weil auch sie den Ansturm an Notfallpatienten nicht mehr stemmen könnten. Diese Kontroverse könne im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Versorgung der tierischen Patienten regional gefährdet sei.

Tierarztberuf wird weiblich

Auffallend ist laut BTK auch der stetige Anstieg der Zahl der Tierärztinnen. Von den Ende Dezember 2021 tierärztlich Tätigen waren fast 22.700 oder 68 % weiblich. Der hohe Frauenanteil sei schon bei den Studierenden der Veterinärmedizin zu sehen, stellte die BTK in dem Zusammenhang fest. In den vergangenen zehn Jahren seien jeweils von rund 1.000 Studienanfänger etwa 900 Frauen gewesen.

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