Melksystem

Test: Roboter melken zu festen Zeiten

top agrar hat drei Großbetriebe besucht, die trotz vollautomatischer Technik zu festen Zeiten melken. Was klappt und wo hakt es noch?

Wer seine Herde automatisch melken möchte, muss nicht zwangs­­läufig auf freien Kuhverkehr umsteigen, die festen Melkzeiten aufgeben und das Management anpassen. Denn alternative automatische Systeme sind schon auf dem Markt. Wir haben mit unserem Experten Michael Kerger drei Milchviehbetriebe besucht, die mit Robotertechnik zu festen Zeiten melken. Zwei automatische Melkkarusselle und ein Roboterverfahren mit festem Zutrieb:

  • DeLaval AMR
  • GEA DairyProQ
  • Lemmer-Fullwood Batch Milking 4.0

Die Hersteller haben uns die Betriebe genannt. Da die Systeme technisch unterschiedlich ausgerüstet sind, ist ein direkter Vergleich, wie Sie ihn aus dem top agrar-Melkstandtest kennen, nicht möglich. Dennoch lohnt es sich, jedes für sich unter die Lupe zu nehmen.

Gleiche Ziele

So unterschiedlich sich die Melktechnik präsentierte, so gleich waren doch die Gründe der Betriebsleiter für die Anschaffung. Die Betriebe halten 500, 720 und 820 melkende Kühe. Alle berichten von großen Problemen mit Mitarbeitern für die Melkarbeit. Diese seien schwer zu finden, gute Mitarbeiter auch schwer zu halten. Mit Aushilfskräften aus dem Ausland haben sie mal positive, aber auch negative Erfahrungen gemacht. Die stetige Fluktuation bei den festen und Saisonkräften führte zu großen Schwankungen in der Qualität der Melkarbeit. Das hat die Eutergesundheit und das Verhalten der Tiere negativ beeinflusst. Aus diesen Gründen sehen die Betriebe die Investition als Zukunftsmodell für ihren Standort, die Betriebsgröße und -struktur.

Auch die Voraussetzungen für die Arbeit mit dem System beschreiben die Betriebe ähnlich: Man braucht Tiere mit guten Klauen und robotertaug­lichen Eutern. Eine möglichst homogene Herde verbessert den Melkablauf. Der DeLaval-Betrieb, die Wipperdorfer Agrargesellschaft, startete schon mehr als fünf Jahre vor der Automatisierung mit der Zucht auf „Robotereuter“. Zudem sollte die Kuh für das Karussell nicht zu groß sein. Darauf achtet auch die Agrargenossenschaft Agrarset, ein GEA-Betrieb. Dieser setzt nur Bullen mit negativer oder neutraler Vererbung für die Größe ein. Der Lemmer-­Fullwood Betrieb, die Agrar GmbH Flämingland, sieht für sich hinsichtlich der Größe keine Beschränkungen. Er braucht für schnelle Ansetzvorgänge aber ebenso eine gute Strichstellung und für die Motivation der Kühe in den Roboter zu gehen auch fitte Klauen.

Erstes Fazit

Bei allen Besuchen waren die Kühe beim Melken sehr ruhig und schienen die Systeme freiwillig und gern zu betreten. Automatische Melksysteme melken immer gleich, dass kommt den Tieren zu gute. Ein Landwirt fasste zusammen: „Für die Kühe war die Umstellung verhältnismäßig ein Witz, die Mitarbeiter brauchten viel länger.“ Auch wenn sich die Zahl des Melkpersonals verringert, müssen die Übrigen umso besser geschult sein. Sie müssen den Schritt zur Automatisierung mitgehen und der Technik vertrauen. Dafür bieten die Systeme eine große Arbeitserleichterung beim Melkprozess. Kein System funktionierte ganz ohne Eingreifen. Bei all unseren Besuchen mussten die Zuständigen das Melken auch unterstützen. Um zu entscheiden, wann das nötig ist und wann nicht, kennt das Personal trotz Roboter und Herdengröße auch „ihre Pappenheimer“ unter den Kühen.


DeLaval: Fünfarmiger Innenmelker

Beim DeLaval AMR ersetzen fest installierte Roboterarme im Innenmelker-Karussell das Personal.

Fünf Roboterarme melken im 24er-Innenmelker des DeLaval Automatic Milking Rotary (AMR) die 700 Kühe der Wipperdorfer Agrargesellschaft in Wipperdorf (Thüringen). Nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit startete das System im Februar 2018.

Die Roboterarme übernehmen jeweils verschiedene Aufgaben im Melkprozess. Die ersten beiden Arme sind für das Vormelken und Reinigen von jeweils zwei Strichen mit Melkbechern zuständig. Die beiden folgenden Module hängen das Melkgeschirr jeweils an zwei Vierteln an. Nach Herstellerangaben kann ein Arm die Arbeit des anderen zur Not übernehmen. Auf dem Betrieb war das bisher noch nicht nötig. Am Ende der Runde folgt ein Arm zum Nachdippen im Sprühverfahren.

Alle Teile sind wertig verbaut und gepflegt. Die Halle ist lichtdurchflutet, hoch und gut belüftet. Die Ansetzvorgänge und das Dippen liefen bei unserem Besuch flüssig. Die Tiere waren Altmelkende mit sehr guter Strichqualität. DeLaval hat die Kameratechnik beim Ansetzen in diesem Jahr noch einmal ausgetauscht. Das hat die Genauigkeit und die Geschwindigkeit laut Betrieb verbessert.

Kuhverkehr

Der Betrieb melkt zweimal täglich, jeweils rund acht Stunden plus Vor- und Nacharbeiten. Aktuell schafft das AMR hier stündlich etwa 80 Kühe. Aus dem Stall wird immer eine Gruppe von rund 100 Kühen in den Vorwartebereich getrieben. Dort stehen die Tiere im längsten Fall 1,25 Stunden. Der Vorwartehof ist mit einem automatischen Treiber ausgestattet. Die komplette Lauffläche im Vorwartehof ist mit Gummibelag ausgelegt. Der Zugang...


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