Tipps von irischen Weide-Profis

Bis zu 27 Liter von der Weide melken? Wie das geht haben sich norddeutsche Landwirte in Irland angesehen. Spitzenbetriebe zeigten ihre Erfolgskonzept und wie es gelingt, den Rückhalt von Politik und Bevölkerung zu gewinnen. Das Fazit der Landwirte: „Wir machen schon vieles gut, müssen das aber besser kommunizieren“.

Bis zu 27 Liter von der Weide melken? Wie das geht haben sich norddeutsche Landwirte auf einer Rundreise durch Irland angesehen. Spitzenbetriebe zeigten ihre Erfolgskonzept und wie es ihnen gelingt, den Rückhalt von Politik und Bevölkerung zu gewinnen. Das Fazit der deutschen Landwirte: „Wir machen schon vieles gut, müssen das aber besser kommunizieren“.
 
Das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen hat die Fahrt organisierte und berichtet: In Irland stehen Kühe fast ganzjährig auf der Weide. Das Management ist das Ergebnis aus zwei Jahrzehnten intensiver Forschungsarbeit. Grüne Wiesen, ein hohes Ansehen der Landwirte in der Bevölkerung und der Rückhalt durch die Politik sind sichtbare Zeichen.
 
Billy Heffernan, „Grünland-Farmer des Jahres 2017“, bewirtschaftet seinen Hof mit den beiden Söhnen Mark und Liam. Die Farm umfasst 450 Kühe, die zu Spitzenzeiten 27 Liter Milch geben. Derzeit sind es noch etwa 20 Liter. Pro Tag und Kuh rechnet er 13 kg TM Gras plus 5 kg Kraftfutter. „Früher habe ich das Gras auf einem Quadratmeter geschnitten und dann auf die Fläche hochgerechnet“, erzählte er während der Betriebsbesichtigung. Seit einigen Jahren misst der Ire alle fünf Tage mit bloßem Auge, was auf den Flächen steht. Insgesamt haben die Heffernans ihr 132 ha großes Land in 34 kleinere Flächen, die Paddocks, eingeteilt, die je nach Jahreszeit alle 21 bis 40 Tage von den Tieren beweidet werden.
 
Auch wenn sich das irische System – aufgrund von Unterschieden bei Klima und (Stall-) Kosten - nicht komplett auf das deutsche übertragen lässt, zeigte sich die Reisegruppe von dem ausgeklügelten Weidemanagement beeindruckt. „Irische Landwirte wissen sehr genau, welche Menge Gras auf ihren Weiden steht. Deshalb bekommen Sie es hin, den Kühen immer dieselbe Grasqualität anzubieten. Es kommt also zu keinen Futterumstellungen“, bilanzierte Karsten Padeken, Vorsitzender des Grünlandzentrums sowie des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch: „Davon können wir noch lernen.“
 
Kühe lernen schnell, dass sie das Gras bis zu einer bestimmten Höhe herunterfressen müssen, bevor sie auf eine frische dürfen. Davon konnten sich die Besucher auf der irischen „Dairygold Research Farm“ ein Bild machen. Auf dem Versuchsbetrieb des halbstaatlichen, irischen Forschungszentrums Teagasc, das ebenfalls Teil des Programms war, lockt man die Tiere mit frischem Gras sogar zum Melken. Die Kühe gehen hier durch ein System aus elektrischen Schleusen, Triebwegen und vier verschiedenen Weideflächen an einen Melkroboter, weil sie wissen, dass sie anschließend auf eine frische Weide gelangen.
 
 „Der irische Landwirt ist ja nicht klüger als der deutsche, er beschäftigt sich nur schon viel länger mit Grünland“, fasste Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, in einem abschließenden Workshop auf der Reise zusammen und ergänzte: „Wir machen vieles schon sehr gut. Wir wirtschaften nachhaltig, fördern Biodiversität und erfüllen mit der Weidehaltung den Wunsch vieler Verbraucher. Das müssen wir noch besser an die Politik, aber auch an die Gesellschaft zurückspiegeln.“ 

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Artikel geschrieben von

Anke Reimink

Redakteurin Rinderhaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Armin Brenner-Schmid

Hohes Ansehen in der Bevölkerung,

und bei uns wäre sowas schon garnicht möglich! 3,4 GV pro ha? Was ist in Irland mit der 170 kg Grenze für Stickstoff pro ha?? Man sieht Weidehaltung und alle sind zufrieden und das Ansehen der Landwirtschaft in der Bevölkerung steigt! Ein ehemaliger Lehrling von uns ist gerade auf einem Weidebetrieb in Neuseeland! Er erzählte die Kühe koten derzeit pures Wasser! Da kein Heu oder sonstiges zugefüttert wird! Was soll an Weidehaltung wirklich gesünder sein für die Kühe?

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