1.000 Sauenhalter in Bad Sassendorf - NRW kündigt Runden Tisch an

Zur Agrarministerkonferenz im nordrhein-westfälischen Bad Sassendorf haben sich rund 1.000 Landwirte und Schweinehalter angekündigt, um ihren Unmut sichtbar zu machen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) weist unterdessen auf die dramatische Situation der Schweinehalter in Deutschland hin.

Protestierende Schweinehalter (Bildquelle: Peters)

Zur Agrarministerkonferenz im nordrhein-westfälischen Bad Sassendorf haben sich rund 1.000 Landwirte und Schweinehalter angekündigt, um ihren Unmut sichtbar zu machen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) weist unterdessen auf die dramatische Situation der Schweinehalter in Deutschland hin.

„Auslöser dieser besorgniserregenden Entwicklung sind nationale gesetzliche Sonderwege bei Haltungsanforderungen, mangelnde Investitionssicherheit, Blockaden beim Bau- und Genehmigungsrecht, ein scharfer innereuropäischer Wettbewerb und nicht zuletzt die Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest. Allein diese hausgemachten, von der Politik verordneten Regelungen haben die Sprengkraft, den Betriebszweig Ferkelerzeugung in Deutschland vollends ins Aus zu befördern“, sagt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken.

Ein entscheidender Faktor ist aus Sicht des DBV der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration: „Wir wollen den Ausstieg, aber wir brauchen für alle Betriebe praktikable Lösungswege, um im europäischen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Deshalb ist es zwingend notwendig, zusätzlich die Lokalanästhesie durch den Landwirt möglich zu machen. Bis das geschehen ist muss die Ausstiegsfrist verlängert werden“, so Krüsken.
 
In Dänemark, einem wichtigen Wettbewerber in der Ferkelaufzucht, ist die Lokalanästhesie schon zugelassen. Bereits jetzt werden über 11 Millionen Ferkel pro Jahr aus Dänemark und den Niederlanden importiert. Der DBV geht davon aus, dass sich dieser Trend verstetigt. Der Strukturwandel in der deutschen Sauenhaltung, maßgeblich angetrieben von verschärften gesetzlichen Anforderungen, schreitet deutlich voran. Seit 2005 ist die Zahl der sauenhaltenden Betriebe um 75 Prozent zurückgegangen. Von damals knapp 34.000 Betrieben sind nur noch rund 8.100 Betriebe im Jahr 2018 übrig geblieben.
 

Heinen-Esser: "Müssen jetzt alle an einem Strang ziehen"

Plakat (Bildquelle: Peters)

Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser hat unterdessen Verbände und Unternehmen der Landwirtschaft und Schweinehaltung, der Fleischwirtschaft, Tierärzte sowie Vertreter des Handels und der Verbraucher zu einem Runden Tisch „Zukunft der Ferkelzucht in Nordrhein-Westfalen“ Anfang Oktober eingeladen.

„Wir müssen an einem Strang ziehen, um die Ferkelzucht in Deutschland zu halten. Zugleich müssen wir im Dialog mit allen Beteiligten die Weichen zur Zukunft der Ferkelzucht in Nordrhein-Westfalen legen“, sagte die Politikerin am Donnerstag. Die Herausforderung bestehe darin, einerseits sicherzustellen, dass Schmerzen der Tiere bei der Kastration ausgeschaltet werden. Andererseits müsse die Betäubung für die Tierhalter möglich und praxisgerecht sein.

„Ein Strukturbruch in der hiesigen Sauenhaltung und damit einhergehend eine Zunahme der Ferkelimporte, bei denen wir nichts oder wenig über die Erzeugung wissen, liegen weder im Interesse der ländlichen Räume, noch des Tierschutzes, noch der Verbraucher“, sagte Heinen-Esser.

 

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Runder Tisch, eckiger oder ovaler Tisch ist ganz einfach egal.

Gegen Dummheit hilft kein Tisch., da müssen bessere Leute an den Tisch.

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