München

Ärger um Kastenstände auf Versuchsgut der Ludwig-Maximilians-Universität

Zwei Veterinärstudentinnen aus München zeigten sich beim offenbar erstmaligen Anblick der Sauenhaltung in Kastenständen derart schockiert, dass sie die Uni medial an den Pranger stellten.

Zwei Studentinnen der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) werfen der Hochschule vor, mit der Sauenhaltung auf dem Lehr- und Versuchsgut gegen die Tierschutzvorgaben zu verstoßen.

Sie berichteten gegenüber der Süddeutschen Zeitung von „schlimmen Zuständen“, von blutigen und abgebissenen Schwänzen, entzündeten Gelenken und Atemwegserkrankungen. Den Stall mit den Kastenständen auf dem Gut in Oberschleißheim gibt es seit 2004. Die Fakultät Tiermedizin hat bereits beantragt, den Stall durch ein modernes Deckzentrum zu ersetzen. Die gesamte Veterinärmedizin der LMU soll in den nächsten Jahren aus der Münchner Innenstadt nach Oberschleißheim umziehen.

Uni weist Vorwürfe strikt zurück

Die Leitung des Lehr- und Versuchsgutes weist im Bayerischen Rundfunk die erhobenen Vorwürfe der Tierquälerei zurück. Entsprechende Berichte entbehrten laut Prof. Dr. Armin Scholz, dem Betriebsleiter des Gutes, jeder Grundlage und seien frei erfunden.

Im LMU-Gut Oberschleißheim gäbe es keine Verstöße gegen den Tierschutz. Laut Scholz behält sich die LMU rechtliche Schritte wegen Verleumdung vor.

Für Reinhard Straubinger, den Dekan der Veterinärmedizinischen Fakultät der LMU, sei es gerade für Tiermedizin-Studierende wichtig, die genauen Abläufe in der Schweinezucht zu kennen und den Alltag zu simulieren. Straubinger verweist auf 95 % konventioneller Schweinehalter, die Kastenstände einsetzen.

Verständnis für die Kritik der Studentinnen hat dagegen laut BR Manfred Gareis, der bis Jahresbeginn Professor am Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit war. Er fordert, die Kastenstände allmählich abzuschaffen und eine moderne Haltungsform darzustellen.

Der Fall beschäftigt inzwischen auch den bayerischen Landtag. SPD, ÖDP und Grüne nutzen die Vorwürfe für eine Schelte gegenüber der Regierung und der heutigen Agrarpolitik.

Kurz kommentiert

von Alfons Deter

Alfons deter, top agrar online

Alfons Deter, top agrar online (Bildquelle: Heil)

Ohne die konkrete Haltung gesehen oder die Vorwürfe geprüft zu haben, drängt sich schon der Eindruck auf, als hätten hier zwei Studierende aus der Stadt zum ersten Mal einen Stall gesehen. Vielleicht ist ihr Traum, in einer Kleintierpraxis zu arbeiten, und dann wurden sie mit der Nutztierhaltung konfrontiert.

Ein wenig scheint sich hier die Entfremdung der Gesellschaft zur Landwirtschaft zu spiegeln. Doch anstatt sich - wie in einem Studium üblich - ein umfassendes Wissen zu einem Thema ausführlich und sachlich erklären zu lassen, wenden sich die beiden Studentinnen von der Uni ab und zu den Medien hin. Bei der Süddeutschen Zeitung scheint der vermeintliche Skandal jedenfalls auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Die Empörung bei Umweltschützern, Parteien und Bürgern war erwartbar.

Der Dekan und der Leiter des Instituts müssen sich nun gegenüber der Presse, dem Landtag und wütenden Bürgern rechtfertigen. Ihre Aussage, gezeigt werde ein ganz normaler Stall mit konventioneller Haltung, ist glaubhaft.

Doch auch Uni-intern gibt es Zweifel, ob man nicht eher in einem Tierwohl-Zukunftsstall lehren sollte. Bedauerlich wäre dann nur, wenn zukünftige Tierärtze keinen konventionellen Stall nach Recht und Gesetz mehr kennenlernen und dann von der Realität überrascht auf Distanz zum Bauern gehen. Das würde die bisher gelebte Partnerschaft von Landwirt und Veterinär auf eine harte Probe stellen. Andererseits trennt sich unter den Studierenden ja schnell die Kleintier- von der Großviehsparte - Pferdemedizin jetzt mal ausgenommen.


Diskussionen zum Artikel

von Günter Schanné

Sauenhaltung

@ H. Alto Das Magdeburger Gerichtsurteil bezieht sich meines Wissens auf geschlossene Kastenstände. Das derzeit gültige Tierschutzgesetz ist unabhängig vom Verbraucherverhalten zu befolgen. Maßstab für das Wohlergehen eines Tieres ist das Ausleben angeborener Verhaltensweisen wie ... mehr anzeigen

von Heinrich Albo

@G.Schanė

Schon vergessen daß es mehr Landwirte gibt die Tierwohlställe bauen wollen als Verbraucher die das Fleisch kaufen !!!! Es gibt auch keine Abnahmeverträge über 20-30Jahre..die so ein Stall finanziert werden muss...Woher wollen Sie überhaupt wissen wann es einem Tier gut geht oder ... mehr anzeigen

von Günter Schanné

Konventionelle Schweinehaltung tierschutzgesetzwidrig

Der Denkfehler von Herrn Deter liegt darin, dass er die konventionelle Schweinehaltung für rechtskonform hält. Die Haltung von Sauen in Kastenständen ist nach dem Urteil des Magdeburger Oberverwaltungsgerichts von 2016 rechtswidrig. Die Haltung von Sauen in Kastenständen verstößt ... mehr anzeigen

von Martin Schmidt

Schade,

dass die Mädels anderen die Studienplätze wegnehmen.

von Karlheinz Gruber

Na da freue

ich mich doch mal so richtig auf die nächste Generation der Kontrolleure. Da kann man gleich vor der Kontrolle zusperren. Erleichtert das Strafezahlen. Diese Kuscheltanten haben eindeutig keinen Bezug und wurden wohl von NGOs in der Schule ausgebildet. Bin gespannt, was die sagen, wenn ... mehr anzeigen

von Klaus Schneider

Studierende!

Ein Paradebeispiel wie sich Dummheit und Bildung sybiotisieren.

von Klaus Müller

Schneeflocke

Wenn die Generation Schneeflocke auf die Realität trifft...

von Stefan Lehr

Falsche Berufswahl

Wer so duennhaeutig ist wie diese beiden Studenten, der hat die falsche Berufswahl getroffen. Selbst in einer Kleintierhaltung wird man von so manch boeser Ueberraschung heimgesucht. Denn auch die heissgeliebten Hunde und Katzen werden nicht alle art- und tierschutzgerecht gehalten. Fuer ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Studenten

Sie sollten eine andere Studienrichtung wählen...Das sage ich als einer der jahrelang 10000MS in der ach so geschmähten Massentierhaltung gemanagt hat.Die Läufer wurden alle in Kastenständen geboren...

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