Schweinefleischausfuhr

EU: Schweinefleischexporte und Tierbestände 2021 rückläufig

Das Rekordniveau bei den EU-Schweinefleischausfuhren konnte 2021 nicht gehalten werden. Die Exporte sind im Vergleich zu 2020 um etwa 3 % gesunken. Die EU-Schwienehalter bauten zudem ihre Bestände ab.

Die Schweinefleischexporte aus der Europäischen Union haben 2021 das Rekordniveau aus dem Vorjahr erwartungsgemäß verpasst. Laut vorläufigen Daten der Brüsseler Kommission nahm die Ausfuhrmenge einschließlich Lebendtieren und Nebenerzeugnissen im Vergleich zu 2020 um 145.330 t oder 2,7 % auf 5,27 Mio t Schlachtgewichtsäquivalent ab. Tatsächlich wird das Minus noch etwas größer ausgefallen sein, da der rückläufige Handel mit dem Vereinigten Königreich wegen Datenlücken noch nicht in den Zahlen enthalten ist. Die EU-Exporte auf die Insel sind von Januar bis November 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 46.370 t oder 5,3 % auf knapp 829.000 t gesunken. Die wichtigsten Beschicker des britischen Markts waren mit 169.200 t die Niederlande, gefolgt von Deutschland mit 159.300 t und Dänemark mit 142.900 t.

Verluste im Chinageschäft

Weitaus mehr als der nachlassende Handel mit Großbritannien war indes der Einbruch der Lieferungen nach China verantwortlich für die geringeren EU-Schweinefleischexporte 2021. Die Ausfuhr in die Volksrepublik nahm wegen der dort gestiegenen Eigenerzeugung im Vorjahresvergleich um 765.150 t oder 22,9 % auf 2,57 Mio t ab; Chinas Anteil an den Gesamtexporten sank damit von 61,6 % auf 48,8 %. Auf der Erlösseite resultierte daraus eine Abnahme von 1,82 Mrd € oder 25,6 % auf 5,29 Mrd €. Die Einnahmen insgesamt aus dem EU-Schweinefleischexport ohne Großbritannien beliefen sich 2021 auf 11,66 Mrd €; das waren 539 Mio € beziehungsweise 4,4 % weniger als im Vorjahr.

Lieferungen in andere Drittstaaten

Ein größerer Teil der Verluste im Chinageschäft konnte von den EU-Anbietern durch vermehrte Lieferungen in andere Drittstaaten ausgeglichen werden. So hat sich die Ausfuhr auf die Philippinen auf rund 350.200 t im Vergleich zu 2020 mehr als verdoppelt; die nach Südkorea exportierte Menge legte um fast die Hälfte auf 284.200 t zu. Zuwächse zwischen 35 % und 59 % verzeichnete zudem der EU-Schweinefleischabsatz in Vietnam, den USA, der Elfenbeinküste sowie in Neuseeland und Australien. Als drittwichtigster Kunde bestellte Japan mit 379.650 t gut 5 % mehr Schweinefleisch in der Gemeinschaft als im Vorjahr.

Deutsche Exporte brechen ein

Mit großem Abstand wichtigster Schweinefleischexporteur in der Gemeinschaft blieb 2021 Spanien. Der Drittlandsabsatz dieses Landes legte im Vorjahresvergleich um 5,0 % auf fast 1,95 Mio t zu. Zwar wurde etwas weniger gekühltes Schweinefrischfleisch außerhalb der EU verkauft, doch wurde das durch Zunahmen bei der gefrorenen Ware und den Nebenerzeugnissen ausgeglichen. Spanien konnte sogar seine Exporte nach China steigern, obwohl die Volksrepublik im vergangenen Jahr insgesamt weniger Ware vom Weltmarkt orderte. Noch besser lief es, zumindest prozentual gesehen, für die dänischen Exporteure, die mit 931.100 t Schweinefleisch rund 10 % mehr Ware in Drittländern absetzen konnten als 2020.

Dänemark, wie auch Spanien und einige andere EU-Länder, profitierten davon, dass der große Wettbewerber Deutschland aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in viele Drittländer nicht mehr liefern durfte. Die deutschen Schweinefleischexporte außerhalb der EU brachen laut der Kommission um 481.350 t oder 53,8 % auf 413.160 t ein; mit Ausnahme von Schweinefett gab es in allen Warenkategorien kräftige Einbußen. Die Bundesrepublik rutschte auf Rang vier der wichtigsten EU-Exporteure ab und wurde auch von den Niederländern überholt, die ihre Drittlandsausfuhren um 5,6 % auf 714.830 t steigerten. Frankreich, Österreich und Belgien konnten ihre Exporte ebenfalls merklich ausweiten.

Weniger Sauen in der EU

Die Schweinefleischexporte der EU werden nach Einschätzung vieler Analysten im laufenden Jahr weiter abnehmen. So zeichnet sich im Moment nicht ab, dass China wieder solch große Mengen in der Gemeinschaft und generell am Weltmarkt ordern wird, wie das noch bis zum Frühjahr 2021 der Fall war. Zudem ist davon auszugehen, dass die Schweinefleischerzeugung in den meisten Mitgliedstaaten aufgrund der Verluste durch hohe Produktionskosten und niedrige Erzeugerpreisen sinken wird. Darauf deuten auch die Ergebnisse der Viehbestandserhebung vom Dezember 2021 hin, die nun vollständig vorliegen. Demnach wurden Ende 2021 insgesamt 141,56 Mio. Schweine in der Gemeinschaft gehalten; das waren 4,32 Mio. Stück oder 3,0 % weniger als zwölf Monate zuvor. Noch deutlicher war der Rückgang beim Sauenbestand mit 3,6 % auf nur noch 10,85 Mio. Tiere.

Besonders kräftig bauten die Schweinehalter ihre Herden in Deutschland mit 9,4 % und in Polen mit 12,7 % ab; beide Länder sind stark von der ASP betroffen. Aber auch in Dänemark, Frankreich, Belgien und den Niederlanden hatten die Erzeuger weniger Schweine und Sauen im Stall. Gegenteilig war die Entwicklung nur in Spanien, wo der Gesamtbestand um 1,66 Mio. oder 5,1 % auf die neue Rekordmarke von 34,45 Mio. Schweinen wuchs. Zudem wurde dort die Sauenherde um 1,9 % auf fast 2,64 Millionen Tiere aufgestockt. Ein Produktionsrückgang deutet sich in Spanien damit nicht an.


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