Ferkelkastration: Wut, Ohnmacht, Kampfeslust

Heftig fallen die Reaktionen auf das Nein der Bundesländer zur Fristverlängerung für die betäubungslose Ferkelkastration aus. Das Wort Wut kommt oft vor. Aber auch die Befürworter des Verbotes sind kampfeslustig.

Heftig fallen die Reaktionen auf das Nein der Bundesländer zur Fristverlängerung für die betäubungslose Ferkelkastration aus. Das Wort Wut kommt oft vor. Aber auch die Befürworter des Verbotes sind kampfeslustig.

Nachdem die Bundesländer am Freitag das Festhalten an der Frist für die Betäubungspflicht bei der Ferkelkastration ab 1. Januar 2019 bestätigt haben, hagelt es Reaktionen darauf. Das Verbot für die betäubungslose Ferkelkastration ab 2019 war mit der Reform des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 beschlossen worden. Mehrere Bundesländer hatten jedoch versucht, eine Fristverlängerung zu erreichen, da die bisherigen Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration in der Praxis kaum Anwendung finden. Dem gab die Mehrheit der Länder eine Abfuhr. Nun steht der Ruf im Raum, dass Bundesregierung und Bundestag noch eine Fristverlängerung herbeiführen sollen. Hier die Reaktionen im Einzelnen:

Connemann und Stegemann (CDU): „Praktikable Lösungen brauchen mehr Zeit“

„Wir bedauern die Entscheidung der Mehrheit des Bundesrates. Durch die Verweigerungshaltung einiger weniger Länder wurde eine angemessene Übergangslösung verhindert. Damit haben sich diese Länder ihrer Verantwortung entzogen. Gerade die kleineren Betriebe brauchen eine Verschiebung des Zeitpunktes, ab dem die betäubungslose Ferkelkastration verboten ist. Nur so können Ergebnisse derzeit laufender Studien für die Praxis berücksichtigt werden. Und es braucht die Zeit, um geeignete Tierarzneimittel zuzulassen. Ein Inkrafttreten des Verbots zum 1. Januar 2019 ohne praktikable und marktgängige Alternativen würde zu einem Einbrechen der Sauenhaltung in Deutschland führen. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dies zu verhindern“, teilen die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, und der agrarpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Stegemann mit.

Gerig (CDU): „SPD muss sich bewegen“

„Nach dem Scheitern der Bundesratsinitiative sieht Alois Gerig, Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Bundestages nun den Bundestag am Zug, um Schaden von der Schweinehaltung in Deutschland abzuwenden. Denn besonders kleine Betriebe könnten in der Kürze der Zeit nicht auf alternative Methoden zur Ferkelkastration umstellen und würden aufgeben. „Die Koalitionsfraktionen sind gefordert, sich unverzüglich auf einen Gesetzesentwurf zu verständigen und das Verbot der betäubungslosen Kastration zu verschieben“, mahnt Alois Gerig. Insbesondere die SPD müsse sich bewegen: „Die Sozialdemokraten müssen sich fragen lassen, ob sie mehr Tiertransporte, damit weniger Tierwohl und eine Beschleunigung des Strukturwandels tatsächlich wollen“, sagte er.

Ostendorff (Grüne): „Lackmustest für Ministerin Klöckner“

„Ich habe absolut kein Verständnis für das Agieren von Bundesministerin Klöckner. Es ist ein Zeichen eigener Hilflosigkeit, dass sie heute im Bundesrat ihren Staatssekretär für die Fristverlängerung werben ließ. Ministerin Klöckner will, dass die Länder die Verantwortung zur Fristverlängerung übernehmen und damit ihr Image der freundlich lächelnden Social Media-Ministerin nicht von schrecklichen Kastrationsbildern ramponiert wird. Seit fünf Jahren ist klar, dass ab 2019 nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden darf. Und das ist auch gut so! Es wurde in den letzten Jahren schlicht verschlafen, eine Umstellung verantwortungsbewusst zu begleiten. Die Sauenhalterinnen und –halter sind ratlos und wütend, und das völlig zu Recht. Dieses Politikversagen ist unverzeihlich und peinlich. Ich fordere die Ministerin auf, in den verbleibenden 102 Tagen alle Ressourcen zu bündeln und Lösungsstrategien zu entwickeln. Das wird der Lackmustest für Ministerin Klöckner, ob sie den Herausforderungen, die das Amt des Landwirtschaftsministeriums mit sich bringt und über das Drehen von Werbefilmen hinausgeht, gewachsen ist“, sagte Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis‘90/ Die Grünen.

Konrad (FDP): „Deutsches Schweinefleisch gehört bald der Vergangenheit an“

"Wenn man ernsthaft an Lösungen interessiert ist, muss man zu Kompromissen bereit sein. Unsere Nachbarländer Dänemark und die Niederlande haben das längst verstanden und den gesellschaftlichen Wunsch nach mehr Tierwohl mit praktikablen Lösungen in Einklang gebracht. In Deutschland hingegen sind seit der Verabschiedung des Gesetzestextes vor fünf Jahren keine politischen Schritte unternommen worden. Weder wurde die Zulassung der benötigten Medikamente beantragt, noch hat man um Akzeptanz für den vierten Weg geworben. Nun stehen die Ferkelerzeuger in Deutschland vor der Situation, dass sie ab dem 1. Januar 2019 nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera haben: gesetzeswidrig handeln, indem sie weiter ohne Betäubung kastrieren; nicht mehr kastrieren, was bedeutet, dass sie ihr Fleisch nicht mehr loswerden; oder den Betrieb aufgeben, wozu sehr viele verständlicherweise tendieren. Schweinefleisch, das in Deutschland erzeugt wurde, gehört dann bald der Vergangenheit an. Keine der vorliegenden Möglichkeiten überzeugt 100-prozentig, doch für eine muss sich das BMEL jetzt entscheiden. Eine Blockadehaltung nutzt niemandem, sondern gefährdet Existenzen. Wenn man wirklich mehr Tierwohl in Deutschland will, ist jetzt eine schnelle, mutige Entscheidung der Ministerin gefragt und das Vertrauen in Forschung und Innovation, die in Zukunft noch weitere Verbesserungen für mehr Tierwohl ermöglichen werden", sagte FDP Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses, Carina Konrad.

Backhaus (SPD): „Ich gebe mich nicht geschlagen“

„Ich bin fassungslos über den Ausgang der Abstimmung. Wir haben wirklich bis zum Schluss für eine Verlängerung der Übergangsfrist gekämpft“, zeigte sich Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt, von Mecklenburg-Vorpommern enttäuscht. Die Gegner des Antrags hätten völlig verkannt, dass es hier nicht um ein „Aufschieben“ gehe, sondern um einen geordneten Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration. „Es darf doch nicht sein, dass die Schweinehalter die Einzigen sind, die in diesem Kreislauf nicht wirtschaftlich arbeiten können“, so der Minister und verwies dabei erneut auf die Verantwortung des Lebensmitteleinzelhandels. „In dieser ohnehin schon schwierigen Situation sind für die Branche die mit dem Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration verbundenen Mehrkosten nicht tragbar“, bekräftigte der Minister. Zudem seien die diskutierten Alternativen auch nicht hinreichend praxistauglich, so der Minister und verwies auf die schwierigen Absatzwege für nicht kastrierte Eber oder das Misstrauen der Verbraucher gegenüber der Impfung gegen Ebergeruch. „Wir müssen daher weiter nach gangbaren Lösungen suchen. Ich gebe mich nicht geschlagen und werde mich auf der kommenden Agrarministerkonferenz in der nächsten Woche weiter für einen gangbaren Kompromiss stark machen“, so Backhaus. Der Minister verwies zugleich auf einen Entschließungsantrag von Mecklenburg-Vorpommern, der nun in den Ausschüssen des Bundesrates beraten wird. Darin fordert er die Bundesregierung einerseits auf, alle relevanten Akteure zusammenzuführen und gemeinsam schnelle und realisierbare Lösungen zu suchen. Andererseits bittet er darin die Bundesregierung, auch die Frage der Herkunftskennzeichnung in der Entwicklung des Tierwohllabels zu berücksichtigen.

Rukwied (DBV): „Die Blockadehaltung ist nicht nachvollziehbar“

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, kritisiert die Entscheidung des Bundesrates, mit der eine Fristverlängerung für den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration abgelehnt wurde scharf: „Die Blockadehaltung der Bundesländer ist nicht nachvollziehbar und ein fatales Signal für die Ferkelerzeuger. Damit ist zu befürchten, dass viele Betriebe in Deutschland aufgeben müssen. Jetzt ist der Bundestag gefordert, schnellstmöglich eine Lösung zu suchen, damit die deutschen Ferkelerzeuger eine Zukunft haben und im europäischen Wettbewerb mithalten können.“ In Dänemark, einem bedeutenden Wettbewerber in der Ferkelzucht, ist die Lokalanästhesie zugelassen. Bereits jetzt werden über 11 Millionen Ferkel pro Jahr aus Dänemark und den Niederlanden importiert. Der Deutsche Bauernverband befürchtet, dass sich dieser Trend verstärkt.

Röring (WLV): „Wir geben den Kampf nicht auf“

„Diese Entscheidung ist ein Tiefschlag für unsere Bauern“, erklärt der Präsident des Westfälisch-Lippischen Bauernverbandes, Johannes Röring. „Sie macht uns fassungslos und wütend. Unsere Bauern verstehen nicht, warum die örtliche Betäubung, die in anderen Ländern der EU erlaubt ist und erfolgreich eingesetzt wird, in Deutschland keine Chance bekommt.“ Der Bundesrat hat sich gegen den tierschutzgerechten und praktikablen Weg der örtlichen Betäubung bei der Ferkelkastration entschieden. Ohne diesen Weg hat die Sauenhaltung in Deutschland derzeit keine Perspektive. Die Entscheidung des Bundesrats kann das Aus für viele Sauenhalter bedeuten. Gleichzeitig werden immer mehr Ferkel aus Dänemark und Holland eingeführt. Der WLV fordert die Bundestagsabgeordneten auf, jetzt sehr schnell einen Gesetzesantrag zur Fristverlängerung im Bundestag auf den Weg zu bringen, der noch rechtzeitig vor dem 1. Januar 2019 beschlossen werden kann. Gleichzeitig ist Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gefordert, alles Notwendige zu tun, um einen Strukturbruch in der deutschen Ferkelerzeugung zu verhindern“.

ISN: „BMEL und Bundestag müssen Notstand lösen“

"Ich bin fassungslos, wie unverantwortlich eine ganze Reihe von Bundesländern sich im Bundesrat verhalten hat und auf die Existenz vieler Familienbetriebe mit Ferkelerzeugung pfeift. Es scheint Ihnen egal zu sein, woher die Ferkel demnächst nach Deutschland kommen" fasst der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes seine Wut zusammen. "Jetzt muss das Bundeslandwirtschaftsministerium reagieren und die Notlage gemeinsam mit dem Bundestag lösen. Dort hat man es verbockt, dass wir mit der Zulassung von Alternativen und dem Abbau der damit verbundenen bürokratischen Hürden nicht schon viel weiter sind. Dafür gibt es genügend Belege. Jetzt liegt es in deren Verantwortung den Knoten durchzuschlagen", führt Dierkes weiter aus.

DRV: „Votum stellt Fleischwirtschaft vor Herausforderungen“

Mit großer Sorge hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) die heutige Entscheidung des Bundesrats zum Umgang mit der betäubungslosen Ferkelkastration aufgenommen. „Dass die Bundesländer keine Mehrheit für eine Fristverlängerung gefunden haben, stellt unsere Mitgliedsunternehmen und die gesamte Fleischwirtschaft in Deutschland vor enorme Herausforderungen“, sagte DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp. Der Verband setzt sich seit Beginn der Diskussion um den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration für die Lokalanästhesie als ergänzende Methode ein. „Wir bleiben dabei: Der Vierte Weg muss als eine von mehreren Alternativen möglich sein. Zudem darf das Schmerzmittel Procain nicht als unwirksam abgetan werden. Eine Anwendung durch den Tierarzt ab dem 1. Januar zum Zweck der Ferkelkastration stelle ich aufgrund der gültigen Zulassung des Präparats nicht in Frage“, so Holzenkamp weiter. Nach diesem Votum des Bundesrats setzt der Verband seine Hoffnung auf die Bundesregierung. Holzenkamp: „Wir hoffen sehr, dass sie die Dringlichkeit einer solchen Entscheidung erkennt – damit der deutsche Verbraucher auch in Zukunft heimisches Schweinefleisch essen kann.“

Tierschutzbund: „Aeikens Zusage zur Verlängerung ist eine Kampfansage“

„Alle Anträge, die die Ferkelqual verlängern wollten, haben heute keine Mehrheit erhalten. Das ist eine gute Nachricht. Jetzt aber geht der Kampf weiter, denn der Deutsche Bundestag ist als Gesetzgeber gefordert. Die Fraktionen im Bundestag haben das Gesetz vor fünf Jahren ordnungsgemäß beschlossen, das muss weiterhin gelten. Schmerzausschaltung ist nach Gesetz damit weiterhin Pflicht, alles andere wäre ein Verrat am Tierschutz und ein Verrat am Staatsziel Tierschutz. Die heutige Ankündigung des Staatssekretärs Dr. Hermann Onko Aeikens, im Namen der Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner, sich für eine Verlängerung einsetzen zu wollen, ist eine Kampfansage. Der müssen die Fraktionen im Bundestag widerstehen. Wir fordern die Bundesministerin Klöckner auf, die Aussagen ihres Staatssekretärs nicht gelten zu lassen. Das Gesetz gilt dagegen und das muss der Bundestag bekräftigen. Zudem hat der Staatsekretär als Begründung für eine Fristverlängerung nur ökonomische Interessen vorgetragen, das kann sich der Deutsche Bundestag nicht gefallen lassen und das darf auch nicht mit Blick auf das Staatsziel Tierschutz die Linie der Fraktionen im Bundestag sein. Kein Tier darf ohne vernünftigen Grund leiden und wirtschaftliche Interessen sind keinesfalls als ein solcher Grund zu akzeptieren. Es waren jetzt Jahre genug der Vorbereitung; es ist nicht mehr die Zeit der Verweigerung - das muss auch der Deutsche Bauernverband verstehen. Die vielen umstellungsbereiten Schweinehalter brauchen jetzt jede Unterstützung, um das Gesetz zu erfüllen. Alles weitere Taktieren schafft nur noch mehr Planungsunsicherheit“, kommentierte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

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von Ottmar Ilchmann

@Gebken

Hoffentlich finden Sie irgendwann mal Diskussionspartner, die Ihnen intellektuell das Wasser reichen können.

von Wilhelm Gebken

@Ottmar Ilchmann, Sie haben überhaupt Nichts verstanden und werden es auch nie

wenn Sie so weiter machen. Die AbL will eine Alternative zum DBV sein und bäuerliche Betriebe erhalten? Schön wäre es! Tatsächlich erreichen Sie genau das Gegenteil! Genau so wenig wie Sie den Sinn meiner Ausführungen verstehen, verstehen Sie die Ausführungen Ihrer Wunschgesprächspartner in der Politik. Ich habe den Eindruck, dass Sie dort lediglich vorgeführt und benutzt werden, zu unsere aller Schaden.

von Ottmar Ilchmann

@Gebken

Sie können es nennen, wie Sie wollen, Herr Gebken, meinetwegen auch Planwirtschaft. Was die AbL will, ist der Erhalt möglichst vieler bäuerlicher Betriebe. Was wollen Sie? Wenn Sie die derzeit vorherrschende Agrarpolitik, von Ihnen beschönigend Marktwirtschaft genannt, befürworten, dann befürworten Sie genau das, was Folge dieser Politik ist: Das rapide Verschwinden bäuerlicher Landwirtschaft. Das kann man ja gut finden, dann sollte man es aber auch deutlich sagen. Was tun Sie konkret für den Erhalt von Betrieben? Ich nehme Sie ausschließlich wahr als oberlehrerhaften Kommentator in diversen Medien.

von Wilhelm Gebken

@Ilchmann: Jetzt arbeiten Sie schon mit Unterstellungen

Zitat Ilchmann: "Das Problem der Marktgläubigen ist, dass sie den Markt für etwas Unabänderliches, Gottgegebenes halten." Herr Ilchmann, wer sind diese Marktgläubigen und woher wissen Sie, dass diese den Markt für etwas Unabänderliches halten? Es tut mir leid, aber mein Eindruck verfestigt sich immer mehr, dass Sie nicht wirklich wissen worüber Sie reden und dass Sie das durch Ablenkung vom Thema verschleiern wollen. Sie müssen sich wirklich einmal ernsthaft mit den Thema Preisfindung und mit dem Thema Produktionskosten auseinandersetzen und lernen diese Bereiche getrennt voneinander zu betrachten. Erst wenn Sie das geschafft haben, können Sie auch Marktwirtschaft von Planwirtschaft unterscheiden. Ich gebe Ihnen einen Tipp: In der Marktwirtschaft wird der Preis eines Produktes von seiner Verfügbarkeit und damit auch von der Verfügbarkeit seiner Vorprodukte abgeleitet. In der Planwirtschaft wird der Preis eines Produktes von seinen fiktiven Gestehungskosten abgeleitet. Fiktive Gestehungskosten deswegen, weil die Planwirtschaft keine echte Kostenrechnung kennt, also gar nicht weiß, was das Produkt tatsächlich an Kosten verursacht hat. Auch wenn ich die Forderungen der AbL so betrachte muss ich zu dem Schluß kommen, dass Sie eigentlich Planwirtschaft wollen, auch wenn Sie sich vordergründig für den Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe einsetzen.

von Bernd Müller

Wie gesagt Herr Zahn

Der Staat hält sich immer mehr aus dem Markt raus, was auch richtig ist! Wir haben leider auch keinen Eu Binnenmarkt aber das ist im Moment die kleinste Markteinheit in der wir denken müssen. Der Staat greift nicht ein, höchstens mit der Intervention. Wenn einem die Beratung dazu rät den Stall zu erweitern, dann kann es für denjenigen auch richtig sein. Er muss ja nicht. Es ist seine persönliche Entscheidung. Wenn jemand meint er kann unter den derzeitigen Bedingungen nicht mithalten, dann muss er halt ausscheiden. Es gibt meiner Meinung nach keine produktionsabhängigen Förderungen mehr. Also ist keiner gezwungen irgendwelche Mengen zu produzieren um bestimmte Gelder zu erhalten! Wo ist dort die Planwirtschaft? Und Herr Ilchmann: es spricht niemand vom Heiligen Markt! Es sind aber nun mal gewisse ökonomische Gesetzmäßigkeiten vorhanden an denen auch die Landwirtschaft langfristig nicht vorbei kommt

von Matthias Zahn

@ Müller und Gebken

Oder glauben Sie tatsächlich, nur weil niemand ein Planziel ausruft gäbe es deshalb auf EU Ebene keines?!? ALLES was in GAP/GMO festgelegt wird dient gewissen Zielen die erreicht werden sollen. Nur ist kein Politiker mehr so dumm diese öffentlich zu benennen......

von Matthias Zahn

Beispiel

Die DDR kauft Kirschen für 10 Mark das Kilo und gibt sie für 6 Mark das Kilo an den Konsumenten weiter. Die Lücke zahlt der Staat. Wir produzieren Milch für 45 ct pro Kilo, verkaufen diese für 33 ct und erhalten als (Teil) Ausgleich Betriebsprämie und Stallbauförderung. Wo liegt der Unterschied? Und dürfte es in einer marktwirtschaftlichen Ausrichtung überhaupt Stallbauförderung und Betriebsprämie geben? Nahrungsmittel sind doch genug da? Aber ich habe einen Kompromissvorschlag! Nennen wir es doch eine Marktwirtschaft mit staatlichen Zielvorgaben!

von Ottmar Ilchmann

Selbstaufgabe

Das Problem der Marktgläubigen ist, dass sie den Markt für etwas Unabänderliches, Gottgegebenes halten. Das ist er aber nicht, sondern er wird gestaltet, duch politische Vorgaben, durch das Verhalten der Marktbeteiligten und vieles mehr. Wer Eingriffe zugunsten der bäuerlichen Betriebe ablehnt, der befürwortet letztlich den rasanten Strukturwandel, wie er gerade abläuft. Leider gibt es im Gegensatz zum Milchmarkt beim Schweinemarkt keine Interessenvertretung der Erzeuger, die bei den wirklichen Ursachen der Probleme ansetzen will. Schade!

von Matthias Zahn

So....

Nun gibt es ja nur noch einen EU Binnenmarkt. Das Agrarpolitische System das wir fahren ist Planwirtschaft. Wir geben unsere produzierten Güter billiger her als uns die Produktion kostet und erhalten dafür vom Staat Prämien. Es werden zwar keine direkten Planziele ausgerufen, aber indirekt wird durch Beratung und Stallbauförderung versucht die produzierte Menge (mithilfe von Staatsgeldern) möglichst hoch zu halten. Mit dem Ziel einer Dauerüberversorgung des Marktes. Für mich ist das keineswegs ein Marktwirtschaftlicher Ansatz. Was die Abwanderung der Produktion anbelangt, haben wir in Europa unter dem Dach der GAP aber dennoch einen gehörigen Flickentepich an Regulierungen. Welcher das allgemeine Problem der Kostenunterdeckung regional (z.B. Deutschland) noch verschlimmert. Aber mit Marktwirtschaft hat das wenig zu tun, da es an der grundsätzlichen Planwirtschaftlichen Ausrichtung der GAP/GMO nichts ändert.

von Bernd Müller

Herr Zahn

Was denn nun? Plan-oder Marktwirtschaft? Das Hauptproblem, das wir haben sind doch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen innerhalb unseres Marktes, die EU. Solang wir diese Unterschiede nicht angleichen und wir immer die Vorreiter sind werden wir die deutsche Landwirtschaft an die Wand fahren. Siehe Abschaffung der Käfighaltung. Hier muss die Politik ansetzen und danach können wir uns über höhere Standards unterhalten

von Wilhelm Gebken

@Matthias Zahn: Sie behaupten, wir würden uns in einer Planwirtschaft befinden.

Dann aber beschreiben Sie die derzeitige Situation und die lässt nur einen Schluß zu, nämlich dass wir uns in einer Marktwirtschaft befinden. Was denn nun Herr Zahn? Ich glaube Ihr Problem ist folgendes: Sie verwechseln die staatlichen Eingriffe in die Produktion (z.b. Haltungsvorschriften) mit Eingriffen des Staates in den Markt, also in die Preisbildung. Sie müssen das aber deutlich unterscheiden. Nur weil der Staat vorgibt, wie viel Platz ein Tier braucht oder was auch immer, so ist das keine Planwirtschaft. Oder hat die zentrale Planungsbehörde von Frau Klöckner irgendwo eine Produktionsmenge für Schweinefleisch von 2018 bis 2023 vorgegeben? Also, ich habe kein derartiges Schreiben bekommen. Der Staat plant also nicht, wie viele Ferkel bzw. wie viel Schweinefleisch erzeugt werden. Das überlässt er dem Markt, indem dieser weiterhin auf das Angebot und auf die Nachfrage reagieren kann. Und das macht der Markt durch die Preisbildung. Dabei interessiert es den Markt aber überhaupt nicht, ob in einer Produktionsregion plötzlich Probleme (wie Kastrationsverbote) zu einer Verteuerung der Produktion führen. Solange genügend Ferkel da sind, bleibt der Preis niedrig, sobald die Produktion durch Verteuerung (Kastrationskosten) zurückgeht, steigen die Preise. Was dann dazu führt, dass andere Marktteilnehemer (Ausland, Großbetriebe) die Lücke schließen. Nochmal: Die Politik verteuert die Produktion, weil ihr andere Ziele wichtiger sind als der Erhalt der deutschen bäuerlichen Landwirtschaft. In die Versorgung des Marktes mit Schweinefleisch greift die Politik hingegen nicht ein. Wer jetzt (wie die AbL) fordert, "die Politik und die Verbände müssten dafür sorgen dass die MARKTBETEILGTEN den deutschen Ferkelerzeugern mehr Geld zahlen", genau der fordert die Einführung der Planwirtschaft.

von Matthias Zahn

Sie haben Recht Herr Müller

Deshalb wandert die Ferkelproduktion gerade nach Dänemark und Spanien ab! Soll das nun gut sein? Ich finde da läuft politisch gerade was so richtig schief!!!

von Erwin Schmidbauer

Die Tatsache, dass Isofluran noch nicht einmal eine Zulassung hat, zeigt auch eindeutig, wo gepennt wurde!

von Bernd Müller

Herr Zahn

Ich weiß nicht ob Sie es mitbekommen haben, aber der Staat zieht sich immer mehr aus dem Markt raus, was auch gut ist. Das Problem ist bloß, dass viele das noch nicht mitbekommen haben und jetzt plötzlich überrascht sind, dass die Schwankungen immer mehr zunehmen. Ein Fakt der Marktwirtschaft ist nun mal auch, dass die Produktion zum günstigsten Produzenten wandert, das wollen Sie bloß auch nicht wahr haben...

von Matthias Zahn

Herr Müller

Ich sehe uns eher in der Planwirtschaft! Möglichst viel produzieren (hohes Planziel) gefördert durch Bauzuschuss und Beratung. Und danach die Überschüsse und nicht kostendeckende Preise durch Staatshilfe wegsubventionieren! Das ist das gleiche Prinzip wie in der DDR. Nur das man sich hier um einen Marktwirtschaftlichen Anstrich bemüht. Aber gut, nennen wir es mal Marktwirtschaft. Warum produzieren dann die Landtechnikhersteller nicht mehr und geben ihre Maschinen dann zum halben Preis her? Wäre doch nur Logisch!?

von Bernd Müller

Herr Zahn

In der Marktwirtschaft!

von Matthias Zahn

@Gebken "Planwirtschaft vs. Marktwirtschaft"

"Planwirtschaft" produziert OHNE Rücksicht auf die tatsächliche Nachfrage soviel Produkte wie möglich und gleicht die Verluste (da Angebot und Nachfrage nicht funktionieren) durch Steuergelder aus. Gleichzeitig wird im System der Landwirtschaft nicht der einzelne zur Verantwortung gezogen der die Überproduktion verursacht, sondern die ganze Branche. Also auch der Betrieb der die Produktionsmenge konstant gehalten hat. "Marktwirtschaft" produziert entsprechend der Nachfrage und VERMEIDET so gut es geht Überproduktion weil der Preis und die Gewinnmarge/Profit an erster Stelle des Denkens stehen. Und weil der einzelne Marktteilnehmer bei Überoroduktion DIREKT dafür verantwortlich gemacht wird. Der Schreiner produziert die bestellten Fenster - und nicht mehr! Also Herr Gebken, in welchem System denken Sie bewegt sich die europäische Landwirtschaft!?

von Wilhelm Gebken

@Ilchmann: Ich hatte Sie doch gebeten, zunächst Ludwig von Mises zu lesen

Ihre Frage nach einem "ominösen Markt" wie Sie es nennen und Ihre völlige Unkenntnis über Preisbildung zeigen mir, dass Sie dringend Orientierung benötigen, alleine schon um die Begrifflichkeiten auseinanderzuhalten. Die klar strukturierte Denkweise von Ludwig von Mises wird Ihnen gut tun.

von Eckehard Niemann

Perspektivloses Jammern über bisher versäumte Tierwohl - und Erzeugerpreis-Strategie

Egal, ob man das Ende der betäubungslosen Kastration von Ferkeln nun angeht über Ebermast, Immunokastration, Betäubung mit Gas , Injektionsnarkose oder lokale Anästhesie: Es sind jeweils deutliche Vor- und auch Nachteile und vor allem auch zusätzliche Kosten damit verbunden. Das macht derzeit die Schwierigkeit aus, dass sich die Vertreter von Schweinehaltern, Schlachtkonzernen, Lebensmittelhandel und Politik viel zu lange Zeit gelassen haben, obwohl des Datum 31.12.2018 schon jahrelang bekannt war. ----- Die perspektivlose Strategie der Hinauszögerns und Vertagens ist auch hier wieder einmal gescheitert – zu Lasten vor allem der Sauenhalter. Statt bei jeder einzelnen der anstehenden Veränderungen immer wieder erneut zu versuchen, sie zu verzögern, wäre endlich eine umfassende Gesamtstrategie notwendig, die klar sagt, welche Art von Schweine- und Tierhaltung gesellschaftlich und politisch zukünftig gewollt und angesagt ist – mit angemessenen Übergangsfristen und einem ausreichenden Umbau-Förder-Programm. ----- Und mit einer Mengenreduzierungs-Strategie, die durch Tierschutz- und Umweltschutz-Vorgaben (und zwar EU-weit) die erzeugerpreis-drückenden Überschüsse beseitigt und zu gewinnbringenden Ferkel- und Schweinepreisen führt, in die man alle Auflagen (wie auch das Verbot betäubungsloser Kastration) bereits einrechnet und einbezieht. ----- Man kann sich dabei berufen und stützen auf Vorgaben der EU, die – wie die Schweinehaltungs-Richtlinie – endlich in nationales Recht umzusetzen sind: eben EU-weit und zunächst zumindest trilateral zwischen den Haupterzeugungsländern (wie in der Nutztier-Strategie des wissenschaftlichen Agrarbeirats des Agrarministeriums vorgeschlagen). Weil das nicht geschah, konnten andere EU-Konkurrenten mit lascheren Vorgaben als in Deutschland vorpreschen. ---- Fazit: Das Problem auch der Sauenhalter sind nicht hauptsächlich die Tierwohl-Auflagen, sondern die seit Jahren miserablen Erzeugerpreise, die solche Auflagen ruinös werden lassen. Das Problem sind Schlachtkonzerne, Weltmarkt-Exporteure, verbandelte Bauernverbands und Schweinehalter-Vertreter und Politiker, die die Erzeugerpreise niedrig halten wollen. Bauern, macht endlich Preispolitik!!! ----- Aktuell sind harte Verhandlungen angesagt, um die in Deutschland anstehenden Standards auch in anderen EU-Ländern durchzusetzen. Und Schluss mit dem perspektivlosen Versuch, ebenso lasche Vorgaben wie in anderen EU-Ländern zu erreichen! Die Debatte um Tierwohl-Label lenkt von alledem ab: Die Label sind in ihrer „Eingangsstufe“ völlig unzureichend, die „Premium-Stufen“ betreffen nur einen Teil der Tiere – und auch dies nur national. Preisbestimmend bleibt die weiterhin konkurrierende, dominierende, bisherige Niedrig-Normal-Haltung - wegen ihrer dominanten Menge und wegen der ausländischen Lieferungen: Weil mit den Labels keine wirkliche und flächendeckende Mengenreduzierung verbunden ist, werden Überschussproduktion und nicht kostendeckende Erzeugerpreise den Basispreis bestimmen. Auf die Label-Waren wird es nur einen Preis-Aufschlag geben, der die ZUSATZ-Kosten abdeckt. Das Ergebnis: Nicht-kostendeckender Basispreis plus Erstattung der Zusatzkosten ergibt auch für Label-Ware einen Erzeugerpreis unterhalb Kostendeckung… Also: Weniger ist mehr! Machen wir endlich bäuerliche Preispolitik - durch Ordnungsrecht „Klasse statt Masse“! Dieser Weg ist – trotz gesellschaftlicher Unterstützung – nicht leicht – aber: Es gibt für Bauernhöfe keinen anderen…

von Ottmar Ilchmann

@Gebken

Wer oder was ist denn der ominöse Markt, der die Preise macht, Herr Gebken? Und glauben Sie nicht, dass Politik in Märkte vielfältig eingreift? Das politische Entscheidungen Marktentwicklungen beeinflussen?

von Josef Doll

Wir sind ein " Rechtsstaat

Und da machen solche Politik wie Z. B. Die Deutsche Umwelthilfe . Das ist ein zusammenschluß von 1000 Rechtsanwälten die die Umwelt (andere Tierschutz -- Peta ) zu ihrem "Geschäftsmodel " machen . Nun das geht so : Es gibt einen Forderung Z. B. eine Ambitionnierte ( hört sich sehr gut an ) Forderung , nach niedrige NO Emisionen bei Diesel, oder beim Tierschutz. Das hört sich doch für die Meisten so ziemlich gut an oder ?? Weniger Schmerzen für Tiere , oder bessere Luft . Nun ist das durch ( auch NGO´s dürfen bei Gesetzen mitreden ) treten die Anwälte durch Klagen auf den Plan diese Vorgaben auch durchzusetzen ---- die Erfolgsaussichten liegen bei nahzu 100 % Ausenseiter sind da am besten an den Pranger zu stellen . Man sieht nicht nur die "an der Macht " stehende haben die 100 % Macht . Außer wir brauchen da wieder einen Starken Mann ist das Trump (für Amerika ) oder die A..... für DE , oder die Brexierer in GB,

von Wilhelm Gebken

@ Ilchmann, Ich zitiere Ihre eigenen Worte:

Zitat, O-Ton Ilchmann: "Es ist doch klar, dass es jetzt eine gemeinsame Anstrengung der gesamten Branche einschließlich der Politik geben muss, um praktikable Lösungen voranzubringen. (...) Statt hier einen hoffnungslosen Kampf gegen Windmühlen zu führen, wären alle Interessenvertretungen gut beraten, endlich die für eine Umsetzung von Tierwohlforderungen notwendigen besseren Erzeugerpreise einzufordern." Herr Ilchmann: Entweder der Markt macht die Preise (Marktwirtschaft) oder so wie hier von Ihnen gefordert die Politik mit der ganzen betroffenen Branche (Planwirtschaft).

von Ottmar Ilchmann

@Gebken

Wo habe ich denn staatliche Preisfestlegungen gefordert?

von Wilhelm Gebken

Herr Ilchmann bitte tun Sie mir einen Gefallen:

Bitte lesen Sie: Ludwig von Mises, "Die Gemeinwirtschaft: Untersuchungen über den Sozialismus." Ludwig von Mises ist der bedeutendste deutschsprachige Nationalökonom. "Die Gemeinwirtschaft" hat er bereits 1922 geschrieben. Das Buch ist aktueller denn je. Seine damaligen Problembeschreibungen stimmen immer noch mit dem überein, was wir heute in der politischen Landschaft vorfinden. Nach der Lektüre werden Sie nie wieder fordern, der Staat möge irgendwelche Preise festlegen. P. S.: Und auch den Herren Wenzel und Meyer werden Sie nur noch mit der Kneifzange die Hand geben.

von Wilhelm Gebken

Sie haben vollkommen Recht Herr Zahn. Und was bedeutet das?

Es bedeutet, dass ich mit meiner Einschätzung eines "Blockflötenparlaments" vollkommen richtig liege. Nur viele Bauern tappen noch so ziemlich im Dunkeln bei der Bewertung der Sympthome.

von Matthias Zahn

Ich bin kein Schweinehalter,

aber das Dilemma mit der Kastration, Düngeverordnung, Abschaffung der Milchquote ohne Anschlussregelung, Konzernhöhrigkeit der Politik (Wirtschaftsdiktatur), Liberalisierungs- und Globalisierungswahn und diverse andere Auflagen im Stallbau---- alles in den letzten Jahren unter einer oder trotz einer CDU/CSU Regierung entstanden!

von Ottmar Ilchmann

@Volker Hahn

Herr Hahn, was sind denn die Interessen der sauenhaltenden Betriebe? Es ist doch klar, dass es jetzt eine gemeinsame Anstrengung der gesamten Branche einschließlich der Politik geben muss, um praktikable Lösungen voranzubringen. Dafür hat die AbL eine Übergangszeit für die bisherige Praxis von einem weiteren Jahr gefordert. Genauso klar ist aber auch, dass in der gesamten Schweinehaltung, das betrifft nicht nur die Kastration, ein "weiter so" nicht funktionieren wird! Die Umsetzung gesellschaftlicher Forderungen und erst recht geltender Gesetze lässt sich nicht unendlich aufschieben. Statt hier einen hoffnungslosen Kampf gegen Windmühlen zu führen, wären alle Interessenvertretungen gut beraten, endlich die für eine Umsetzung von Tierwohlforderungen notwendigen besseren Erzeugerpreise einzufordern. Es kann doch nicht sein, dass in einem Wohlstandsland wie Deutschland die Kosten der Kastration mit Betäubung von wenigen Euro pro Tier nicht aufgebracht werden können! Hier stehen alle in der Verantwortung, von den landwirtschaftlichen Verbänden über die Schlachtereien und den Handel bis zu den Verbrauchern und nicht zuletzt zur Politik. Umbau der Tierhaltung ist eine gesamtgesellschatliche Aufgabe und muss von der Gesellschaft getragen werden.

von Volker Hahn

@ Ilchmann

Was haben Sie nun damit ausgesagt? Immerhin bemerkenswert, wenn jemand in der Lage ist, einen Fehler einzugestehen. Kämpfen Sie für die Interessen der sauenhaltenden Familienbetriebe?

von Wilhelm Gebken

@Ottmar Ilchmann: Bekommen Sie von der politischen Realität wirklich nichts mit oder wollen Sie nichts mitbekommen?

Herr Roettger hat völlig Recht: Die derzeitige Bundesregierung mit der Kanzlerin Merkel ist nur noch deswegen im Amt, weil einige notwendige Untersuchungsausschüsse durch die Blockadehaltung der Grünen verhindert werden. D. H. Merkel und Co. sind erpressbar, die Grünen regieren auch auf Bundesebene mit. Darüber hinaus müsste Ihnen als AbL-Vorstand doch sehr genau bekannt sein wie die Grünen über die Schweinehaltung denken. Schließlich waren Sie während der für uns Bauern schlimmen rot/grünen Regierungszeit in Niedersachsen das landwirtschaftliche Feigenblatt für die Minister Meyer und Wenzel. Und zu Ihrer Frage, ob das, was den Bauern nicht passt automatisch grün ist: Nein, natürlich nicht. Auch in den anderen Parteien, Verbänden und in Vereinen gibt es Gesinnungsethiker, die sich einen Dreck um die Realität und um die Folgen ihres Handelns scheren. Allerdings können diese Menschen ihre zerstörerische Macht erst ausüben, seit es die Verbindung der grün/linken Gesinnungsethik mit den Mainstreammedien gibt. Bisher hat die Landwirtschaft die Zerstörungen, die von diesen "Gläubigen" verursacht wurden, durch höhere Leistungen und durch Betriebsvergrößerungen kompensiert. Wie viele Betriebe müssen denn noch kaputtgehen bevor sich die AbL für die Belange der Landwirte einsetzt und aufhört irgendwelchen utopischen Wolkenkuckucksheimen hinterher zurennen?

von Renke Renken

D verkommt

zur Bananenrepublik

von Ottmar Ilchmann

@Roettger

Stellen die Grünen die Bundesregierung, oder haben sie sie gestellt, als der Beschluss zum Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration gefasst wurde? Ist mir entgangen! Meines Wissens sind auf Bundesebene seit mehr als zehn Jahren Landwirtschaftsminister von der CSU, jetzt seit einem halben Jahr von der CDU im Amt. Oder ist alles, was Ihnen nicht passt, automatisch grün? Eine Frage, die sich auch die vielen Liker mal stellen sollten!

von Heinrich Roettger

Frau Klöckner , haben Sie Mut , wie Herr Backhaus aus MV.

Die grosse Koalition aus roten und schwarzen Landwirtschaftsministern steht in den Bundesländern.Wenn Bundesministerin Klöckner jetzt kneift , wird der Frust der CDU/CSU Wähler übermächtig über die Union hinwegfegen!

von Heinrich Roettger

Unglaublich, wie die grüne Bundespolitik in die einzelnen Länder hineinregiert.

Liebe Bauern glaubt es endlich: Die grüne Bundespolitik will keine Fristverlängerung und opfert lieber die kleinen Sauenhalter. B A S T A !!!

von Jörg Meyer

Grüner Ostendorff nicht kontruktiv

Herr O soll doch mal selbst sagen wie er sich die Zukunft vorstellt und was er besser getan hätte in wenn er hätte bestimmen können? Da,kommt nix als heiße Luft und Unwissenheit! Die populistische Idee den Handel,kurz vor der entscheiodung aufzufordern "Hormanfleisch" zu verkaufen ist ein übler Trick und entlarvt die Hilflosigkeit der Grünen, wenn es zu Sache geht! Also Herr Ostendorf: Butter bei die Fische, was soll denn ab 1. Januar passieren, was wolllen Sie ganz konkret!

von Willy Toft

In Deutschland brauchen wir stets Dampf auf den Kessel, um zu agieren!

Um alle Interessenlagen unter einem Hut zu bringen, bedarf es einer Göttlichen Eingebung! Der Tierschutz überzieht wie immer, und die Bundesländer haben kein Rückrat, für die Ferkel- Erzeuger eine praktikable Handhabung umzusetzen! In Europa setzt sich die Lokalanästhesie durch, und Deutschland verpennt diesen gangbaren Weg!!

von Wilhelm Gebken

Es hat Methode, nicht nur die Schweinehaltung wird an die Wand gefahren

Hier erfahren wir Bauern am eigenen Leib, was es heißt, Leuten ausgeliefert zu sein, die in ihrem ganzen Leben noch nie mit der Realität in Berührung gekommen sind, sondern vom Kindergeld über Ausbildungs- bzw. Studienunterstützung direkt bei einer Vollalimentation aus Steuergelder gelandet sind. Unabhängig davon, ob als Beamter, Angestellter im öffentlichen Dienst oder in dessen Dunstkreis oder in Parteien, was letzendlich auch der Steuerzahler auszugleichen hat. Die Abschaffung der Sauenhaltung auf diesem Wege ist gesamtgesellschaftlich gesehen sogar ein ziemlich kleines Symptom, dass sich z. B. in der Abschaffung des Diesels und damit der deutschen Autoindustrie im Großen fortsetzt. Das Muster der Proteste und die Vorgehensweise der Gegner sind immer dieselben. Dasselbe gilt für Wohnungsbau, Straßenbau, Schienenbau, Ausbau von Industriestandorten, selbst für die schulische Bildung. Ablesen , was derzeit genau passiert kann man an den großen Unternehmen. Diese verlagern ganz langsam aber unaufhaltsam ihre lukrativen Geschäftsfelder und ihre Forschung an geeignete Standorte auf der ganzen Welt, während man nur die Geschäftsfelder in Deutschland belässt, die irgendwann, entweder durch Verbote oder weil nur noch unqualifiziertes Personal zur Verfügung steht, auslaufen lässt. Die derzeit hohen Aktienausschüttungen sind kein Zeichen von hohen Gewinnen, sondern von fehlenden Investitionen.

von Heinrich Esser

Zitat des ehemaligen Ministers Schmidt (19.05.17)

„Wir werden die Lokalanästhesie mit aller Kraft durchsetzen“. Dann hat man hier anscheinend komplett versagt, an Lösungen wurde jedenfalls nicht gearbeitet. Anstattdessen geht es jetzt wieder los, den anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, aber so läuft ja Agrarpolitik heute.

von Wilhelm Grimm

Amoklauf der Unwissenden !!!!!

Es geht nicht um die Sache, es geht um Macht und politische Willkür.

von Gerd Uken

Wo ein Wille ist ist bekanntlich auch ein Weg

Haben denn alle Beteiligten geglaubt das der 1.1.2019 so vorübergeht und alles bleibt wie es ist? Da will ich die Berufsvertretung nicht ausschließen die haben’s doch auch gewusst. Wie sagte unsere Ministerin 101 Tag noch bis zur Deadline und dann??

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