Nutztierhaltung

Prof. Vogler: „Ich würde auf höhere Haltungsformen umstellen“

Handelsexperte Prof. Vogler sagt: Vom Trend hin zu mehr Tierwohl und Regionalität werden die Bauern mittelfristig profitieren. Sie müssen aber viel mehr Infos zu ihren Produkten liefern.

Prof. Dr. Thomas Vogler ist Experte für Handelsmanagement, Handelsmarketing und Handelscontrolling der Business School an der TH Ingolstadt. Er beschäftigt sich mit Kunden- und Verbraucherverhalten. Zuvor war er 20 Jahre lang in leitenden Positionen im Einzelhandel tätig. top agrar sprach mit dem Experten über Haltungsformkennzeichnung, Ernährungstrends und Psychologie beim Fleischverkauf.

Viele Bauern sehen sich als reine Rohstofflieferanten, denen der LEH die Preise diktiert. Wie beurteilen Sie die Rolle der Landwirtschaft innerhalb der Wertschöpfungskette?

Vogler: In der Wertschöpfungskette sind Landwirte als Urproduzenten von Lebensmitteln im Vergleich zur Handelsstufe eigentlich der wichtigere Teil. Denn wenn die Bauern nichts produzieren, kann der Handel nichts verkaufen. Durch die zunehmende Konzentration auf Handelsseite haben sich die Verhandlungspositionen in den letzten Jahrzehnten allerdings deutlich verschoben. Klarer Verlierer sind die Bauern.

Ich bin mir aber sicher, dass sich das Blatt wieder zugunsten der Landwirte wenden wird. Ihre Verhandlungsposition wird stärker, denn immer mehr Verbraucher denken beim Thema ­Lebensmitteleinkauf um. Eine wachsende Zahl ernährt sich bewusster und will wissen, woher ihr Essen kommt.

Also werden die Landwirte bei Preisverhandlungen künftig wieder Forderungen stellen können?

Vogler: Auf der bäuerlichen Seite sind die Strukturen stark zersplittert. Außerdem sind zwischen Bauern und Handelskonzernen noch andere Verarbeitungsstufen am Geschäft beteiligt. Deshalb wird es sicherlich noch ein paar Jahre dauern, bis die Landwirtschaft wieder so eine starke Verhandlungsposition einnimmt, dass die Bauern die Preise ­diktieren bzw. mitdiktieren können. Der Zug rollt aber.

Lebensmittelhändler setzen verstärkt auf Themen wie Tierwohl und Regionalität. Spielt das den Bauern in die Karten?

Vogler: Wenn der Handel weiterhin auf diese Themen setzt, dann braucht er regionale Lieferanten. Das ist die Chance der Landwirte vor Ort, weil dann nicht mehr nur die Größe bzw. Liefermenge zählt, sondern Aspekte wie Nähe, Regionalität usw. für den Händler wichtiger werden. Und diese Aspekte kann nur der Landwirt liefern.

Wie können Landwirte das Thema ­Regionalität ihren Händlern vor Ort schmackhaft machen?

Vogler: Die Landwirte sollten aktiv den Kontakt zu selbstständigen ­Lebensmitteleinzelhändlern in ihrer Region suchen und mit ihnen eine Strategie besprechen. Auch die örtlichen Metzgereien sind potenzielle Ansprechpartner. Denn die Fleischereien können sich durch regionale Produkte sehr gut von Discountern und Supermärkten abgrenzen.

2.000 € für eine Weinflasche sollen suggerieren, dass die Flasche für 60 € günstig ist. Funktioniert diese Strategie auch bei Fleisch? Steigt der Absatz für Ware aus Haltungsform 3, wenn ich zusätzlich teuren Parma- oder Ibérico-Schinken in der Theke anbiete?

Vogler: Die Mechanismen bei der Preiswahrnehmung sind in allen Warengruppen dieselben. Wenn ich in eine Fleischtheke im Supermarkt Schnitzel in drei verschiedenen Qualitäten mit drei unterschiedlichen Preisen lege, dann wird sich die...

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