Bayern

Schlachthof: Bio-Zulassung für Vion

Nach erfolgreichem Prüfverfahren wurden in den Vion-Schlachthöfen in Landshut und Vilshofen erste Bio-Schweine geschlachtet.

Die Nachfrage nach Bio-Fleisch steigt rasant. Allein im Segment Schweinefleisch stieg der Absatz in Deutschland 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 48,9 % auf 11.534 t. Noch deutlicher ist die Entwicklung bei Rind: Laut GfK (Gesellschsaft für Konsumforschung) stieg der Bio-Anteil hier innerhalb eines Jahres um 57,8 % auf 16.071 t. Sortenübergreifend erreichte Biofleisch damit hierzulande erstmals einen Marktanteil von knapp drei Prozent.

Regionale Lieferketten

Laut Dr. Stephan Kruse, Direktor Landwirtschaft von Vion, ist die Nachfrage nach Bio-Fleisch sogar weit höher und kann selbst mit verfügbaren Importen nach Deutschland nicht ausreichend bedient werden. Zudem widerspreche sich Bio und Import. Dass Vion jetzt seine Schweineschlachtbetriebe in Landshut und Vilshofen durch eine unabhängige, neutrale Zertifizierungsstelle biozertifizieren zu ließ, hat aber noch andere Gründe.

„Einerseits bieten wir nach der erfolgreichen Prüfung nun mit der durchgängigen Bio-Zertifizierung all unserer bayerischen Betriebe nach den Rinderbauern auch den Schweinhaltern kurze Wege an, die Bio und Regionalität verbinden“, erklärt Franz Schwaiger, Verkaufsleiter Süd in der Business Unit Pork von Vion. „Und mit den neu zugelassenen Standorten Vilshofen und Landshut sowie unserem Betrieb in Crailsheim können wir in einem geschlossenen Kreis aus Nachhaltigkeit, Regionalität und Bio jetzt gemeinsam mit den Landwirten und unseren Kunden in Süddeutschland verstärkt regionale Bio-Konzepte erarbeiten“.

Vom niederländischen Groenlo aus steuert Vion seit 40 Jahren die Aktivitäten seiner Konzerntochter „De Groene Weg“, dem heute zweitgrößten Biofleisch-Anbieter Europas. Das Konzept dahinter hat Vion deutschen Landwirten erst zur „Biofach“ im Februar, der Weltleitmesse für ökologische Konsumgüter in Nürnberg, vorgestellt: den Aufbau weiterer nachhaltiger und nachfrageorientierter Lieferketten auch in Deutschland.

Großes Interesse der Landwirte

„Natürlich sind Bio generell und konkret Programme wie Der Grüne Weg (DGW) für jeden Landwirt zunächst eine Frage der Einstellung. Aber mit unbefristeten Laufzeiten, quartalsweisen Preisvereinbarungen und festen Abnahmeverpflichtungen für uns und den Handel stellen ausgewogene Lieferketten entlang der Bioschweine-Haltung für Bauern auch eine wirtschaftlich hochinteressante und handfeste Alternative dar“, erklärt Dr. Stephan Kruse. Gemeinsam mit DGW-Direktor Allard Bakker führt Kruse seither bundesweit Gespräche mit interessierten Landwirten. Beispielhafte Zusammenarbeitsmodelle findet man nicht nur in der Zusammenarbeit von Vion mit inzwischen 110 Bio-Bauern in den Niederlanden. Vorbilder liefert längst auch die Biorind-Fleischvermarktung von Vion in Bayern.

So macht zum Beispiel „Allgäuhof“ deutlich, wie weit „regional“ bei Vion wirklich in die Region geht. Für das Programm des heimischen Lebensmitteleinzelhändlers V-Markt und dessen ca. 40 Filialen beliefert die Erzeugergemeinschaft Kaufbeuren den Vion-Betrieb Buchloe mit Färsen und Ochsen aus der Allgäuer Bio-Landwirtschaft. Ergebnis: „Vom Bauern über den Schlachtbetrieb bis zur Kühltheke im Handel – in der kompletten Lieferkette bleibt bei diesem Programm beispielhaft alles immer in Schwaben“, so Franz Schwaiger. „Und in dem selben Sinne korrespondiert die BioZulassung unserer Betriebe Landshut und Vilshofen bei Vion ab sofort auch im Bereich Schwein mit dem signifikant zunehmenden Verbraucherwunsch nach Bio aus der Region“.

Die Redaktion empfiehlt

Mehr Bio auf den Teller

„BioBitte“ will 20 % Ökolebensmittel in öffentlichen Kantinen erreichen

vor von Annegret Grafen, bioland-Fachmagazin; ad

In der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung stecken große Potenziale für den Bio-Markt. Auch im Geschäftsbereich des BMEL sind die Bio-Anteile durchaus zu steigern.

Unterernährt, mit Gelenkproblemen und Abszessen am Euter: So kamen Rinder bei einem Schlachthof an, der die Behörden informierte. Der Bauer kontert: Beamte hätten keine Ahnung von Bio-Richtlinien.

Immer weniger Schlachtunternehmen konkurrieren um eine abnehmende Zahl an deutschen Schlachtschweinen. Die Diskussion um Margen in der Kette muss jetzt zum Ergebnis geführt werden, fordert die ISN.