Kastrations-Alternativen

Tierärztekammer: Anästhesie lernt man nicht im Crashkurs!

Die Bundestierärztekammer (BTK) lehnt den Verordnungsentwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL), wonach Sauenhalter die Isoflurannarkose zur Kastration nach einer entsprechenden Schulung künftig selbst durchführen dürfen, entschieden ab.

Bei der Frühjahrs-Delegiertenversammlung der Bundestierärztekammer Ende März in Berlin haben sich die Teilnehmer in einer gemeinsamen Erklärung eindeutig gegen den Verordnungsentwurf von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zur Isofluran-Anwednung ausgesprochen. Der Entwurf, der zurzeit den Verbänden zur Stellnungnahme vorliegt, sieht vor, dass Landwirte die Narkose mit dem Inhalationsgas Isofluran künftig selbst durchführen dürfen. Voraussetzung ist eine theoretische und praktische Schulung mit entsprechender Prüfung zum Erwerb eines Sachkundenachweises.

Jede Narkose sei immer mit einem Risiko verbunden und beim Tier, ebenso wie beim Menschen, ein hochkomplexer Vorgang, der nicht nur die Durchführung, sondern auch die Vorbereitung, Überwachung und Nachsorge des Patienten umfasst, argumentiert die BTK. „Auch das Erkennen und Behandeln von Narkosezwischenfällen, wie Atemdepression oder Herz-Kreislaufstillstand, erfordern tierärztlichen Sachverstand“, erklärte dazu Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der BTK. Voraussetzung dafür sei das Studium der Tiermedizin. Nicht ohne Grund sei in Deutschland die Durchführung von Narkosen bei Wirbeltieren nach § 5 des Tierschutzgesetzes Tierärzten vorbehalten.

Die Bundesregierung plane aus rein wirtschaftlichen Interessen eine Änderung dieser Situation. Das BMEL beabsichtige, den Tierhaltern die Durchführung einer Anästhesie in einem 6-stündigen Crashkurs zu vermittelt. Die dafür notwendige Sachkunde, die Veterinäre im langjährigen Studium erwerben, könne so keinesfalls erlernt werden! Die Bundesregierung nehme Schmerzen, Leiden sowie den Tod von Ferkeln bewusst in Kauf und verstoße somit gegen das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz.

Ganz abgesehen davon belaste das Narkosegas die Umwelt, denn Isofluran sei ein Treibhausgas, das die Ozonschicht zerstöre. Außerdem komme es zu arbeitsschutzrelevanten Belastungen für die Anwender. Unwohlsein und Übelkeit seien dabei noch die geringsten Beeinträchtigungen. Auch die Schädigung der Leber, anaphylaktische Reaktionen und Herzstillstand seien bekannte Nebenwirkungen von Isofluran.

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Artikel geschrieben von

Henning Lehnert

Redakteur Schweinehaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Ueli Kleck

Dumme Lümmel diese Bauern oder verbildete Tierärzte

Isofluran einfüllen, Temperatur beachten, Dichtigkeit prüfen, ausreichende Belüftung und Absaugung, Ferkel in die Maske einführen, vorprogrammierte Zeit abwarten.... nein das kann ein deutscher Landwirt nicht (Vorsicht Ironie). Tote Ferkel durch Narkose? Ich habe selbst über 10000 Ferkel in einem Narkosegerät kastriert. Verluste? Null Nada Nichts. Gruss aus der Schweiz.

von Christian Vering

Was denn nun

Naja wie denn nun. Kastration ohne Narkose geht nicht . Ebermast wird finanzielle abgestraft. Injektionsnakose hat langen Nachschlag. Improvak ist genauso wie die Ebermast unwirtschaftlich. Bleibt eigentlich nur noch dänische oder holländische kastrierte Ferkel kaufen. Und was mach dann die deutschen Ferkelerzeuger ? Was bilden sich diese BTK eigentlich ein wer sie sind. Wir sind in knapp zwei Jahren genau so weit wie im Oktober letzten Jahres. Komischerweise können unsere Schweizer Kollegen mit der Isofurannakose umgehen aber wir deutschen Ferkelerzeuger sind angeblich zu dumm dafür.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Lernfähig!

Mit fast den gleichen Argumenten lehnten die Sauenhalter diese Methode ab, aber erfolglos. Vielleicht lernt die BTK jetzt noch daß der s.g. Vierte Weg so wie er in DK und NL schon durchgeführt wird, die beste Altenative ist.

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