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Brauchen AMS-Betriebe die Milchleistungsprüfung noch?

Etliche Milcherzeuger mit Melkroboter überlegen, aus der Milchleistungsprüfung (MLP) auszusteigen. Zwei Landwirte diskutieren.

Lesezeit: 4 Minuten

Etliche Milcherzeuger mit Melkroboter überlegen, aus der Milchleistungsprüfung (MLP) auszusteigen. Zwei Landwirte diskutieren.



PRO




Seit etwa sechs Jahren  melkt ein Automatisches Melksystem (AMS) unsere Kühe. Es erfasst die Milchmenge und auch das Viertelgemelk jeder Kuh sowie die Leitfähigkeit, die Bluterkennung und den Ausmelkgrad zur Beurteilung der Eutergesundheit.


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Auf die MLP möchten wir aber nicht verzichten. Denn sie erfasst zusätzlich die Milchinhaltsstoffe, den Harnstoffwert und die Zellzahl jeder Kuh. Neuerdings enthält der MLP-Bericht auch eine Ketose-Warnung.

Wir nutzen die MLP-Daten deshalb intensiv für die Zusammenstellung und Optimierung der Futterrationen und zum Teil auch für das Herdenmanagement. Mithilfe der MLP kann ich besser die Eutergesundheit der Einzeltiere einschätzen und früher Stoffwechselprobleme erkennen.



Die MLP ist auch die Voraussetzung dafür, dass die Leistungsdaten in den Abstammungsnachweisen lückenlos sind. Bei einem Verzicht auf die Leistungsprüfung wäre ich züchterisch erheblich eingeschränkt.

So könnte ich nur noch in geringem Umfang oder gar kein Zuchtvieh mehr verkaufen. Das würde für unseren Betrieb einen Nachteil bedeuten, weil wir pro Jahr 15 bis 20 Jungkühe, fünf Kalbinnen und fünf bis acht Bullen für den Natursprung vermarkten. Das entspricht jedes Jahr einem Erlös im mittleren fünfstelligen Bereich. Darauf möchten wir ungern verzichten.


Die 1 400 €, die wir jedes Jahr für die MLP unserer 80 Kühe ausgeben, sind gut investiertes Geld.

Sie ermöglicht uns, unser Zuchtvieh zu vermarkten und erleichtert unser Management. Die Folge davon wiederum ist eine bessere Tiergesundheit.



Um die MLP für Roboterbetriebe attraktiv zu halten, sollte der Landeskontrollverband eigene Shuttles für die Probenahme einsetzen. Die Anschaffung eines Shuttles schreckt vie-

le Milcherzeuger ab. Zudem sollte das LKV den Landwirten die MLP so einfach wie möglich anbieten, sodass wenig zusätzlicher Arbeitsaufwand entsteht.


CONTRA



Wir haben seit 2016 ein Automatisches Melk-system (AMS) von Lely, das bei jeder Melkung von jeder Kuh den Fett-, Eiweiß- und Laktosegehalt erfasst. Außerdem misst es die Zellzahlen, die Melkgeschwindigkeit und den Leitwert jedes Euterviertels.


Wir mussten die Daten aller Melkungen seit der letzten MLP an das Bayerische Landeskuratorium für tierische Veredelung (LKV) schicken, aber den gleichen Betrag wie jeder andere Betrieb bezahlen. Bei uns sind das im Jahr 1 200 €.



Zusätzlich hätten wir uns auf eigene Kosten ein Shuttle zur Milchprobe für 3 500 € pro Melkeinheit besorgen sollen. Weil sich das LKV in Bezug auf einen Preisnachlass nicht gesprächsbereit zeigte, bin ich aus der MLP ausgestiegen. Hinzu kamen auch technische Probleme mit dem Probenahmegerät.

Für unser Herdenmanagement liefert uns der Roboter ausreichend Daten. Uns stehen die Daten nach jeder Melkung sofort zur Verfügung und nicht erst nach zwei Wochen wie bei der MLP.



Der für uns zuständige Herdenmanager der Roboterfirma hat uns eine „MLP-Seite“ eingerichtet, die der des LKV sehr ähnelt. Diesen Bericht drucken wir einmal pro Monat aus und heften ihn ab. So können wir alle Daten wie bei der MLP vorweisen.


Der einzige Wert, der fehlt, ist der Harnstoffgehalt pro Kuh. Hier nehmen wir den Wert aus der Tankmilch, der bei jeder Milchabholung ermittelt wird.



Als Wermutstropfen sehe ich, dass keine gezielten Paarungen mehr möglich sind, von denen wir bisher aber nur drei bis sechs pro Jahr hatten. Auch die Vermarktung von Zuchttieren ist eingeschränkt, weil es schwierig ist, Tiere ohne MLP-Nachweise zu verkaufen. Die AMS-Daten wären für die Zuchtverbände und Besamungsstationen eine große Chance. Denn es sind Zahlen, die weder verändert noch beschönigt werden können.


Das LKV sollte die MLP-Kosten für AMS-Betriebe anpassen und dort nur noch bis zu zweimal im Jahr eine MLP durchführen, um die AMS-Ergebnisse zu kontrollieren bzw. zu kalibrieren.

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