Österreich

Die Jugend sagt Nein zum Wolf

Nach Wolfsrissen in der österreichischen Urlaubsregion Matrei spricht sich auch die Landjugend Osttirol gegen eine Ausbreitung des Wolfes aus.

Im österreichischen Osttirol kam es im Mai wiederholt zu Rissen von Schafen. Nach DNA-Analyse bestätigte sich der Verdacht, dass es ein Wolf aus einer italienischen Population war.

Nun hat sich die Landjugend Osttirol zum Thema Wolf geäußert: „In Gesprächen mit Vereinsmitgliedern, Freunden und Bekannten hört man eines sehr deutlich heraus: Die Sorge ist groß. Das beginnt bei den Jungbauern, die überlegen, ob sie ihre Schafe, Ziege und Kühe dieses Jahr überhaupt auf die Alm bringen können“, berichtet Bezirksobmann Simon Staller aus Matrei gegenüber top agrar Österreich.

Von Seiten des Landes wird empfohlen, die Tiere mit Elektrozäunen zu schützen. Darüber hinaus soll das Vieh in der Nacht im Stall untergebracht werden. Und weiter erklärt Staller: "Wer aber die Situation vieler unserer Weidehalter kennt, der weiß, dass dies kaum umsetzbar bzw. zuzumuten ist. Die Problematik beim Herdenschutz geht aber noch viel weiter. Da eine Einzäunung auf vielen Almen gar nicht denkbar ist, bleibt nur die Möglichkeit, die Herden mittels Herdenschutzhunden zu schützen. Ohne hier auf die ganze Kostenproblematik einzugehen, bleibt auch noch ein anderes nicht unwesentlicheres Problem, nämlich der Tourismus! Können Touristen in Zukunft noch ohne weiteres in unseren Bergen wandern? Von den notwendigen Herdenschutzhunden geht nämlich eine weitere Gefahr aus. Ganz zu schweigen davon, wie unsere Almen und Berge aussehen, wenn sie nicht mehr von den Nutztieren abgegrast werden", so der Bezirksobmann.

Weitreichende Folgen, nicht nur für Jungbauern

Und Bezirksleiterin Manuela Leiter gibt zu bedenken, dass sich nun jeder selbst die Frage stellen könne, ob ein Miteinander von Landwirtschaft, Tourismus und Wolf in Osttirol möglich ist. "Wollen wir weiterhin gepflegte Almlandschaften, die auch touristisch genutzt werden können?"

Eine Ausbreitung des Wolfes hat ihrer Ansicht nach zur Folge, dass die Bauern früher oder später die Almen nicht mehr bewirtschaften. So komme es zu einer kompletten Verwilderung der Almen und infolge wahrscheinlich auch ganzer Talschaften. Die Auswirkungen für die Bevölkerung seien weitreichend. Dazu zählen fehlender Erosionsschutz durch nicht beweidete Gebiete. Mangelnde Photosynthese-Leistung und weniger CO2-Bindung würden den Klimawandel vorantreiben. Schließlich fehlten die regionalen Produkte in gewohnter Top-Qualität, argumentieren die beiden.

„Die Osttiroler Jungbauernschaft/Landjugend ist klar gegen eine Ausbreitung des Wolfes im Bezirk und fordert von den Interessensvertretern eine zeitnahe Lösung des Problems!“, beziehen die Bezirksobleute Stellung. „Denn hier geht es um unsere Bauernfamilien, Hofübernehmer sowie den Osttiroler Tourismus und nicht zuletzt um die gesamte ländliche Bevölkerung.“

Wirkungsvolles Wolfsmanagement gefordert

Zu der von der Gemeinde Matrei am 18. Mai verfassten und am 27. Mai an das Land Tirol übermittelten Resolution, in der ein "wirkungsvolles Wolfsmanagement durch das Land Tirol in Form einer Entnahme" gefordert wird, sagt LH-Stellvertreter Josef Geisler: "Wir nehmen die Ängste der Bevölkerung und die Sorgen der Tierhalter sehr ernst und beobachten die Situation genau."

Durch den hohen EU-Schutzstatus für große Beutegreifer seien dem Wolfsmanagement rechtlich aber äußerst enge Grenzen gesetzt. Innerhalb des EU-Rechtsrahmens habe man in Tirol bereits alle Voraussetzungen geschaffen. Für die Resolution sei das Land Tirol somit der falsche Adressat, sie werde deshalb an das EU-Parlament und den Nationalrat weitergeleitet sowie dem Petitionsausschuss des Tiroler Landtags zur Kenntnis gebracht. "Seitens des Landes werden wir weiterhin unser Möglichstes tun", versichert Geisler.