Düngeverordnung

Güllezusätze bringen's nicht, sagt Bayerns Landwirtschaftsministerium

Neun Verbände von BBV bis AbL machen sich für Ausnahmen von der Schleppschuhpflicht stark. Jetzt antwortet das Bayerische Landwirtschaftsministerium.

Ein Sprecher des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums reagiert gegenüber top agrar Südplus auf die Forderungen von neun bayerischen Verbänden, Ausnahmen von der Pflicht zur bodennahen Gülleausbringung laut Düngeverordnung zuzulassen. Der Bayerische Bauernverband, die bayerischen Bioverbände, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Fachverband Biogas sowie fünf weitere Verbände pochen darauf, dass der Freistaat "alternative Verfahren" zulässt. Dies ist laut Düngeverordnung möglich, wenn die Verfahren die Ammoniakemissionen bei der Gülleausbringung genauso senken wie die bodennahe Ausbringung.

Am Landwirtschaftsministerium in München hat man offenbar nur bedingt Verständnis für den Vorstoß. "Wir nehmen die Sorgen der Landwirte sehr ernst", sagt ein Sprecher, fügt aber hinzu: "Die Landwirtschaft ist mit 95 Prozent aller Ammoniakemissionen Hauptverursacher." Man stehe im Fokus der Öffentlichkeit und müsse alle Potenziale ausschöpfen, um die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung bezüglich Ammoniakreduktion zu erreichen.

Gülle im Gras? Freistaat untersucht Futterhygiene

Das Ministerium verweist darauf, dass es bereits umfangreich geforscht hat, wie sich die neue Gülleausbringtechnik praxisgerecht nutzen lässt und ob z.B. Güllezusätze in der Lage sind, die Ammoniakverluste gleichwertig zu reduzieren. "Zu Fragen der Optimierung einer emissionsarmen und praxisgerechten Gülleausbringtechnik hat unser Haus bereits umfangreiche Forschungsprojekte in Auftrag gegeben, die in der Übergangsfrist für Grünland bis 2025 zum Abschluss kommen. Dabei werden auch der Einfluss der Gülleapplikationstechnik auf die Futterhygiene und mögliche Zusatzstoffe zur Emissionsminderung weiter untersucht", so der Sprecher.

Güllezusätze überzeugen das Ministerium nicht

Bezüglich der Güllezusätze ist das Fazit des Ministeriums aber ernüchternd. Viele Praktiker haben gute Erfahrungen mit Stoffen wie Effektiven Mikroorganismen, Leonardit oder Gesteinsmehl gemacht. Die Chancen, dass sie als Alternative zur bodennahen Ausbringung zugelassen werden, stehen aber offenbar nicht gut: "Leider konnten die vielen Güllezusätze mit Ausnahme von konzentrierter Schwefelsäure den Nachweis einer gleichwertigen Ammoniakreduzierung bisher nicht erbringen", resümiert das Ministerium seine bisherige Forschungsarbeit.

Das Ministerium hätte sich wohl gewünscht, dass die Branche sich früher auf die neuen Vorschriften einstellt. "Die Vorgaben zur Ausbringtechnik und den Übergangsfristen für bestelltes Ackerland und Grünland sind seit vielen Jahren bekannt", so der Sprecher weiter.

Vorgaben halb so wild?

Die Dringlichkeit des Anliegens der Bauern sieht das Ministerium offenbar nur bedingt. "Für Ackerland ist unbestritten, dass die Technik funktioniert. Das belegt die kontinuierliche Steigerung der Inanspruchnahme unserer KULAP-Maßnahmen zur emissionsarmen Wirtschaftsdüngerausbringung auf über 545.000 Hektar im Jahr 2018. Auch im Grünland wird sie bereits erfolgreich eingesetzt."

Insbesondere für Grünland, wo die Vorgabe erst ab 2025 gilt, hält das Ministerium die Technik aber dem Anschein nach noch nicht für vollständig praxisreif: "Für Grünland muss die Übergangszeit sowohl von den Landwirten, den Landtechnikherstellern als auch durch unsere Verwaltung genutzt werden, sich weiter intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen", sagt der Sprecher.

Parallel habe Bayern früh vorläufige Ausnahmen aufgrund agrarstruktureller und naturräumlicher Gründe festgelegt, um den Landwirten Planungssicherheit zu geben. Die mit den Vorgaben verbundenen Probleme unterschätze man also gewiss nicht.

Originaltext

Lesen Sie hier unsere Fragen und die Antworten im Original:

Nehmen das Ministerium und die Landesanstalt für Landwirtschaft das Verbändepapier zum Anlass, ihre Bemühungen hinsichtlich der Anerkennung alternativer Verfahren (§6 Abs. 3 Düngeverordnung) zu intensivieren? Wenn ja, wie?

Landwirtschaftsministerium: Unsere Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen zum Vollzug der gesetzlichen Vorgaben zu definieren und Unterstützung bei der Umsetzung der zulässigen Technik für die Landwirte zu leisten. Zu Fragen der Optimierung einer emissionsarmen und praxisgerechten Gülleausbringtechnik hat unser Haus deshalb bereits umfangreiche Forschungsprojekte in Auftrag gegeben, die in der Übergangsfrist für Grünland bis 2025 zum Abschluss kommen.

Dabei werden auch der Einfluss der Gülleapplikationstechnik auf die Futterhygiene und mögliche Zusatzstoffe zur Emissionsminderung weiter untersucht. Nicht nur wir, sondern viele andere Organisationen wie Landtechnikhersteller und Landmaschinenschulen setzen sich seit Jahren mit der Thematik auseinander. (top agrar hat ja immer wieder darüber berichtet). Leider konnten die vielen Güllezusätze mit Ausnahme von konzentrierter Schwefelsäure den Nachweis einer gleichwertigen Ammoniakreduzierung bisher nicht erbringen.

Dass sich hier neun, teils nicht in dieselbe Richtung arbeitende landwirtschaftliche Interessensverbände zu einer gemeinsamen Stellungnahme durchgerungen haben, belegt, wie viel Druck auf die Landwirte die Vorschriften zur bodennahen Gülleausbringung gemäß Düngeverordnung auslösen. Hatte das Ministerium die Sorgen und Probleme der Praktiker bezüglich dieser Vorschrift unterschätzt?

Landwirtschaftsministerium: Die Umsetzung der düngerechtlichen Vorgaben ist insgesamt eine große Herausforderung. Wir nehmen die Sorgen der Landwirte daher dabei sehr ernst. Die Vorgaben zur Ausbringtechnik und den Übergangsfristen für bestelltes Ackerland und Grünland sind seit vielen Jahren bekannt. Für Ackerland ist unbestritten, dass die Technik funktioniert. Das belegt die kontinuierliche Steigerung der Inanspruchnahme unserer KULAP-Maßnahmen zur emissionsarmen Wirtschaftsdüngerausbringung auf über 545.000 Hektar im Jahr 2018.

Auch im Grünland wird sie bereits erfolgreich eingesetzt. Für Grünland muss die Übergangszeit sowohl von den Landwirten, den Landtechnikherstellern als auch durch unsere Verwaltung genutzt werden, sich weiter intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Darüber hinaus hat Bayern frühzeitig vorläufige Ausnahmen aufgrund agrarstruktureller und naturräumlicher Gründe festgelegt, um den Landwirten Planungssicherheit zu geben. Gleichzeitig wurden umfangreiche Forschungsvorhaben zu der Thematik auf den Weg gebracht. Die mit den Vorgaben verbundenen Probleme wurden und werden also gewiss nicht unterschätzt.

Man darf nicht verkennen: Die Landwirtschaft ist mit 95 Prozent aller Ammoniakemissionen Hauptverursacher. Wir stehen also im Fokus der Öffentlichkeit und müssen am Ende alle Potenziale ausschöpfen, um die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung zu erreichen.


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Neue Düngeverordnung

Bayern: Große Bauernallianz gegen Schleppschuh

vor von Claus Mayer

In einem einzigartigen Schulterschluss stellen sich neun bayerische Landwirtschaftsverbände von Bauernverband bis AbL gegen die Pflicht zur bodennahen Gülleausbringung.

Im Interview mit Südplus erklärt Rudolf Rauscher, wie er sich gegen die Auflage wehren möchte, Gülle ab 2025 nur noch bodennah auszubringen. Gemeinsam mit weiteren Allgäuer Bauern hat er eine...


Diskussionen zum Artikel

von Lucia Egner

Reale betriebliche Meßergebnisse statt Berechnungen

Man fragt sich warum Dr. Mantel und co. so stur sind? Bei der Düngeberechnung werden betriebliche Ergebnisse der Gülleuntersuchung verwendet. Warum soll das bei der Ausbringung nicht auch funktionieren??? Wer belegen kann, dass seine Gülle mit Zusatz eine geringe Ausgasung hat, ... mehr anzeigen

von Sabine Scheurlen-Hamel

Güllezusätze

Güllezusätze bringens wirklich! Warum setzten denn LfL und Regierung erst am Ende der Verfahrenskette an. Durch Fütterungsmanagment und einer Kombination von Güllezusätzen schaffen wir es heute sicher bereits am Anfang der Verfahrenskette nämlich schon im Stall die Ausgasungen von ... mehr anzeigen

von Thomas Folger

Warum wird die Zugabe von Wasser nicht zugelassen?

LfL und Ministerium verarschen uns mal wieder von hinten bis vorne. Sie selbst waren es, die uns schon vor Jahrzehnten gelehrt haben, dass das Bindungsvermögen durch die Zugabe von genügend Wasser mit Breitverteilung mindestens so gut abschneidet als die streifenförmige Ausbringung. ... mehr anzeigen

von Jens-Martin Keim

Emissionsminderung Grünland 4% - Armutszeugnis

Wir sollten uns schon darüber alle im Klaren sein, dass eine Emissionsreduktion NH3 mit Ausbringtechnik Schleppschuh gegenüber Breitverteilung bei 5 cm Graslänge bei gerade einmal 4% liegt !!!!! Das sind KTBL Studien - finanziert durch die Bundesrepublik !!! Das ist keine ... mehr anzeigen

von Michael Lechner

Die Kirche im Dorf lassen

Herr Mantel , natürlich hat jeder seine Sichtweise auf die Dinge und das ist auch gut so. Aber wenn ich mir die von Ihnen vorgeschlagene Technik in der Praxis ansehe, fällt mir die starke Zunahme der Gemeinen Rispe in den Fahrspuren dieser PS-Monster auf die seit Jahren bei den ... mehr anzeigen

von Siegfried Mantel

Keiner muss mit Schleppschuh fahren, Güllezusätze bringen nichts sh. Untersuchungen Spitalhof 1999-2004st einschlitzen seit 92 Pflicht, beste Lösung fürs Günland

In den Niederlanden wird Gülle seit 1992 eingeschlitzt, der Schleppschlauch wurde dort 1989 verboten und der Schleppfuss mit Ausnahme von ca. 3 % Moorstandorten auch, seit 3 Jahren ist der Schleppfuss nun dort auch auf diesen Flächen verboten, da es heute selbst für diese Standorte ... mehr anzeigen

von Erwin Imschloss

Schleppschuh kein Problem

Ich fahr seit 2 Jahren mit Schleppschuhen auf Äcker und und Wiesen. Ich konnte eine wesentlich bessere N-Wirkung feststellen und dadurch mein Düngerkonto entlasten. Die Wiesen müssen allerdings im Frühjahr abgeeggt werden. Außerdem dürfen die Ausbringmengen nicht zu groß sein, ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

@Keim

Vielen Dank für eure Arbeit!!!

von Rudolf Rößle

Gülle

für Grünland wird dann auf Dauer separiert werden oder Bodenprallteller werden kommen.

von Jakob Lechner

Güllezusätze bringen nichts???

Der Ansatz gerade bei den Gesteinsmehlen setzt eigentlich schon früher an. Die passenden Produkte mit futtermittelrechtlicher Zulassung und entsprechender Aufbereitung (Mahlfeinheit, Wasserfreiheit) (z. B. ZEOSAN) werden an die Tiere gefüttert und führen so schon zu der Verbesserung ... mehr anzeigen

von Jens-Martin Keim

Güllezusätze bedürfen weiterer Forschung

Man möge doch bitte beachten, dass eine der Wiederholungsvarianten bei Gesteinsmehl bei den zitierten Versuchen der LFL bessere Ergebnisse erzielten, als die Schwefelsäure. Angreifbar sind die hohen Temperaturschwankungen während der biologischen Verstoffwechslung, die unrealistisch ... mehr anzeigen

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen