Tierhaltung

Kaniber verspricht Schweinhaltern in Bayern Unterstützung

Um die heimische Nutztierhaltung und die regionale Produktion zu erhalten, will Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sichere Zukunftsperspektiven für Familienbetriebe schaffen.

„So schwierig wie zurzeit war die Lage für die bayerischen Schweinehalter noch nie. Die Belastung insbesondere der Ferkelerzeuger ist extrem hoch“, sagte die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber beim Besuch eines Ferkelerzeugerbetriebs im niederbayerischen Fürstenzell.

Es gehe um den Erhalt der heimischen Nutztierhaltung und der regionalen Produktion. Das sei nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern eine existenzielle Standortfrage. „Wir müssen gerade den Familienbetrieben eine sichere Zukunftsperspektive geben“, unterstrich Kaniber.

Auf dem Hof der Familie Aue informierte sich die Ministerin über die aktuelle Lage. Im Gespräch stellte Betriebsleiter Manfred Aue diese anhand seines Betriebes mit 350 Zuchtsauen und 800 Mastplätzen dar:

„Jeder Mäster, der keine Direktbeziehung zu einem Abnehmer hat, gibt seine Schweine an einem normalen Schlachthof ab. Da herrschen die Marktbedingungen. Wenn die Preise schlecht sind und der Mäster nicht viel erlösen kann, wird der Druck knallhart auf die Ferkelerzeuger zurückgegeben. Da ist man einfach der Letzte in der Kette.“ Wenn sich an der Situation nichts ändere, sei die Ferkelerzeugung in Bayern gefährdet: „Der normale Ferkelerzeuger mit einer Durchschnittsgröße von 100 Zuchtsauen hört entweder auf oder steigt auf ein geschlossenes System inklusive Mast um. Mit der reinen Ferkelerzeugung geht es nicht mehr.“

Wir waren 2015 schon auf dem Betrieb Aue, hier unsere Reportage

Druck durch Corona, ASP und gesetzliche Vorgaben

Die Schweinehalter leiden derzeit unter erheblichen Einschränkungen in den Schlachtbetrieben aufgrund der Corona-Pandemie. Durch das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland und den damit verbundenen dramatischen Preiseinbrüchen sei eine kostendeckende Schweinehaltung nicht mehr möglich. Die Bauern kommen zusätzlich durch die geänderten gesetzlichen Vorgaben zur Kastenstandhaltung, zur Kastration und zum Kupieren unter Druck.

Investitionsförderungsprogramme von Bayern und Bund

„Wir lassen keinen alleine“, entgegnete Kaniber Auers Ausführungen. „Wir versuchen momentan alles, was geht, an Unterstützung und Fördermöglichkeiten auszuarbeiten und zu geben – bis zu einem Höchstwert von 40 %“ Konkret setze sie auf eine attraktive Ausgestaltung der Investitionsförderprogramme von Bayern und dem Bund. Das Stallumbau-Förderprogramm der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die bayerische Einzelbetriebliche Investitionsförderung (EIF) und das Bayerische Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL) seien besonders wichtig, damit die Betriebe existenzfähig bleiben. Zudem werde den schweinehaltenden Betrieben durch eine Schwerpunktberatung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) gezielt geholfen.

Hohe Erwartungen setze die Ministerin in die Umsetzung der Vorschläge der sogenannten Borchert-Kommission, die Empfehlungen zur Unterstützung einer zukunftsfähigen Schweinehaltung in Deutschland vorgelegt hat. „Diese Vorschläge bieten die Möglichkeit, zum Nutzen der Verbraucher wie der Erzeuger, mit einer Prämie mehr Tierwohl zu unterstützen. Unser Ziel ist, dass die Ställe der Zukunft in Bayern stehen.“


Diskussionen zum Artikel

von Heinz Ohlmeyer

Hygieneauflagen verletzt

Unabhängig von den fachlichen Inhalten des Besuches bin ich immer wieder erstaunt, dass die Politiker die grundlegenden Hygienevorschriften beim Betreten eines Schweinestalles grob fahrlässig verletzen. Und dieses sogar in der ASP-Krise. Medienwirksame Darstellung scheint mehr im Kopf ... mehr anzeigen

von Klaus Jensen

Dieser Kommentar wurde aufgrund eines Verstoßes gegen unsere Netiquette entfernt. Wir haben den Autor darüber per E-Mail informiert. Wir bitten Sie, Kritik sachlich zu formulieren. Danke, die top agrar Redaktion.

von Stefan Gruss

Nun ist es auch in Bayern soweit....

.....mit 40% Investitionsförderung will man sich freikaufen um dann die Landwirte in Zukunft weiter nach belieben bevormunden zu können. Selber schuld wer da mit macht! Sollen doch die Gutmenschen selber ihre Ferkel kastrieren und aufziehen, dann wissen sie endlich wie gut sie es hatten...

von Anton Heukamp

Sehr schöner Kommentar. Wir sollen 40% nehmen und haben danach immernoch eine Verzinsung, die weit unter dem Üblichen der Industrie und des Gewerbes liegt. Das am besten auf 20 Jahre finanziert, unkalkulierbare Risiken inklusive. Für wie bescheuert die Politik uns hält, sehen wir. ... mehr anzeigen

von Fritz Gruber

Wie

Sagt man bei uns in Bayern dampfplauderer sprich leeres Gerede wir brauchen auskömmliche Preise und keine blödsinnigen Auflagen

von Wilhelm Grimm

Nettes Bild, Frau Kaniber !

Aber sie hätten bei der Gelegenheit auch zeigen können, wie einfach es ist , ein Ferkel zu kastrieren.

von Günter Schanné

Wenn es nur in Bayern endlich soweit wäre,

dass Gutmenschen ihre Ferkel selber aufziehen, dann bekämen die Ferkel ausreichend Platz und Beschäftigung. Die Kastration erfolgte per Immunokastration, die Mast auf Stroh und mit Auslauf ins Freie, die Schlachtung beim lokalen Metzger um die Ecke. Die Fleischkonzerne wie Tönnies, ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Bayern scheint immer etwas besonderes zu sein

Borchert Zukunftsvisionär........ Der Rest von Deutschland ist aber nicht unter Gänsen ausgebrütet!!

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