TU München macht Hans Eisenmann-Zentrum zum World Agricultural Systems Center

Die Digitalisierung wird zum Leitmotiv der Agrarforschung an der TUM-Weihenstephan, legt die neue Zielvereinbarung der Uni mit dem Wissenschaftsministerium fest. Bauernpräsident Heidl ist zufrieden.

Die Digitalisierung wird zum Leitmotiv der Agrarforschung an der TUM-Weihenstephan, legt die neue Zielvereinbarung der Uni mit dem Wissenschaftsministerium fest. Der Bayerische Bauernverband begrüßt dies.

Die Technische Universität München (TUM) will unter dem Leitmotiv Digitalisierungam am „World Agricultural Systems Center – Hans Eisenmann-Forum“ die Chancen der digitalen Technologien nutzen, um die agrarwissenschaftlichen Kompetenzen des Life Science-Zentrums Weihenstephan durch die Bio- und Ingenieurwissenschaften einschließlich der Informatik zu befruchten.

Dieser fakultäts- und standortübergreifende Strategieansatz sei an der TUM realisierbar, weil sie wie keine andere Universität über das hierfür erforderliche komplette Fächerspektrum verfügt, so die TUM. Folgerichtig sei „Agrar – 4.0“ zum Leitgedanken der Zielvereinbarung, die Staatsministerin Prof. Marion Kiechle und Präsident Prof. Wolfgang A. Herrmann jetzt in Kraft setzten, geworden.

„Ernährung, Landnutzung und Umwelt sind Jahrhundertthemen von globaler Bedeutung.“, sagte Staatsministerin Prof. Kiechle beim Abschluss der Zielvereinbarung. „Die agrarwissenschaftliche Forschung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Lösung gesellschaftsrelevanter Probleme wie die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln oder Industrie- und Energierohstoffen. Dabei birgt die digitale Transformation der Gesellschaft auch und gerade für die Agrarwissenschaften besondere Chancen und Herausforderungen. Darauf reagieren wir mit der Zielvereinbarung.“

Präsident Prof. Herrmann sieht die Agrarwissenschaften im Gesamtkontext der Universität: „Die TUM verfügt heute über ein außergewöhnlich breites und hochdifferenziertes Fächerportfolio, das den Agrarwissenschaften interdisziplinäre Horizonte zu eröffnen gestattet. Diese Chancen müssen jetzt aber auch wahrgenommen und gelebt werden.“ Als Beispiele nannte er die Bio- und Geoinformatik, die Genomforschung, die Boden-, Klima-, Wasser- und Biodiversitätsforschung, den TUM Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit, die Ernährungsmedizin und Lebensmittel-Systembiologie (Leibniz-Institut der TUM) sowie nicht zuletzt die einzigartige Kompetenzdichte der TUM in den Computer- und Ingenieurwissenschaften.

Diese Chancenvielfalt sei nunmehr proaktiv zu nutzen, um „auch die Agrarwissenschaften im Ganzen zu einem Powerhouse der TUM werden zu lassen“. Der Präsident erinnerte beispielhaft an die Prägewirkung der Nanotechnologien und schnellen Datenverarbeitung auf die Steuerung, Regelung, Optimierung und Automatisierung agrarwirtschaftlicher Produktionsprozesse. Für das GPS-basierte „Precision Farming“, das heute längst in aller Munde sei, sei Prof. Auernhammer von der TUM einer der internationalen Pioniere gewesen – vor mehr als 20 Jahren, als die Computer noch langsam und die Sensoren viel unempfindlicher waren als heute.

Agrarwissenschaften auf Digitalisierungskurs

Die neue Professur „Digital Agriculture“, für die eine international hochkarätige Besetzung angestrebt wird, soll die neue Ausrichtung des Hans Eisenmann-Forums als „World Agricultural Systems Center“ auf den Weg bringen und koordinieren. Über den neuen Schwerpunkt der Digitalisierung hinaus wird die Einrichtung wie bisher als zentrale Plattform für den Dialog und die Kommunikation mit den verschiedensten Bereichen der Agrarwissenschaften, Agrarwirtschaft, Politik, Gesellschaft und Verbänden fungieren. In einer „TUMagrar Zukunftswerkstatt“ sollen dort wichtige Zukunftsfragen formuliert und Empfehlungen erarbeitet werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Zielvereinbarung ist der Ausbau der agrarwissenschaftlichen Forschungsstationen. Bereits in der konkreten Planung ist die grundlegende Modernisierung der Nutztierhaltung am Standort Thalhausen bei Freising. In naher Zukunft soll auf dem Life Science-Campus der TUM in Freising-Weihenstephan ferner ein Forschungsneubau „Zentrum für Integrierte Infektionsprävention“ an den fachlichen Schnittstellen zwischen den Tierwissenschaften, der Medizin und der Informatik entstehen. Ein entsprechender Antrag im Forschungsbauverfahren nach Art. 91 b GG ist in Vorbereitung.

Die TUM befürwortet in der Zielvereinbarung die fachlich abgestimmte Zusammenarbeit mit den benachbarten Einrichtungen am Standort Weihenstephan, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Landesanstalt für Landwirtschaft.

Master-Studierende strömen nach Weihenstephan

Weitere Maßnahmen der Zielvereinbarung betreffen die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, der digitalen Lehre, der Zusammenarbeit mit der beruflichen Praxis, und einer national sowie international wirksamen Öffentlichkeitsarbeit. Hierfür stellen das Bayerische Wissenschaftsministerium, das Landwirtschaftsministerium, die TUM sowie ihre Freisinger Fakultät jährlich insgesamt rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung; während der Laufzeit der Zielvereinbarung wird eine Aufstockung auf 2,7 Mio. Euro angestrebt. „Den Löwenanteil leistet das Wissenschaftsministerium, um Bayern zum führenden Lehr- und Forschungsstandort der modernen Agrarwissenschaften zu machen“, sagte Staatsministerin Prof. Marion Kiechle bei der Unterzeichnung der Zielvereinbarung. „Der überproportionale Zugang von Master-Studierenden aus anderen Universitäten zeigt, dass wir auf den richtigen Weg sind“, ergänzt Prof. Thomas Becker als Dekan der Fakultät.

Heidl zufrieden

„Wissenschaftsministerin Prof. Marion Kiechle, TU-Präsident Prof. Wolfgang A. Herrmann und Dekan Prof. Thomas Becker setzen damit ein starkes und deutliches Zeichen für den Wissenschaftsstandort Weihenstephan“, sagt der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl.

In Bayern seien mehr als ein Drittel der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Betriebe angesiedelt. Die Zukunftssicherung der Agrar- und Gartenbauwissenschaften sei daher für den Bayerischen Bauernverband und die gesamte bayerische Agrarwirtschaft deshalb ein zentrales Anliegen.

„Digitalisierung, globaler Handel, die Sicherung der Welternährung, die nachhaltige Bewirtschaftung von Flächen sowie Biodiversität und Klimaschutz stellen enorme Herausforderungen an die Land- und Forstwirtschaft“, so Heidl. „Um den gesellschaftlichen Aufgaben und ökonomischen Ansprüchen gerecht werden zu können, müssen innovative Ansätze in der Nahrungsmittelproduktion mit verantwortungsvollem Handeln und Denken kombiniert werden. Dafür nötig sind die entsprechenden Forschungen, gepaart mit einem attraktiven und praxisbezogenen Studien- und Ausbildungsangebot.“


World Agricultural Systems Center  soll Zusammenarbeit am Campus fördern


Der Bayerische Bauernverband sei deshalb stolz darauf, dass in Weihenstephan Wissenschaft, Forschung und Praxis interdisziplinär und global vernetzt denken und arbeiten, um Lösungen für die Anforderungen der Zukunft zu finden. Gemäß der neuen Zielvereinbarung wird die „TUMagrar Zukunftswerkstatt“ als innovativer Think Tank zukunftsorientierte Themen der Land- und Forstwirtschaft wissenschaftlich begleiten. Gleichzeitig wird mit dem „World Agricultural Systems Center – Hans Eisenmann-Forum“ ein Institut etabliert, das international wettbewerbsfähig ist und die Kooperation der am Campus Weihenstephan vertretenen Einrichtungen intensiviert und auf die Vernetzung von Forschung und Praxis hinwirken kann.


„Nicht nur die Land- und Forstwirtschaft, sondern das gesamte Agribusiness in Bayern ist auf herausragende und universitär ausgebildete Fachkräfte angewiesen“,  betont Bauernpräsident Heidl. Weihenstephan gilt mit seinem universitären Angebot bereits jetzt als herausragende Talentschmiede und Herkunftsort vieler Experten. Insbesondere die Agrarökonomie ist aus Sicht der Agrarwirtschaft ein elementares und unverzichtbares Studienangebot.

„Der Bayerische Bauernverband setzt sich nachdrücklich für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Agrarwissenschaften ein und sieht die neue Zielvereinbarung als entscheidende Investition in eine zukunftsfähige Agrar- und Gartenbauwissenschaft. Wir freuen uns darauf, die Forschung und Entwicklung in Weihenstephan weiterhin unterstützen und begleiten können.“

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