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topplus Heutrocknung

Alles für das Heu

Heu zu machen, ist immer herausfordernd – besonders auf den nassen Böden Norddeutschlands. Familie Bruns hat sich deshalb entschieden, eine Heutrocknung zu bauen.

Lesezeit: 4 Minuten

Der Heukran kommt mit einer Greifzange voll Heu aus der Halle gefahren und lässt seine Ladung in den Futtermischwagen fallen. Eine Szene, wie sie in Bayern üblich ist. Nur dass diese Heutrocknung nicht in Bayern steht, sondern seit 2018 auf dem Biolandbetrieb Hof Butendiek von Familie Bruns in Seefeld, Landkreis Wesermarsch – 1 km vor dem Wattenmeer.

Warum braucht man in Norddeutschland eine Heutrocknung? Für guten Käse. Seit 30 Jahren käst Maike Cornelius-Bruns mit Milch der eigenen Kühe. Dabei gab es häufig im Winter Probleme. Schuld waren Clostridien, die sich in der Silage anreicherten. So konnte oft kein qualitativ guter Käse hergestellt werden. Eine Futterumstellung auf Heu löste das Problem. Doch die eigene landgetrocknete Heumenge reichte nicht für den gesamten Winter und Bio-Heu zuzukaufen, war teuer. Die Lösung: Herde und Fütterung teilen. 15 Jahre lang gab es über den Winter eine Silage- und eine Heu-Herde. Die Silagemilch ging an eine Bio-Molkerei, die Heumilch in den eigenen Käse. Über das Jahr verarbeitet der Betrieb rund zwei Drittel der Milch von den 170 melkenden Kühen als Frisch- und Schnittkäse. Den Frischkäse vermarktet der Hof Butendiek deutschlandweit, meist in Bio-Supermärkten.

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Das Grünland-Konzept

Richtig zufrieden war Niklas Bruns, einer der jungen Betriebsleiter, nicht mit dem landgetrockneten Heu: „Die Energieverluste sind einfach viel zu hoch.“ Selten wurde das Heu richtig trocken, oft hat es reingeregnet. „Außerdem spielte mein Vater schon 15 Jahre lang mit dem Gedanken, eine Heutrocknung zu bauen.“ Seit Mai 2018 ist die Trocknung in Betrieb und die Grundfütterung auf 100% Heu umgestellt. Die Anlage läuft fünfmal im Jahr, zu jedem Schnitt ca. eine Woche. Wichtig ist der Schnittzeitpunkt, bei 50 bis 75% Trockenmasse (TM). „Das Gras ist dann so weit, wenn es für die Silage fast zu trocken ist“, erklärt Niklas Bruns. Nach der Mahd trocknet es zwei Tage auf den Flächen. Dann wird geschwadet und das Gras mit dem Ladewagen an die 80 m lange Halle gefahren.

Hier ist die Heutrocknung untergebracht, drei große Boxen fassen Gras von 50 bis 80 ha, je nach Ertrag. Insgesamt lassen sich 16000 m³ lagern.

Mit dem Heukran verteilt Niklas Bruns das angetrocknete Gras möglichst homogen in einer Trocknungsbox. Dann läuft die Anlage ca. drei Tage für 24 Stunden. Mindestens fünf Tage muss das Heu nachtrocknen, um auch die letzte Feuchtigkeit aus den Internodien herauszuziehen. Dafür läuft die Trocknung ein bis zwei Stunden am Tag.

Nur warme Luft, sonst nichts

Das Heu liegt in den Boxen auf einem doppelten Boden. Ein Ventilator bläst Luft von unten durch das Heu. Die Luft nimmt Feuchtigkeit aus dem Heu mit und wird über einen Lufttrockner geleitet, in dem das Wasser kondensiert. Die nun trockene Luft wird zurück in den Luftstrom geleitet und kann erneut Feuchtigkeit vom Heu aufnehmen.

Während dieses Prozesses erwärmt sich die Luft langsam um 5 bis 10°C. Sie kann dann noch mehr Feuchtigkeit transportieren. Wenn die Sonne scheint, kommt zusätzliche Wärme über die Dachabsaugung: Die Luft unter dem Blechdach der Halle erhitzt sich, wird an einer zentralen Stelle abgesaugt und dem Luftstrom zugeführt. Extra Heizenergie braucht die Trocknung nicht.

Vorteil Heutrocknung

Ein bisschen Heu ist aus dem letzten Jahr noch übrig. Niklas Bruns nimmt sich zwei Handvoll und zieht die Halme auseinander: „Sieht das nicht super aus“ Und das tut es: Fast noch leuchtend grün, kaum staubig und mit ganzen Kleeblüten und -blättern. Bei der Ernte gibt es kaum Bröckelverluste. Auf Messer am Ladewagen verzichten die Bruns deshalb auch. Untersuchungen bestätigen die Qualität. Der Energiegehalt im Heu liegt zwischen 5,9 und 6,3 MJ NEL/kg TM.

Mit einem Investitionsvolumen von 1 Mio. € ging die Familie ein hohes Risiko ein. Aber bislang hat es sich gelohnt: Die Trocknung läuft, die Kühe lieben das Heu, und die Milch bringt besten Käse. Weil Familie Bruns mit einer Heutrocknung im Norden auch besonders innovativ ist, hat sie den Inno4Grass-Award (siehe Kasten) gewonnen.

Ganz auf Silage verzichtet der Betrieb dennoch nicht. Bei unserem Besuch Anfang Mai sind 35 ha Gras in Silageballen gelandet. Eigentlich sollte es Heu werden, dann kam ein Regenguss – und nun gibt es Silageballen für die Rinder.

So passt sich der Betrieb immer wieder an. In diesem Jahr lässt die Familie beim Mähen erstmals 3-m-Streifen an den Gräben stehen. „Das bleibt für die Insekten“, erklärt Niklas Bruns. Beim nächsten Schnitt mäht er den Streifen und lässt einen anderen stehen – für die Heuqualität macht das keinen Unterschied.

friederike.mund@topagrar.com

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