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Wundermittel oder Placebos?

Lesezeit: 10 Minuten

Die Pflanzenproduktion steht unter einem enormen Kostendruck. Was liegt also näher, als teure Pflanzenschutzmittel mit Substanzen zu mischen, die eine erhebliche Reduzierung des Mittelaufwandes bei gleichbleibend guter oder noch besserer Wirkung versprechen? Dies ist der Grundtenor bei der Produktbewerbung im Bereich der Zusatzstoffe. Stichhaltige Aussagen, objektive Bewertungen und eindeutige Empfehlungen sind hierbei weitgehend nicht vorhanden. Der einzelne Anwender steht daher bei der Entscheidung für oder gegen einen Zusatz beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weitgehend hilflos gegenüber. Zusätze brauchen keine Zulassung Laut Pflanzenschutzgesetz sind Zusatzstoffe dazu bestimmt, Eigenschaften oder Wirkungen von Pflanzenschutzmitteln zu verändern und damit zu verbessern. Sie dürfen bei sachgerechter Anwendung keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier, das Grundwasser und den Naturhaushalt haben. Für den Vertrieb ist lediglich eine Registrierung erforderlich, eine Wirksamkeitsprüfung erfolgt allerdings nicht. Düngemittel zählen nicht zu den Zusatzstoffen. Dies ist eine eher allgemeine bzw. rechtliche Definition. Aus fachlicher Sicht werden Zusatzstoffe auch als Additive oder Adjuvantien (engl. Standardbegriff Adjuvant) bezeichnet. Sie grenzen sich damit von Formulierungshilfsstoffen bei der direkten Produktformulierung ab, obwohl hierfür häufig die gleichen chemischen Substanzen verwendet werden. Im deutschsprachigen Raum hat sich der Begriff Additiv für einen Zusatzstoff zur Spritzlösung eingebürgert. Davon leitet sich auch die Bezeichnung Additiv-Effekt für eine positive Beeinflussung bei der Tankmischung von verschiedenen Präparaten bzw. Substanzen ab. Als Zusatzstoffe zur Spritzlösung haben Additive die Aufgabe, die Wirkstoffmischung im Tank, den Spritzstrahl und das Verhalten des Spritzbelages zu optimieren. Obwohl es die Werbung häufig verspricht, können Additive nicht alle diese Funktionen gleichzeitig erfüllen. Viele Zusatzstoffe haben aber dennoch mehrere Wirkpotentiale. Zusatzstoffe wirken unterschiedlich Nach den einzelnen Hauptwirkungen können verschiedene Additiv-Gruppen unterschieden werden. Netzmittel reduzieren die Oberflächenspannung des Spritzmitteltropfens. Damit kommt es zu einer deutlich großflächigeren Benetzung der Zieloberfläche und als Folge zu einer potentiell höheren Wirkstoffaufnahme. Netzmittel sind für Kontaktmittel wie auch für systemische Pflanzenschutzmittel geeignet. Häufig gibt es mit Herbiziden besonders hohe Effekte durch einen Netzmittelzusatz. Bei Unkräutern mit einer schwer benetzbaren Oberfläche (z.B. wegen einer intensiven Blattbehaarung, sehr kleinen oder filigranen Pflanzen) oder einer stark ausgebildeten Wachsschicht kommt es durch Netzmittel zu einer guten Wirkstoffaufnahme. Die Wasserbeständigkeit des Spritzbelages wird durch Netzmittel nicht verbessert. Trotz der beschleunigten Wirkstoffaufnahme wird keine höhere Regenbeständigkeit erzielt. Mineralische und pflanzliche Öle sind klassische Netzmittel. Haftmittel verbessern die Haftung (Adhäsion) der Wirkstoffmoleküle an der Zielfläche. Dadurch werden das Abwaschen durch nachfolgenden Regen und die sekundäre Verdunstung verringert. Durch Haftmittel verringern sich auch das Abdriftrisiko und der schnelle UV-Abbau der Wirkstoffe. Aufgrund der Fixierung der Aktivsubstanz auf der Blattoberfläche sind Haftmittel allerdings kaum für systemische Pflanzenschutzmittel geeignet. Unter ungünstigen Bedingungen kann der Gasaustausch durch die Stomata beeinträchtigt werden. Polymere Substanzen sind typische Bestandteile von Haftmitteln. Penetrationsmittel ermöglichen aufgrund einer bipolaren oder nichtionischen Molekülstruktur ein schnelleres bzw. intensiveres Eindringen der Aktivsubstanzen in das Pflanzengewebe. Tenside und andere oberflächenaktive Substanzen sind daher besonders für die Kombination mit systemischen Präparaten geeignet. Neben den bereits genannten Additiven gibt es eine Reihe von Sondermitteln, die folgende Ziele erfüllen sollen: Bessere Mischbarkeit verschiedener Präparate; Verhindern von Schaumbildung; Senken oder Puffern des pH-Werts in der Spritzlösung; Verändern der Viskosität der Lösung; Mindern von Driftverlusten; Verzögerte Freisetzung/Aktivierung der Wirkstoffe aus dem Spritzbelag; Verbessern der Kulturverträglichkeit. Typische Bestandteile von Additiven sind mineralische oder organische Öle, Wachse, synthetisches Latex, organische Siliconverbindungen, Polymere, Proteine, Fette, Emulgatoren, Tenside, Talgamine, Tallowamine und N-haltige Düngerlösungen (AHL, SSA). Üblicherweise können Additive nicht nur einem Wirkmechanismus zugeordnet werden, sondern erfüllen mehrere verschiedene Funktionen. Dies gilt besonders für Produkte mit mehreren Inhaltstoffen. Einsatzkriterien Für die Anwendung von Additiven gelten im Prinzip dieselben Grundregeln wie beim Einsatz der Pflanzenschutzmittel selbst: Die Auswahl des Zusatzstoffes sollte zielorientiert erfolgen. Das heißt: Das beste Mittel für den jeweiligen Zweck auswählen und nicht wahllos irgendein Additiv, das gerade im Pflanzenschutzmittellager steht. Bei Werbeaussagen wie mit allen Pflanzenschutzmitteln mischbar, Mitteleinsparung bis 50 % möglich, gesteigerte Wirkung und bessere Verträglichkeit sollten Sie grundsätzlich skeptisch sein. Denn: Additive sind tatsächlich keine Wundermittel! Beim Einsatz sind die Vorgaben der Produktbeschreibung des Zusatzstoffes und der Pflanzenschutzmittel für die Tankmischung genau zu berücksichtigen. Dies gilt bereits für die Hinweise zum Anmischen im Spritzmittelbehälter. Nur so sind positive Effekte, Schonung der Umwelt und eine bessere Wirtschaftlichkeit gleichermaßen gewährleistet. Sie sollten sich auch von dem Gedanken verabschieden, mit Zusätzen erheblich an Aufwandmenge bei Pflanzenschutzmitteln einsparen zu können. Es ist vielmehr so, dass Zusatzstoffe vorwiegend suboptimale Anwendungsbedingungen verbessern können. Oder anders ausgedrückt: Sie können das Wirkungspotential und die Wirkungssicherheit von Pflanzenschutzmitteln auch bei ungünstigen Situationen sicher stellen. Dies bezieht sich auf: Die Formulierung des einzusetzenden Präparates (z.B. sehr geringer Formulierungshilfsstoffanteil, wie etwa bei wasserlöslichen Granulaten); Die Spritzmittellösung (z. B. bei sehr kalkhaltigem Wasser mit hohem pHWert); Den Spritzstrahl (feine Tropfen bei niedriger Luftfeuchtigkeit oder auch sehr grobe Tropfen von Injektordüsen); Die Bedingungen an der Blattfläche (z. B. sehr starke Wachsschicht nach längerer Trockenperiode, schlecht benetzbare Blätter durch intensive Behaarung, weit entwickelte Unkräuter, schwer bekämpfbare Unkrautarten); Eingeschränktes Wirkungspotential (z. B. durch niedrige Temperaturen bzw. geringe Stoffwechselleistung, Wirkstoffverlust durch Regen nach der Applikation). Ein Additiv-Zusatz ist letztlich in Sonderfällen erforderlich. Bedenken Sie, dass die meisten Pflanzenschutzmittel schon ausreichend mit Formulierungshilfsstoffen ausgestattet sind. Ist ein Mittel für die allgemeinen Einsatzbedingungen bereits optimal formuliert, bringt der Zusatz eines Netzmitteles keine Verbesserung. Im Gegenteil: Dadurch kann sogar eine direktes Ablaufen des Spritzbelages verursacht werden, oder die Aufnahmeintensität kann die Kulturverträglichkeit verschlechtern. Im folgenden stellen wir Ihnen Versuchserfahrungen mit einigen Zusatzstoffen vor und geben Ihnen Empfehlungen für die Anwendung dieser Mittel. AHL und SSA Im Sinne des Pflanzenschutzgesetzes sind Düngemittel keine Zusatzstoffe. Dennoch gibt es Effekte bei der Ausbringung von Herbiziden mit AHL. Bekannt ist die Wirkungsverbesserung von blattaktiven, systemischen Herbiziden zur speziellen Bekämpfung von Klette. Bisher haben alle Klettenlabkraut-Spezialmittel in unseren Versuchen einen deutlichen AHL-Effekt gezeigt. Tatsächlich kann dadurch eine Mitteleinsparung von 25 bis 50 % der Standardaufwandmenge erreicht werden. Die gilt natürlich nur für optimale Anwendungsbedingungen. Aber auch unter ungünstigen Bedingungen kann im Frühjahr durch Herbizideinsatz in Kombination mit AHL die Klettenwirkung abgesichert werden. Die Unkrautbekämpfung in Wintergetreide im Frühjahr kann daher grundsätzlich gemeinsam mit AHL empfohlen werden. Beachten Sie die Mischungsfreigabe bei den einzelnen Präparaten. Auch SSA (Schwefelsaures Ammoniak) kann zur Wirkungsabsicherung von blattaktiven Herbiziden benutzt werden. Bei den relativ geringen notwendigen Mengen von ca. 10 kg/ha ist der Düngefekt nebensächlich. In Feldversuchen stellten wir Wirkungssteigerungen in der Kombination mit Basta (Glufosinat) und Roundup Ultra (Glyphosat) fest. Hierbei wurde vor allem die Wirkung gegen nur mittelmäßig bekämpfbare Unkräuter deutlich verbessert. Gegenüber deutlich zu schwach bekämpfbaren Unkrautarten bzw. bei zu geringer Mittelmenge war auch den SSA-Zusatz nicht effektiv. Bei beiden blattaktiven Breitbandherbiziden ist der Zusatz von SSA sinnvoll, wenn ungünstige Anwendungsbedingungen (z.B. alte Unkräuter mit starker Wachsschicht, niedrige Temperaturen und geringes Wachstum) für eine schnelle Wirkstoffaktivierung vorhanden sind. Durch SSA-Zusatz sollte auf keinen Fall die jeweils notwendige Präparataufwandmenge reduziert werden. Mineralische und pflanzliche Öle Öle als klassische Netzmittel haben sich im Rübenbau bereits langjährig bewährt, um Herbizide mit relativ geringem Formulierungshilfsstoffanteil (z.B. Präparate, die auf Wasserbasis formuliert sind), gegen Unkräuter mit harter Wachsschicht zu unterstützen. Auch bei speziellen Gräserherbiziden im Getreidebau verbessern Öle die Bekämpfungsleistung deutlich. Das neuere Gräsermittel Monitor benötigt ebenfalls ein Additiv für eine volle und sichere Wirkung. In diesem Fall scheint das empfohlene Zusatzmittel MonFast die optimale Ergänzung zu bieten. Um die volle Blattleistung von Attribut zu ermöglichen, wäre im Prinzip auch ein Additiv notwendig. Da das Mittel aber regelmäßig mit Mischungspartnern ausgebracht wird, die ausreichend Formulierungshilfsstoffe beinhalten, reicht dieser Ergänzungseffekt meist aus. Nur wenn Tankmischpartner in sehr niedriger Aufwandmenge (als wasserlösliche Granulate formuliert) kombiniert werden (z. B. Sulfonylharnstoffe), wäre ein weiteres Netzmittel sinnvoll. Die Situation, dass WG-Formulierungen Netzmittel auffressen ist wahrscheinlich auch der Grund für die Aktivierung von Terano mit Rako gegen einzelne Unkräuter. Besonders die wegen ihrer geringen Blattoberfläche schwer benetzbaren Hirsen werden dadurch deutlich besser bekämpft. Da die Kombination aus Terano und Rako vielfach durch ein weiteres Präparat für eine volle Breitenwirkung ergänzt werden muss, ist der Mischungspartner für einen Ölzusatz ausschlaggebend. Bei Ergänzungspräparaten wie z. B. Curol B oder Motivell erübrigt sich jedoch ein weiterer Ölzusatz. Für Öle als Zusatzstoffe wird vorwiegend die Kombination mit Rübenherbiziden bei ungünstigen Anwendungsbedingung empfohlen. Ähnliches gilt bei den Gräsermitteln Ralon Super (0,6 0,8 l + 1,0 l/ha Öl) bzw. Topik (0,3 bis 0,4 l + 1,0 l/ha Öl). Mineralische Öle wirken dabei etwas aggressiver als Öle auf pflanzlicher Basis. Frigate und LI-700 Diese beiden neueren und relativ universell einsetzbaren Zusatzstoffe wurden mit den Breitband-Blattherbiziden Basta (s. Übers. 3, S. 80) und Roundup Ultra getestet. Im Ergebnis verbesserten beide Additive mittlere bis schwächere Wirkungspotentiale der Herbizide gegen einzelne Unkräuter. Das bedeutet: Mit beiden Produkten kann die Wirkungssicherheit auch bei ungünstigeren Bedingungen unterstützt werden, eine Mittelreduzierung ist aber nicht möglich. Beide Additive haben auch gewisse Handicaps: LI-700 riecht durch den Propionsäuregehalt etwas streng beim Anmischen. Frigate darf nicht über die Einspülschleuse oder ein Einfüllsieb eingemischt werden. Es sollte am bessten mit warmem Wasser vorgelöst und direkt in den Tank gegeben werden. Bei Kombinationen zur Ungrasbekämpfung in Getreide oder Mais sollte die maximal mögliche Aufwandmenge nicht ausgeschöpft werden, um die Kulturverträglichkeit nicht zu stark zu belasten. Greemax und Aminomin Greemax besitzt ein aussergewöhnliches Wirkprinzip: Die kolloidalen Bestandteile bilden eine Matrix, in der die Aktivsubstanzen der Pflanzenschutzmittel eingebunden werden. Damit sollen die Mischbarkeit im Tank, die Verteilung auf dem Blatt und die Wirkstoffaufnahme optimiert werden. Unsere Erfahrungen mit Greemax waren allerdings nicht eindeutig. In Kombination mit Rübenherbiziden wurde der Mittelaufwand um rund 30 % reduziert. Dennoch erreichte diese Additiv-Kombination häufig die Wirkung der Standardanwendung (s. Übers. 2, S. 80). Die Herbizidreduzierung wurde durch Greemax also kompensiert. Bei Herbizidprüfungen in Getreide und Mais war der Zusatzstoff allerdings weniger erfolgreich. Die allgemeine Eignung als Zusatz zu Rübenherbiziden muss noch durch weitere Versuche abgesichert werden. Mit dem natürlichen Zusatzstoff Aminomin wurden bereits im Rübenbau positive Erfahrungen mit dem Nebeneffekt einer verbesserten Kulturverträglichkeit beim Herbizideinsatz gesammelt. In unseren Versuchen hat sich diese Sonderwirkung beim Einsatz eines begrenzt selektiven Maisherbizides bestätigt. Eine direkte Verbesserung der Herbizid- und Fungizidleistung konnten wir aber nicht sicher feststellen. Das Produkt kann daher nur für Anwendungsbedingungen empfohlen werden, in denen die Kulturverträglichkeit beim Herbizideinsatz eingeschränkt ist. Einige wenige Netzmittel sind auch nach den Bedingungen für Pflanzenschutzmittel zugelassen worden. Aus diesem Grund ist bei dem Rapsölprodukt Rako ein Gewässerabstand von 10 Metern zu beachten. Paraffinöle sind im Obst- und Sonderkulturanbau als Insektizide bzw. Akarizide zugelassen. Lediglich Para-Sommer ist mit dem Gräsermittel Select 240 EC auch im Ackerbau zur Ungrasbekämpfung einsetzbar. Das vor einigen Jahren relativ häufig verwendete Netzmittel Oleo FC ist ausschließlich als Zusatzstoff bei der Anwendung von Magnesium- bzw. Mangan-haltigen Blatt- bzw. Spurenelementdüngern zulässig. Eine Mehrfachkombination aus Blattdünger, Pflanzenschutz- und Netzmittel ist wegen der Kulturverträglichkeit abzulehnen. Als Ersatz für Paraffinöle könnten die Zusatzstoffe Adhäsit, Agrocer 012, Agrosom Net 5 oder Break-Thru S 240 dienen, die eine sehr gute Benetzung der Pflanzen ermöglichen.

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