Geschäftsbericht

Bayer weist wegen US-Vergleich zu Glyphosat hohen Verlust aus

Wegen dem Vergleich mit US-Klägern im Glyphosat-Streit muss Bayer Rückstellungen in Milliardenhöhe bilden. In seiner Bilanz des zweiten Quartals steht deshalb nun auch ein üppiger Verlust.

Bayer hat am Dienstag seinen Halbjahresfinanzbericht vorgestellt. Für den kürzlich geschlossenen Vergleich mit US-Klägern im Streit um Roundup muss der Chemiekonzern nun hohe Rückstellungen bilden. Bekanntlich zahlt Bayer den etwa 125.000 Klägern bis zu 10,9 Mrd. Dollar zur Beilegung des Verfahrens. Entsprechend groß ist der ausgewiesene Verlust.

Das Ergebnis liege "durch Sondereinflüsse aus Rechtsfällen bei minus 9,548 Mrd. €", teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 404 Mio. € Euro gemeldet.

Stand der Dinge in den USA

Am 6. Juli 2020 äußerte Richter Chhabria vom U.S. District Court for the Northern District of California Bedenken hinsichtlich bestimmter Bestandteile der vorgeschlagenen Sammelklägervereinbarung. Diese Vereinbarung, mit der mögliche künftige Rechtsstreitigkeiten zu Roundup geregelt werden sollen, bedarf der Zustimmung Chhabrias.

Die Parteien beschlossen daraufhin, ihren Antrag zurückzuziehen, um sich umfassend mit den Fragen des Gerichts befassen zu können. Bayer will sich nach eigener Aussage weiterhin nachdrücklich für eine Lösung einsetzen, die gleichzeitig sowohl die gegenwärtigen Rechtsstreitigkeiten zu vernünftigen Bedingungen beilegt als auch Führung und Beilegung möglicher künftiger Rechtsstreitigkeiten in tragfähiger Weise regelt.

Am 20. Juli 2020 bestätigte das kalifornische Berufungsgericht das Urteil zu dem Krebsopfer Dewayne Johnson, einem der drei Fälle, die weiterhin die Rechtsmittelverfahren durchlaufen, dem Grunde nach, reduzierte aber die Schadenersatzsumme von insgesamt 78,5 Mio. US-Dollar auf etwa 20,5 Mio. US-Dollar. Das Unternehmen will nun seine rechtlichen Optionen prüfen, einschließlich einer Revision zum Supreme Court of California.

Einigungen gab es darüber hinaus in den Verfahren zu Verwehungen von Dicamba sowie in einem wesentlichen Teil der Verfahren zu PCB (Polychlorierte Biphenyle) in Gewässern, heißt es.

Crop Science wächst in drei von vier Regionen

„Dank der Zuwächse im Agrargeschäft haben wir das EBITDA vor Sondereinflüssen gesteigert – und das unter schwierigen Rahmenbedingungen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Dienstag.

Im Agrargeschäft (Crop Science) steigerte Bayer den Umsatz wpb. um 3,2 % auf 4,802 Mrd. €. Hierzu trugen die Regionen Lateinamerika, Asien/Pazifik und Nordamerika bei. Die Division setzte im Bereich Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften wpb. 2,7 % mehr um, insbesondere durch erhebliche Mengenausweitungen in Brasilien.

Der Zuwachs bei Herbiziden belief sich wpb. auf 3,3 % – dank gesteigertem Absatz und vorgezogenen Käufen in Lateinamerika sowie einem merklich ausgeweiteten Geschäft in Nordamerika. Besonders deutlich legten Sojabohnensaatgut und Pflanzeneigenschaften zu (wpb. um 9,3 %).

Der Bereich erholte sich in Nordamerika durch einen Anstieg der Anbauflächen und Nachfrageverschiebungen aus dem 1. Quartal aufgrund von Unsicherheiten in Verbindung mit COVID-19. In Lateinamerika machte sich ein gesteigerter Marktanteil positiv bemerkbar.

Der Umsatz mit Insektiziden stieg wpb. um 4,5 %, weil das Geschäft in den Regionen Lateinamerika und Asien/Pazifik wuchs. Den prozentual deutlichsten Rückgang (wpb. 5,0 %) hingegen gab es im Bereich Gemüsesaatgut. Betroffen war vor allem Nordamerika, wo sich Nachfrageverschiebungen in die Folgequartale und die COVID-19-Pandemie negativ auswirkten. Das EBITDA vor Sondereinflüssen von Crop Science erhöhte sich um 28,4 % auf 1,365 Mrd. €. Der Anstieg ist im Wesentlichen zurückzuführen auf eine beschleunigte Realisierung von Kostensynergien aus der voranschreitenden Integration der erworbenen Geschäfte sowie einen gesteigerten Absatz.

Der Konzernumsatz verminderte sich im 2. Quartal währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 2,5 % auf 10,054 Mrd. €. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 5,6 % auf 2,883 Mrd. €. Hierin enthalten waren negative Währungseffekte in Höhe von 12 Mio. €.

Das EBIT des Bayer-Konzerns betrug minus 10,784 Mrd. € (Vorjahr: plus 785 Mio. €). Hierin sind per saldo Sonderaufwendungen in Höhe von 12,511 Mrd. (834 Mio.) € enthalten. Diese standen im Wesentlichen in Verbindung mit den Rückstellungen für die getroffenen Vereinbarungen in Bezug auf Glyphosat und Dicamba sowie PCB. Zudem resultierten Sonderaufwendungen aus Aufwendungen für Rechtsfälle bei Pharmaceuticals im Wesentlichen in Zusammenhang mit Essure und aus dem laufenden Restrukturierungsprogramm.

Das Konzernergebnis lag bei minus 9,548 Mrd. (plus 404 Mio.) €. Das bereinigte Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft stieg um 5,3 % auf 1,59 €. Der Free Cashflow belief sich auf 1,402 Mrd. (751 Mio.) Euro. Die Nettofinanzverschuldung erhöhte sich zum 30. Juni im Vergleich zum 31. März 2020 um 1,7 % auf 35,993 Mrd. €. Mittelzuflüsse aus der operativen Geschäftstätigkeit und positive Währungseffekte haben die Auszahlungen für die Dividendenausschüttung weitgehend kompensiert.

Ausblick für 2020 angepasst

In der Division Crop Science rechnet Bayer mit einem verhaltenen Start in die neue Saison 2021 in Nordamerika, zum einen infolge der pandemiebedingt reduzierten Nachfrage nach Bioenergie, Futtermittel und Fasern, welche zu einem Rückgang der erwarteten Anbauflächen führen dürfte, sowie zum anderen bedingt durch den anhaltenden Wettbewerb im Sojabohnenmarkt.

Der Konzern-Umsatz soll sich nun währungsbereinigt auf 43 bis 44 (bisher: 44 bis 45) Mrd. € erhöhen. Dies entspricht jetzt währungs- und portfoliobereinigt einem Anstieg von 0 bis 1 (bisher: etwa 3 bis 4) %. Die um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA-Marge soll weiterhin währungsbereinigt auf etwa 28 % steigen.

Unter Zugrundelegung der genannten Umsätze entspricht dies nun einem währungsbereinigten EBITDA vor Sondereinflüssen von etwa 12,1 (bisher: 12,3 bis 12,6) Mrd. €. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll jetzt währungsbereinigt auf 6,70 bis 6,90 (bisher: Anstieg auf 7,00 bis 7,20) € steigen.

Die Redaktion empfiehlt

Das US-Berufungsgericht reduziert den Schadenersatz im „Johnson-Fall" um fast drei Viertel auf 20,5 Mio. Dollar. Der Schuldspruch wurde jedoch nicht – wie von Bayer gefordert – aufgehoben.

Mit 10,9 Mrd. Dollar will sich Bayer in den USA aus dem Glyphosatprozess herauskaufen. 1,25 Mrd. Dollar sind für weitere Prozesse eingeplant. Ein Bundesrichter will das nun evt. ablehnen.

Der Bayer-Konzern konnte im ersten Quartal 2020 vor allem bei Insektiziden und Fungiziden deutlich mehr umsetzen. Zu Glyphosat gibt es in den USA nun 52.500 Klagen.

Bayer hat heute bekannt gegeben, wieviele Klagen es inzwischen wegen dem Mittel Glyphosat gegen den Konzern gibt. Gut Geld verdient hat der Konzern trotzdem...


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