Interview

Dr. Hans Hochberg für gezielte Förderung von Dauergrünland Eco-Schemes

Für Grünland greifen die geplanten Eco-Schemes zu kurz. Neun Verbände haben eine eigene Idee. Die Position erklärt Dr. habil Hans Hochberg, Vorsitzender des Deutschen Grünlandverbandes.

Der Vorsitzende des Deutschen Grünlandverbandes, Dr. habil Hans Hochberg, sieht das Grünland bei der Agrarreform zu wenig berücksichtigt. Ökobetriebe könnten eine der Ökoregelungen gar nicht nutzen und Milchviehbetriebe nur sehr eingeschränkt. Die ohnehin problematische Einkommenssituation grünlandreicher Betriebe werde sich dadurch weiter verschlechtern. Mehr im Interview:

Die Eco-Schemes (Ökoregelungen) der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sind noch in der Ausgestaltung. Welche Maßnahmen sind für Grünland geplant?

Hochberg: Bei dem vom Bundestag im Juni beschlossenen Gesetz zur Umsetzung der GAP in Deutschland, dem GAP-Direktzahlungen-Gesetz (GAPDZG), sind sieben bundesweit einheitliche Maßnahmen geplant. Von diesen könnten Grünlandbewirtschafter als Maßnahme Altgrasstreifen oder -flächen anlegen, das gesamte Grünland des Betriebes extensivieren (max. 1,4 RGV/ha LF, kein Mineraldüngereinsatz), müssen mindestens vier Kennarten nachweisen und/oder in Natura2000-Gebieten nach Naturschutzvorgaben wirtschaften. In Summe ist das Grünland trotz seines herausragenden Stellenwertes beim Klima-, Umwelt- und Biodiversitätsschutz im GAPDZG völlig unterrepräsentiert.

Warum kommt das Grünland zurzeit noch zu kurz?

Hochberg: Die extensive Dauergrünlandbewirtschaftung und die 4-Kennarten-Maßnahme sind bekannte Agrarumweltmaßnahmen der 2. Säule der GAP, die in vielen Bundesländern mit angemessenen Beihilfen ausgestattet waren.

So können ökologisch wirtschaftende Grünlandbetriebe die geplante Maßnahme „Gesamtbetriebliche Grünlandextensivierung“ gar nicht nutzen und für die grünlandreichen Milchviehbetriebe wäre es nur sehr eingeschränkt möglich. Die 4-Kennarten-Maßnahme dürfte sich in den Gebieten mit Gunststandorten auf einen überschaubaren Flächenanteil beschränken. Altgrasstreifen oder -flächen anzulegen sowie Natura2000-Flächen naturschutzkonform zu bewirtschaften, kann auch nur einen begrenzten betrieblichen Flächenanteil einnehmen.

Das heißt, die bisher für das Grünland vorgesehenen Regelungen können mehrheitlich nur für einen geringen einzelbetrieblichen Grünlandflächenanteil in Anspruch genommen werden. Die ohnehin problematische Einkommenssituation grünlandreicher Betriebe wird sich dadurch weiter verschlechtern. Aber gleichzeitig gilt das Grünlanderhaltungsgebot der EU. Wie sollen diese Betriebe bei den geringen am Markt zu erzielenden Erlösen eine...


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