Düngegesetz

Stoffstrom-Bilanz: Vorschläge der Gruppe um Prof. Taube unter die Lupe genommen

Das von Prof. Taube vorgeschlagene 120/120-Modell bei der Stoffstrom-Bilanz hat bei den top agrar-Lesern für Unklarheiten gesorgt. Viele wünschten sich eine Stellungnahme von Prof. Taube. Bitte sehr.

2021 steht die Novellierung der Stoffstrom-Bilanzverordnung (StoffBilVO) an. In Vorbereitung darauf hat das Umweltbundesamt eine Stellungnahme mehrerer Wissenschaftler veröffentlicht.

Darin kritisieren sie den derzeitigen N-Saldo von 175 kg N/ha (brutto) als zu hoch, um die aktuellen Stickstoffprobleme in den Griff zu bekommen. Die Gruppe der Wissenschaftler um Herrn Prof. Taube schlägt als Alternative das 120/120-Modell vor.

In der top agrar-Meldung vom 19.11.2020 haben die Inhalte dieses Konzeptes für Unklarheiten gesorgt und viele Leser haben sich eine Stellungnahme von Prof. Taube gewünscht. top agrar hat nachgefragt.

Interview

top agrar: Anlässlich der bevorstehenden Novellierung der StoffBilVO haben Sie in Zusammenarbeit mit weiteren Wissenschaftlern das sogenannte 120/120-Modell vorgeschlagen, das den N-Saldo in der Stoffstrombilanz bei 120 kg N/ha deckeln soll. Was sind die Kernelemente bzw. Kernziele dieses Modells?

Prof. Taube: Laut Düngegesetz von 2017 wird ab 2021/22 eine novellierte Stoffstrombilanz für alle Betriebe bindend. Um die Ausgestaltung im Sinne guter landwirtschaftlicher Praxis zu fördern (was mit der bisherigen StoffBilVO nicht gelungen ist), haben wir einen Vorschlag unterbreitet, der sicherstellt, dass auf Basis der Brutto-Hoftor-Bilanz (also letzten Endes auf Basis von Belegen aus der Buchführung) Grenzwerte für Stickstoffüberschüsse geschaffen werden, die hohe Ertragsleistungen und geringe Umweltbelastungen kombinieren und vor allem das Ziel haben, Planungssicherheit für die Betriebe bis 2030 zu erreichen.

Das heißt, man muss jetzt umdenken: statt eines Netto-Saldos, der die so genannten unvermeidbaren Verluste aus organischen Düngern einbezieht und bei dem am Ende alle den Wert von max. +50 kg N/ha aus der alten DüV von 2017 einhalten mussten (durch die DüV 2020 entfallen), zählen nun die Brutto-Hoftorsalden.

Ein reiner Ackerbaubetrieb startet mit dem Grenzwert von 50 kg N/ha Bilanzüberschuss (wie bisher) In Abhängigkeit der Intensität der Tierhaltung/Biogaserzeugung steigt der erlaubte Bruttosaldo auf einen Maximalwert von 120 kg/ha an und bleibt dann ab einem Anfall...


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