Sortenwahl

Weizen: Welche Sorte für den Süden

Außergewöhnliche Wetterlagen erfordern robuste Weizensorten, die mit hohem Krankheits- und Lagerdruck, aber auch mit Trockenheit und Hitze gut zurechtkommen.

Unser Autor: Paul Zieglmaier, Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, Deggendorf-Straubing

Weizen ist mit rund 670.000 ha allein in Bayern und Baden-Württemberg die größte Kultur in Süddeutschland. Auch beim Weizen ist ein Zuchtfortschritt zu verzeichnen, der sich allerdings in der Praxis oft wegen Witterungsextremen oder sonstigen Einschränkungen (z.B. Düngeverordnung) nicht wiederfindet. Dennoch sind Krankheitsresistenzen, die Nährstoffeffizienz sowie die agronomischen Eigenschaften der neueren Sorten besser.

Grundsätzlich nutzen Anbauer diesen Züchtungsfortschritt, indem sie durchschnittlich alle vier bis fünf Jahre die Sorte wechseln. Sowohl bei den bayern- als auch bei den bundesweiten Vermehrungsflächen gibt es in den letzten beiden Jahren große Verschiebungen im Sortenranking. So ist z.B. die Fläche von RGT Reform von 5.331 ha in 2020 auf 3.653 ha in 2021 gesunken. Damit rutscht die Sorte auf den zweiten Rang hinter Asory mit 3.720 ha.

Bei einem Sortenwechsel sind das Ertragspotenzial, die Qualitätseigenschaften, die Krankheitsresistenzen und natürlich die agronomischen Eigenschaften wie Standfestigkeit und Reife die wichtigsten Kriterien. Hinzu kommen Winterfestigkeit, Fusariumanfälligkeit und Auswuchsfestigkeit.

Ertragsstabile Sorten nutzen

Es gibt keine Sorte, die in allen Eigenschaften optimal ist. Deshalb muss man bei der Sortenwahl stets Kompromisse eingehen. Die Landessortenversuche (LSV) helfen Ihnen, die richtige Sorte für Ihren Betrieb zu finden. Die Versuche werden in zwei Stufen durchgeführt:

  • In Stufe 1, der extensiven Stufe, werden keine Fungizide eingesetzt und Wachstumsregler nur bei hohem Lagerrisiko. Diese Stufe dient der Beurteilung von Krankheitsresistenzen und Standfestigkeit.

  • Stufe 2, die ortsüblich und optimal mit Wachstumsreglern und Fungiziden versorgt ist und häufig als Praxisvariante bezeichnet wird, zeigt hingegen die Ertragsleistung einer Sorte bei intensiver Bestandesführung an.

Interessant sind Sorten, die mehrjährig gute Erträge und die gewünschten Qualitäten bringen. Die Übersicht 1 zeigt mehrjährige Ergebnisse beispielhaft für das Anbaugebiet Tertiärhügelland/Gäu. Betrachten Sie stets beide Intensitäten. Denn Sorten, die in Stufe 1 stärker abfallen, benötigen bei hohem Krankheits- oder Lagerdruck häufig zusätzliche Pflanzenschutzbehandlungen.

Gesunde und standfeste Sorten, wie z.B. Spontan, sind hingegen in der Regel unproblematischer in der Bestandesführung, da sie eine nicht termingerechte oder ausbleibende Pflanzenschutzmaßnahme eher tolerieren.

Worauf kommt es neben dem Ertrag an?

Während sich die Sorten in trockenen und heißen Jahren eher in ihrer Rostanfälligkeit und Trockentoleranz bewähren müssen, waren 2020 und 2021 eher die Resistenzen gegenüber Septoria-Blattdürre und Fusarium gefragt. Außerdem spielt in feuchten Jahren die Fallzahl und Fallzahlstabilität sowie die Standfestigkeit eine wichtige Rolle. Die Eigenschaften relevanter Sorten sind in folgender Übersicht dargestellt.

Darüber hinaus sollten Sie – je nach Bedingungen – aber noch weitere Aspekte bei der Sortenwahl berücksichtigen, wie z.B.:

Stickstoffeffizienz: Die N-Effizienz einer Pflanze wird natürlich stark durch Eigenschaften wie Standfestigkeit und Krankheitsresistenzen beeinflusst. Denn nur eine gesunde und robuste Pflanze kann ihr Ertrags- oder Stickstoffanreicherungspotenzial bis zur natürlichen Reife nutzen.

Der N-Entzug durch das Korn, berechnet anhand des Kornertrags und des Rohproteingehalts in Stufe 2, schwankt in den bayerischen LSV 2016 bis 2020 zwischen den Weizensorten von 179 bis 197 kg/ha N und damit um knapp 20 kg. Die Sortenunterschiede sind also nicht sehr groß, wobei E- und A-Sorten wegen ihres höheren Rohproteingehalts tendenziell besser abschneiden und neue Sorten aufgrund des Züchtungsfortschritts besser sind als neuere. In Bayern erzielten Axioma, KWS Emerick, Lemmy und Moschus etwas überdurchschnittliche N-Entzüge.

Gleichwohl stehen Anbauer vor großen Herausforderungen hinsichtlich der Restriktionen der Düngeverordnung – insbesondere durch die Verschärfungen in den roten Gebieten. Eine wirtschaftliche Qualitätsweizenerzeugung mit dem vom Erfassungshandel und teilweise auch von der Verarbeitung geforderten Rohproteingehalten von 13% bei A-Weizen und 14% bei E-Weizen kann wohl nur noch auf den besseren Böden erfolgen und auch dort nicht immer sicher.

Die Sorten, die innerhalb ihrer Qualitätsgruppe die besten Rohproteingehalte erreichen, eignen sich für diesen Zweck am besten. Für den E-Bereich ist das Axioma und für den A-Bereich sind es Spontan und Lemmy.

Allerdings zählen diese genannten Weizensorten innerhalb ihrer Qualitätsgruppe nicht zu den ertragsstärksten. Alternativ könnten noch ertragsstarke Eliteweizen, wie z.B. KWS Emerick oder Moschus, angebaut und gegebenenfalls nach A–Proteinniveau vermarktet werden.

Fallzahl und Fallzahlstabilität: Eine feuchte Witterung in der Ernte kann sich schnell auf die Fallzahl auswirken. Sorten mit hoher Fallzahlstabilität können hier länger die Qualität halten. In diesem Merkmal sind besonders Axioma, Moschus, KWS Emerick, RGT Reform, Pep, Foxx und als neuere Sorte Komponist besonders hervorzuheben.

Fusariumresistenz: Gerade bei Mais als Vorfrucht sollte man fusariumresistente Sorten wählen. Deoxynivalenol (DON) ist ein Mykotoxin, das sich infolge von Fusariuminfektionen...


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