Interview

Wirkstofffunde – ein Problem für Wasserwerke?

Mit hochgenauer Spurenanalytik lassen sich Wirkstoffe in Wassereinzugsgebieten finden. Das Herausfiltern ist aufwendig und teuer. Über Lösungsansätze sprachen wir mit einem Experten.

Prof. Dr. Ing. Frieder Haakh, Stuttgart (Baden-Württemberg)
Herr Prof. Haakh ist Technischer ­Geschäftsführer beim „Zweckverband Landeswasserversorgung“. Das Unternehmen liefert Trinkwasser für rund drei Millionen Einwohner im Versorgungsgebiet. Er engagiert sich beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) für den Gewässerschutz, ist ­Mitglied des „Runden Tisches“ mit den ­Pflanzenschutzmittelherstellern und hält Vorlesungen zum Thema „Grundwassererkundung, – erschließung und -management“ für Bau- und Umweltingenieure an der Universität Stuttgart.

Spuren von Pflanzenschutzmittel­wirkstoffen können in Gewässer ge­langen. Welche Wirkstoffe und/oder ­Abbauprodukte („Metabolite“) von Pflanzenschutzmitteln sind im Wassereinzugsgebiet Ihres Wasserwerks am häufigsten zu finden?

Haakh: Wir finden in den Oberflächengewässern in unseren Wasserschutzgebieten Glyphosat, Metolachlor, Tebu­conazol, Nicosulfuron, Dimethenamid, Metconazol, MCPA und Dicamba. Über dem Grenzwert im Grundwasser liegen nach wie vor Desethylatrazin, Metabolite von Metolachlor und ­Metazachlor, Chloridazon, Desethylterbuthylazin, Desisopropylatrazin und möglicherweise noch viel mehr, wenn wir wüssten, was genau wann und wo gespritzt wird.

Hat es in den letzten 10 bis 15 Jahren eine Verschiebung der Funde hin zu mehr Abbauprodukten und weniger Wirkstoffen gegeben? Wie haben sich die Fundzahlen in dieser Zeit insgesamt entwickelt?

Haakh: Wir untersuchen das Wasser regelmäßig auf 128 Wirkstoffe und Metaboliten und finden auch mehr Stoffe. Das hat aber auch mit der Entwicklung der Spurenstoffanalytik zu tun, wo wir in den einstelligen Nanogramm pro Liter-Bereich und zusätzlich zu polareren Substanzen vorgestoßen sind. Deswegen finden wir insgesamt mehr als vor 10 oder 15 Jahren.

Ob mehr gespritzt wird, wissen wir nicht genau, weil das Landwirt­schaftsministerium eine landesweite Statistik verweigert, sodass diese ­wichtigen Daten nicht vorliegen.

Führen die Extremwetterlagen mit ­verstärkten Starkregenfällen zu ­höheren Wirkstoffeinträgen?

Haakh:...

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