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Mehrgefahrenversicherung: Künftig mit Zuschüssen?

In ersten Bundesländern bekommen Landwirte nun Zuschüsse zur Erntepolice – auch für Acker- und Grünland. Aber jedes Bundesland macht es anders. Kann das die Zukunft sein?

Lesezeit: 4 Minuten

Hagel, Sturm, Starkregen, Trockenheit – gegen diese Risiken schützen Mehrgefahrenversicherungen. Bei vielen europäischen Nachbarn machen staatliche Zuschüsse diesen Schutz längst finanzierbar, in Deutschland aber ist die Förderung umstritten. Seit einigen Jahren unterstützen einzelne Bundesländer die Erntepolice – zunächst für Sonderkulturen.

Seit 2023 fördert Bayern auch Policen für Acker- und Grünland. Niedersachsen will noch 2024 nachziehen. Ist das der Einstieg in die flächendeckende Förderung? Wir haben nachgefragt.

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Bayern: 5.300 Betriebe stellten Förderantrag

Bayern macht es vor. Eine breit angelegte Förderung der Mehrgefahrenversicherung, die neben Sonderkulturen auch die Absicherung von Acker- und Grünland fördert, findet direkt im ersten Jahr Akzeptanz bei den Landwirten.

Im ersten Jahr der Förderung stellten insgesamt rund 5.300 Betriebe einen Förderantrag. Aktuell bieten die Allianz Agrar, die Vereinigte Hagel und die Versicherungskammer Bayern verschiedene Varianten der geförderten Police an. Dabei können Landwirte einzelne Kulturen versichern, die Risiken aber nur im Paket. Der  Zuschuss beträgt bis zu 50 % der förderfähigen Nettoversicherungsprämie. Wie sog. Bayernpolice funktioniert und was Landwirte konkret davon haben, lesen Sie hier

Welche Förderung es in Niedersachsen geben soll

Noch in diesem Jahr soll es auch in Niedersachsen (Hamburg und Bremen) Prämienzuschüsse für die Versicherung von Acker- und Grünland gegen Sturm, Starkregen, Starkfrost, Trockenheit und Überschwemmung geben.

Der Zuschuss beträgt wie in Bayern bis zu 50 % der zuwendungsfähigen Prämie. Hagel kann mitversichert werden, dies wird aber anders als in Bayern nicht gefördert. Weitere Unterschiede: Landwirte sollen nicht nur mehrere Risiken im Paket, sondern auch Einzelrisiken versichern können. Und Betriebe, die bestimmte Öko-Regelungen einhalten oder an Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen teilnehmen, sollen bevorzugt berücksichtigt werden.

Große Unterschiede in den Bundesländern

In weiteren Bundesländern beschränkt sich die Förderung der Erntepolice derzeit auf bestimmte Sonderkulturen, ebenfalls mit Unterschieden z. B. bei den förderfähigen Kulturen und Risiken. Wieder andere Bundesländer fördern die Erntepolicen gar nicht. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern prüfen die Einführung einer geförderten Mehrgefahrenpolice. Einen groben Überblick gibt die Übersicht.

Die Finanzierung der verschiedenen Programme erfolgt entweder über die zweite Säule der GAP aus Mitteln der EU und der Länder (ELER-Förderung), allein aus Landesmitteln oder mithilfe spezieller Programme für den Weinbau.

Kritikpunkte

Die Initiativen der Bundesländer in Sachen Mehrgefahrenversicherung stoßen  bei aller Akzeptanz auch auf Kritik, z. B. im Hinblick auf die Verschiedenheit der Förderprogramme. Im Einzelnen:

  • Unterschiede z. B. bei den förderfähigen Kulturen und Risiken oder bei den Schadschwellen bergen die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung innerhalb von Deutschland.

  • Kontrovers diskutiert werden spezielle Bedingungen wie z. B. die Absicherung von Fraßschäden in Bayern oder die Bevorzugung von Betrieben, die sich an bestimmte Umweltstandards halten, in Niedersachsen.

  • Die Unterschiede der Länderprogramme führen zu einem Mehraufwand für Versicherer, Ministerien und  letztlich auch für die Landwirte

In Zukunft über die GAP?

Sowohl Versicherer als auch Verbände fordern eine Angleichung der Förderbedingungen innerhalb von Deutschland. So appelliert der Deutsche Bauernverband noch in der laufenden Förderperiode bis 2027 stärker auf gleichwertige und vergleichbare Fördergegenstände und -voraussetzungen zu achten. Es sollten alle Betriebe unabhängig von Größe, Region und Produktionsrichtung unterstützt werden. Ab 2030 schlägt der DBV eine national einheitliche Bezuschussung aus GAP-Mitteln und nationalen Mitteln vor.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium verweist in Sachen Prämienzuschüsse nach wie vor auf die Zuständigkeit der Länder. Der Bund fördere die Erntepolice im Übrigen schon durch die niedrige Besteuerung mit 0,3 Promille der Versicherungssumme.

Ein Knackpunkt: die Finanzierung

Ein weiteres Problem ist die Finanzierung: Angesichts der aktuellen Haushaltlage sind die zur Verfügung stehenden Gelder des Bundes begrenzt. Und in Politik und Verbänden besteht Einigkeit, dass die Förderung der Mehrgefahrenversicherung nicht zulasten von anderen wichtigen Förderprogrammen wie z. B. der Investitionsförderung umgeschichtet werden soll.

Nur für großflächige Risiken?

Darüber hinaus weist Dr. Frank Offermann vom Thünen Institut in Braunschweig darauf hin, dass eine staatliche Förderung sich aus ökonomischer Sicht auf großflächige existenzgefährdende Risiken konzen­trieren sollte. Sinnvoll sei deshalb, bevorzugt die Absicherung von Dürre und Überschwemmungen zu fördern. Außerdem sollten die geförderten Schadschwellen sich auf den ganzen Betrieb beziehen, statt auf Feldstücke.

Andere Maßnahmen nicht vergessen

Im Übrigen gibt es nach wie vor grundsätzliche Vorbehalte gegen die staatliche Förderung von Erntepolicen. So betont Dr. Frank Offermann, dass eine solche Förderung falsche finanzielle Anreize setzen könne und Landwirte deshalb andere Möglichkeiten zur Risikominimierung vernachlässigen könnten, wie z. B. Maßnahmen der Produktionstechnik oder der Diversifizierung sowie die Rücklagenbildung. Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium betont, dass Landwirte vorrangig vorbeugende risiko- und schadensvermeidende Maßnahmen verfolgen und intensivieren sollten. Der DBV fordert nach wie vor die Einführung einer Risiko-Gewinnrücklage.

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