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Kurzumtrieb: Günstige Ernte für kleine Flächen

Lesezeit: 5 Minuten

Bei Anbau und Ernte von schnellwachsendem Energieholz sind günstige Verfahren gefragt. Die landwirtschaft-liche Lehranstalt in Bayreuth hat verschiedene Verfahren getestet.


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Über den richtigen Anbau und die Ernte von Kurzumtriebsplantagen wird in der Praxis trefflich gestritten. Wichtig für Praktiker ist, dass die Arbeiten zu günstigen Kosten und mit möglichst geringem Aufwand zu erledigen sind - besonders, wenn das Holz auf den eigenen Flächen zur Selbstversorgung angebaut wird.


Bei der Wahl der Verfahren will die landwirtschaftliche Lehranstalt in Bayreuth (Bayern) den Landwirten helfen. Seit 2005 gibt es hier Erfahrungen mit dem Anbau und der Ernte von Pappeln.


Folie unterdrückt Unkraut:

Beim An-bau hat die Lehranstalt ein einfaches Verfahren zur Unkrautunterdrückung entwickelt. Das Unkraut stellt ein großes Ausfallrisiko beim Anpflanzen dar, weil es die rund 15 cm langen Stecklinge schnell überwuchern kann. Aus diesem Grund lautet die allgemeine Anbauempfehlung, die Fläche im Herbst vor dem Pflanzen mit einem Totalherbizid zu behandeln. Trotzdem muss man den Bestand auch im ersten Jahr unkrautfrei halten, damit die Stecklinge gut anwachsen können.


Als Alternative lässt sich das Unkraut auch mit einer Folie unterdrücken. „Wir haben dazu eine 70 cm breite Folie ausgelegt und rechts und links Erde darauf gehäufelt“, berichtet Martin Höpfel, Gutsverwalter bei der Lehranstalt.


Dafür hat der Betrieb ein Häufelgerät mit zwei Hohlscheiben selbst gebaut, das von einem Traktor gezogen wird. An dieser Maschine angebaut ist ein Rad mit einem Durchmesser von 1,60 m, bei dem an einer Stelle in Verlängerung einer Speiche ein Bolzen befestigt ist. Dieser Bolzen stanzt bei jeder Umdrehung auf der Folie im richtigen Abstand von 1,60 m Löcher, in die die Pflanzer die jungen Triebe stecken.


Die Erfahrung damit: Die Folie hat nicht nur das Unkraut zurückgehalten, sondern auch die Feuchtigkeit. „Das haben wir im Sommer gemerkt, als der Boden an den Stellen ohne Folie austrocknete und tiefe Risse bekam. Die Stecklinge sind da einfach in die Risse gefallen und nicht mehr angewachsen“, hat der Gutsverwalter beobachtet.


Zu Versuchszwecken hatte die Lehranstalt Silofolie verwendet. Für die Praxis ist dagegen kompostierbare Folie zu empfehlen, die auf der Fläche bleiben kann. „Die Folie könnte das Standardverfahren werden“, meint auch Rainer Prischenk, Leiter der Versuchsanstalt.


Ernte mit der Motorsäge:

Bei der Ernte von Kurzumtriebsplantagen wächst die Zahl von großtechnischen Ernteverfahren wie z. B. die Ernte mit einem angepassten Feldhäcksler. Aber lohnt sich das auch bei kleinen Beständen? „Gerade bei kleineren Flächen wird die Ernte mit der Motorsäge das Mittel der Wahl bleiben“, ist Höpfel überzeugt. „Im Winter hat jeder Landwirt ein paar Tage Zeit, um mit eigenem Personal Brennholz zu schneiden.“


Die Versuchsanstalt hat hierzu verschiedene Verfahren getestet. Die eine Möglichkeit ist es, die Pappel flach über dem Boden abzuschneiden und die Stämme anschließend mit einem Traktor mit Palettengabel zu einem Haufen zusammenzuschieben. Vorteil: Die Fläche ist relativ schnell geräumt. Der Nachteil macht sich dagegen beim nächsten Umtrieb bemerkbar. Denn aus dem Wurzelstock schlagen nicht einer, sondern drei bis vier Triebe aus. „Entsprechend mehr Triebe sind dann bei der nächsten Ernte abzusägen, was sehr mühsam ist“, berichtet Höpfel.


Eine interessante Alternative ist, den Stamm bei der ersten Ernte in einer Höhe von ca. 30 cm abzuschneiden. Beim nächsten Umtrieb kann man dann direkt unter der Austriebsstelle abschneiden, muss also weiterhin nur einen Stamm absägen.


Der Nachteil: Da die Stammreste aus dem Boden ragen, kann man die Stämme nicht zusammenschieben. Stattdessen muss man sie auf einen Rückewagen laden und zum Hacken zu einem zentralen Holzplatz fahren.


Als Alternative zur Motorsäge hat die Lehranstalt auch eine Motorsense mit Kreissägeblatt getestet. Der Vorteil wäre, dass der Bediener sich nicht Bücken muss. Aber die Ernte mit der Motorsäge geht deutlich schneller und bleibt daher für Höpfel das Verfahren der Wahl.


Genauso skeptisch sieht er die Ernte mit einer Kranzange am Raupenbagger. Auch dieses Verfahren kommt von der Geschwindigkeit mit der Motorsäge nicht mit. „Außerdem ist der Bagger mit rund 2 500 € je ha deutlich teurer als der Motorsägentrupp“, rechnet Höpfel vor.


Nur Teilfläche fällen:

Dazu kommt: Wer Holz alle sechs Jahre nur für den Eigenbedarf erntet, wird ohnehin nicht die ganze Fläche fällen, sondern stattdessen jedes Jahr im Winter nur einen Teil der Plantage. Das sorgt für eine kontinuierliche Versorgung. Aber je kleiner die Fläche, desto weniger lohnt sich eine maschinelle Ernte.


Die Ernte von Teilflächen hat aber noch einen weiteren Vorteil, wie Höpfel beobachtet hat: Nach einer Ernte befällt der Pappelbock als Schädling die jungen Triebe nach dem Wiederausschlag (siehe Kasten) und kann so für erheblichen Schaden sorgen. Lässt man dagegen einen Teil der älteren Bäume stehen, begnügen sich die Käferlarven mit den Altpflanzen und lassen die jungen Triebe in Ruhe.


In Bayreuth haben die Trockenmasse-Zuwächse nicht das Niveau erreicht, dass die Literatur angibt. „Wir haben jetzt zweimal geerntet, einmal nach fünf und einmal nach sieben Jahren. Beim ersten Schnitt haben wir pro Jahr 5 t, beim zweiten Schnitt 6 t Trockenmasse geerntet“, berichtet Prischenk. In der Literatur werden dagegen TM-Zuwächse von 10 t und mehr pro Jahr angegeben.


Dennoch ist er überzeugt, dass der KUP-Anbau künftig weiter zunehmen wird: „Selbst auf schlechten Böden können wir damit 400 bis 600 € je Hektar und Jahr erlösen bei geringen Kosten. Für Rand- und Restflächen ist Energieholz daher eine sehr gute Alternative!“


Hinrich Neumann

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